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«Linienflugverkehr ab Bern grenzt an Lokalromantik»

Mit neuem Geld will Skywork von Bern aus weiterfliegen und gar expandieren. Aviatik-Experte Sepp Moser gibt den Plänen wenig Erfolgschancen: Die Nachfrage ab Bern sei schlicht zu klein.

Seit Mittwoch wieder in der Luft: Die Flieger von Skywork waren drei Tage lang gegroundet.
Seit Mittwoch wieder in der Luft: Die Flieger von Skywork waren drei Tage lang gegroundet.
Adrian Moser

Herr Moser, Skywork ist seit heute Morgen wieder in der Luft. Überrascht?

Mich überrascht im Fluggeschäft so schnell nichts.

Skywork bewahrt Stillschweigen über die Geldgeber, die den Weiterflug ermöglichen. Haben Sie eine Vermutung?

Nein. Offenbar gibt es Leute, die es eine gute Idee finden, in den Linienflugverkehr ab Bern zu investieren. Sie sollen das machen, andere kaufen sich einen Maserati oder zocken im Casino. Ich würde mein Geld nicht in Bern investieren.

Warum?

Linienflugverkehr von Bern aus grenzt an Lokalromantik. Von hier aus ein rentables Liniennetz aufzubauen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen, das hat die Vergangenheit bewiesen.

Warum funktioniert dieses Geschäft nicht?

Es fehlt schlicht eine genügende Nachfrage. Mit 200'000 Bernern, die drei Landesflughäfen im nahen Umfeld haben, können Sie nachhaltig kein Liniennetz betreiben. Vom Berner Stadtzentrum aus benötigen Sie mit dem ÖV rund eine halbe Stunde, um an den Flughafen zu gelangen – mit Umsteigen. Zur Auswahl gibt es einige wenige Destinationen. Mit dem IC stehen Sie in einer guten Stunde in Zürich-Kloten am Check-In und können in die ganze Welt fliegen. Es gibt schlicht zu wenig gute Gründe, um von Bern aus zu fliegen. Aus Sicht der Airline kommt in Bern dazu der Nachteil der zu kurzen Piste, die den Einsatz grösserer und rentablerer Flugzeuge nicht erlaubt.

Dann geben Sie den Plänen von Skywork keine Chance?

Der Markt wird entscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man unter den gegebenen Bedingungen in Bern mit dem Liniengeschäft Geld verdienen könnte. Es gibt einige Nischen, wie die saisonalen Charterflüge ans Mittelmeer oder die Flüge für englische Skitouristen. Helvetic und andere machen das von Bern-Belp aus sehr gut. Bern als Zentrum eines Liniennetzes funktioniert aber nicht – man baut ja auch nicht in Rüegsauschachen einen Rangierbahnhof.

Die Skywork-Verantwortlichen haben das Problem des zu kleinen Marktes erkannt und angekündigt, an andere Standorte zu expandieren. Was halten Sie von dieser Strategie?

Vielleicht ist das eine Lösung. Aber ich kann mir schwer vorstellen, dass sie funktioniert, wenn Bern der Mittelpunkt des Skywork-Netzes bleibt. Das Urteil wird aber schliesslich der Markt fällen.

Was bedeutet der angekündigte Markteintritt von Adria Airways für Skywork? Die slowenische Gesellschaft will auf vier Routen fliegen, die auch die Berner bedienen?

Es gelten die Gesetze des Wettbewerbs – für Skywork wird es damit sicher nicht einfacher.

Adria Airways ist Mitglied der Star Alliance, zu der auch die Lufthansa gehört. Die Slowenen wollen als Mitglied von Star Alliance von Kunden begehrte, direkte Flüge zu deren Hubs in Wien und München abwickeln. Wie gross ist dieser Vorteil von Adria Airways gegenüber Skywork?

Es ist ein Vorteil, man darf ihn aber nicht überbewerten. Die Frage für einen Passagier ist: Warum soll ich mit Umsteigen über München nach New York fliegen, wenn es von Zürich aus mehrere Direktflüge pro Tag gibt?

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