Lieber zu wenig tun als das Falsche

Die Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften im Kanton Bern steht noch aus. Zuerst müssen sie sich in der Gesellschaft zurecht finden - ohne religiösen Identitätsverlust.

Frauen im Gebet(Symbolbild).

Frauen im Gebet(Symbolbild). Bild: Urs Jaudas (Archiv)

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Der Regierungsrat «juflet» nicht, was die Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften angeht. Einige mögen dies bedauern, doch hat das Abwarten einiges für sich. Eine Anerkennung wäre derzeit verfrüht. Die islamische Gemeinschaft mit ihrem umfassenden Deutungsanspruch hat noch kein genügendes Bewusstsein dafür entwickelt, was es heisst, seine Identität in einer Gesellschaft zu finden, die entweder anders oder gar nicht mehr religiös ist. Das Judentum hat bereits im Altertum während langer Jahre im Exil gelernt, sich im Spannungsfeld zwischen der Treue zum Glauben und dem Leben in einer nichtjüdischen Umgebung zu bewegen. Der Islam muss dies erst noch leisten.

Dies ist aber die Voraussetzung, damit auch der Islam gesellschaftskompatibel wird, indem seine Anhänger zwar ihre religiöse Identität bewahren, sich aber zugleich als vollwertigen Teil der andersgläubigen oder säkularen Gesellschaft begreifen. Viele Muslime und Musliminnen tun dies bereits jetzt, wenn auch oft unbewusst. Andere haben Mühe, diese Notwendigkeit zu akzeptieren. Was es sicher nicht braucht, sind gross angelegte Islamkonferenzen nach deutschem Vorbild mit zum Teil problematischen Führungspersönlichkeiten. Diese erlangen dadurch eine überproportionale Bedeutung, obwohl sie oft nur eine Minderheit vertreten.

Denkbar und wünschenswert wäre – und dies schlägt auch die soeben veröffentlichte Auslegeordnung von Matthias Inniger vor – ein staatliches Monitoring. Dadurch würden islamische Gemeinden auf der religiösen Landkarte des Kantons überhaupt einmal als beschriftete Punkte aufscheinen. Und wann käme die Anerkennung? Hierfür gibt es zwei Optionen: Islamische Vereine würden recht bald anerkannt, danach würden sie sich (hoffentlich) in Einstellung und Organisationsform dem Modell der christlichen Landeskirchen annähern.

Oder aber die historisch gewachsenen und oft in gesellschaftlichen Nischen agierenden islamischen Vereine müssten erst ans Licht kommen, sich transparent organisieren und finanzieren und ihre Imame seriös ausbilden – und dann würde der staatliche Ritterschlag folgen. Das Zweite wäre eindeutig vorzuziehen, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Erstellt: 11.12.2018, 06:31 Uhr

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