Zum Hauptinhalt springen

Letzter Aufruf für die Wirtschaft Borisried

Nach dem Abgang des früheren Pächters suchen Fritz und Elisabeth Rothen neue Wirtsleute. Dies gestaltet sich nicht ganz einfach.

Damit die Gäste nicht kilometerweit umsonst fahren, werden sie schon in Oberbalm informiert, dass die Wirtschaft Borisried geschlossen ist.
Damit die Gäste nicht kilometerweit umsonst fahren, werden sie schon in Oberbalm informiert, dass die Wirtschaft Borisried geschlossen ist.
mdü
An Wegweisern herrscht kein Mangel, doch wer die Wirtschaft Borisried aufsucht, steht derzeit vor verschlossenen Türen.
An Wegweisern herrscht kein Mangel, doch wer die Wirtschaft Borisried aufsucht, steht derzeit vor verschlossenen Türen.
mdü
Der Parkplatz vor der Wirtschaft Borisried ist derzeit leer, doch die schöne Umgebung des Gantrischgebiets bleibt unverändert.
Der Parkplatz vor der Wirtschaft Borisried ist derzeit leer, doch die schöne Umgebung des Gantrischgebiets bleibt unverändert.
mdü
1 / 6

Laufkundschaft im üblichen Sinn gibt es an diesem abgelegenen Ort kaum. Vom Dorf Oberbalm, das schon weit draussen auf dem Land liegt, steigt das Strässchen nochmals fast vier Kilometer in Richtung Gantrischkette an, bis der Weiler Borisried erreicht ist. Laufkundschaft gibt es nur, wenn durstige oder hungrige Wandersleute oder Jakobswegpilger auf ihrer Tour einkehren. Oder einkehrten, denn derzeit ist das Restaurant geschlossen. Man suche neue Pächter, heisst es auf Schiefertafeln vor dem Haus.

Bei schönstem Wetter geschlossen

Schöne Tage hätte es im Oktober etliche gegeben. Doch die Beiz ist schon seit Juli geschlossen. «Schade, bei dem schönen Wetter», sagte Fritz Rothen letzte Woche auf Anfrage, «es ist verrückt.» Die aus Bayern stammenden Wirte habe er inzwischen aus dem Vertrag entlassen. Die Sache habe sich zuerst gut angelassen. Vom Wirt, einem gelernten Metzger, habe er sich einiges versprochen. Mit neuen Menükärtli und Prospekten habe der Wirt den Eindruck erweckt, als habe er einiges vor.

Doch dann war die Beiz unregelmässig offen: Die Gäste konnten nie sicher sein, ob sie empfangen würden. Dann blieb sie ganz zu. Im Sommer lästerten Susanne und Ferdinand Rossmüller auf der Webseite, es gebe im Betrieb «völlig veraltete Maschinen» und der Besitzer schleiche «Tag und Nacht ums Haus». Fritz Rothen schüttelt darüber den Kopf. Dass er am Haus vorbeigehe, sei unvermeidlich, da er nebenan wohne. Und einen neuen Induktionsherd habe er für die bayerischen Wirtsleute ebenso einbauen lassen wie eine neue Kühlung.

Dass eine Ausflugsbeiz anspruchsvoll zu führen ist, wissen Rothens aus eigener Erfahrung. Manchmal läuft gar nichts, dann ist die Bude wieder voll. 40 Jahre lang führten sie die Wirtschaft. 2011 übergab Fritz Rothen, damals schon im Pensionsalter, den Betrieb an junge Nachfolger namens Jacqueline Wirz und Martin Kreisl. «Sie haben es gut gemacht», sagt er. Nach fünf Jahren hörten sie 2016 auf: Dem Paar mit den kleinen Kindern wurde die Belastung zu gross. Dann kamen die Bayern ins Spiel.

Vor einigen Jahren gab es in Borisried ein Projekt, wonach im ehemaligen Schulhaus ein kleiner Gastgewerbebetrieb hätte entstehen sollen. Rothen erhob Einsprache, denn zwei Beizen hätte der Weiler mit seinen wenigen Häusern kaum vertragen. Das Projekt wurde abgeblasen. Nun gibt es im Dorf nur noch die Käserei direkt neben der Beiz, doch läuft deren Produktion derzeit laut Rothen auch nicht auf Volltouren. Etwas Belebung könnte dem Weiler also nur gut tun.

«Pächter hat viel kaputt gemacht»

Deshalb sucht Rothen derzeit intensiv nach neuen Wirtsleuten, bisher ohne Erfolg, denn die missglückte Phase mit den bayerischen Wirten lastet auf dem Betrieb. «Er hat viel kaputt gemacht», sagt Rothen. Den Gästen habe er «unwahres Zeug erzählt», was dann auf Umwegen wieder zu ihm gelangt sei. Dennoch bleibt Rothen zuversichtlich: «Wenn es ein neuer Wirt gut macht, kommen die Leute wieder.» Die Beiz im Wandergebiet hatte schliesslich weitherum einen Namen. Auch in der Stadt Bern war sie vielen Ausflüglern ein Begriff. So bemühten sich Zeitungsgastrotester 2015 dorthin – und waren entzückt.

Rothen sagt, er werde noch diese Woche Inserate schalten, um neue Pächter zu finden. Und wenn sich keine geeignete Person meldet? «Dann müssen wir auch eine Umnutzung in Betracht ziehen.» Im Klartext: Die Wirtschaft Borisried wäre dann definitiv Geschichte.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch