Luginbühl und Stöckli sitzen fest im Sattel

SVP-Kandidat Albert Rösti ist der einzige, der den amtierenden Berner Ständeräten gefährlich werden könnte – wenn überhaupt.

Ihnen wird kaum jemand das Wasser reichen können: Hans Stöckli (links) und Werner Luginbühl.

Ihnen wird kaum jemand das Wasser reichen können: Hans Stöckli (links) und Werner Luginbühl.

(Bild: Keystone)

Adrian Schmid@adschmid

Momentan befindet sich erst ein Ständeratskandidat spürbar im Wahlkampf: Albert Rösti. Der SVP-Nationalrat tingelt in diesen Tagen mit seiner Veranstaltung «Rösti mit Rösti» von Ort zu Ort. Dass er als erstes in den Wahlkampfmodus umgeschaltet hat, ist nicht weiter verwunderlich. Von den fünf Herausforderern ist Rösti der einzige, der den beiden Bisherigen am ehesten gefährlich werden könnte – nur schon deshalb, weil die SVP mit Abstand die stärkste Partei im Kanton Bern ist.

Dennoch sind die beiden amtieren Ständeräte, Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP), klar in der Pole¬position. Sie können es sich vorderhand noch leisten, Rösti gewähren zu lassen. Stöckli etwa bedankt sich beim Einstieg auf seine Internetseite nach wie vor für die Wahl von 2011. Wenn einer der beiden im Herbst abgewählt würde, wäre das nach jetzigem Stand der Dinge eine Überraschung. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass sie auf den so wichtigen Bisherigen-Bonus bauen können. Zudem gelten sie weit über das eigene Lager hinaus als wählbar. Ständeratswahlen sind auch immer Personenwahlen. Luginbühl und Stöckli pflegen einen unaufgeregten Politstil. Und beide betonen immer wieder, dass sie gut zusammenarbeiten. Selbst Rösti hat bereits verlauten lassen, die Hürde sei «sehr hoch».

Wie bei den letzten Wahlen 2011?

Vieles spricht dafür, dass die Wahlen ähnlich wie vor vier Jahren ablaufen könnten. Damals sicherte sich im ersten Durchgang zwar Adrian Amstutz (SVP) am meisten Stimmen. Im zweiten Wahlgang konnte er aber nicht mehr zulegen. Die Mitte-Links-Stimmen konzentrierten sich auf Luginbühl und Stöckli. Sie machten am Ende das Rennen.

Mit Rösti hat die SVP nun einen moderateren Kandidaten aufgestellt. Er dürfte mehr Stimmen über die eigenen Parteigrenzen hinaus holen als Hardliner Amstutz. Ob das reicht, um einen der Bisherigen zu schlagen, ist dennoch fraglich. Aus dem linken Lager war bereits zu hören, es mache keinen Unterschied, ob die SVP mit Amstutz oder Rösti antrete. Ausserdem kann Rösti nicht auf ein bürgerliches Ticket zurückgreifen. Er und Luginbühl machen getrennt Wahlkampf. Davon profitiert letztendlich Stöckli. Aufgrund der Wähleranteile hätten die Bürgerlichen durchaus das Potenzial, um die ungeteilte, bürgerliche Standesstimme anzustreben. Diese hatte über Jahrzehnte hinweg Bestand gehabt. Eine wichtige Voraussetzung dafür wäre ein gemeinsamer Auftritt. Die BDP unterstützt jedoch die Kandidatin der FDP.

Kommen noch Exoten dazu?

Am grössten wären Röstis Chancen wohl, wenn Luginbühl schon im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreichen würde. Immerhin erzielte der BDP-Ständerat vor vier Jahren im zweiten Durchgang das beste Resultat. Im zweiten Wahlgang käme es dann zum Stechen zwischen Rösti und Stöckli. Dabei wäre ein Szenario wie bei der Ersatzwahl im Frühjahr 2011 möglich, als Amstutz gegen Ursula Wyss (SP) siegte. Damit es soweit käme, müsste aber Luginbühl im ersten Wahlgang im Vergleich zu den letzten Wahlen rund 20 000 zusätzliche Stimmen holen. Dies ist eher unwahrscheinlich, da die BDP ganz allgemein mit Verlusten rechnen muss und das Feld der Kandierenden gross ist.

Mit sieben Personen, die bislang nominiert wurden, wird man nicht um zwei Wahlgänge herumkommen. Im zweiten treten normalerweise nur noch die aussichtsreichsten Kandierenden an. Claudine Esseiva (FDP), Jürg Grossen (GLP), Christine Häsler (Grüne) und Marianne Streif (EVP) gehören nicht dazu. Zu gering sind ihre Chancen. Die FDP-Vertreter etwa blieben 2011 beide Male unter 70'000 Stimmen. Für eine Wahl hätten sie mehr als doppelt so viele gebraucht. Bei all diesen Kandidaturen geht es vor allem darum, dass die Parteien im Hinblick auf die Nationalratswahlen eine zusätzliche Plattform erhalten. Möglicherweise wird das Teilnehmerfeld noch durch Exoten ergänzt. Die offizielle Meldefrist läuft erst Mitte August ab.

Der Bund

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