Lehrerverband warnt vor Sparpaket

Bei den Integrations- und Unterstützungslektionen würde ein Abbau die Schule dort treffen, wo sie schon am schwächsten sei, warnt der Berufsverband Bildung Bern.

Über den sogenannten IBEM-Pool erhalten die Schulen vom Kanton Lektionen finanziert, um der Vielfalt der Schülerinnen und Schüler und deren Bedürfnissen gerecht zu werden. Dazu gehören Lektionen wie Integrative Förderung, Logopädie, Psychomotorik, Deutsch als Zweitsprache oder Begabtenförderung. Solche Lektionen seien unbedingt nötig, um einem integrativen Schulmodell nachzuleben, bei dem Kinder mit besonderem Bildungsbedarf soweit wie möglich in Regelklassen unterrichtet werden, betonte Anna-Katharina Zenger, Leiterin Gewerkschaft von Bildung Bern.

Mit der Integration leiste die Schule einen wichtigen Beitrag an Gesellschaft und Wirtschaft. Kinder aus bildungsfernen Schichten hätten dank besserer Schule mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt und könnten den Grundstein für ein selbständiges und unabhängiges Leben legen. Weiter entlaste die integrative Schule auch Heime, Sonderschulen und Sozialdienste.

Der Kanton Bern habe die Leistung der Integration von den Schulen bestellt, aber längst nicht genügend Mittel dafür gesprochen. Und nun sollen bis 2021 gar noch 6,8 Millionen Franken eingespart werden. «Kein Wunder, fühlen sich die Lehrpersonen von der Politik im Stich gelassen», betonte Zenger.

Anspruchsvoller Alltag Der Schulalltag gestaltet sich heute anspruchsvoll: Immer öfter werden Lehrpersonen mit verhaltensauffälligen Kindern konfrontiert, die den Schulunterricht lahmlegen. Dazu kommen Kinder mit psychomotorischen Störungen und kriegstraumatisierte Flüchtlingskinder. Gleichzeitig steigt auch der Anspruch der Eltern, dass auch begabte Kinder in der Volksschule gefördert werden. Integration an der Volksschule sei der bessere und günstigere Weg, als neue Sonderklassen zu schaffen , zeigte sich Regula Bircher, Geschäftsführerin von Bildung Bern, überzeugt. «Integration funktioniert - aber nur mit den notwendigen Ressourcen», gab auch Roland Amstutz, juristischer Berater von Bildung Bern, zu bedenken. In seiner Funktion ist Amstutz nach eigenen Angaben täglich konfrontiert mit Anfragen, die direkt oder indirekt mit Sparmassnahmen zu tun haben. Viele Lehrpersonen fühlten sich beispielsweise von der Klassengrösse überfordert. Zu integrierende Kinder beanspruchten die Lehrpersonen so stark, dass die restliche Klasse zu kurz komme, berichtete Amstutz. Dies berge Konfliktpotenzial auf verschiedenen Ebenen. Von der Belastung, ja Überlastung der Lehrerinnen und Lehrer zeugt nach Ansicht des Berufsverbandes auch die Tatsache, dass rund 92 Prozent der Lehrkräfte Teilzeit unterrichten. 20 Prozent der Krankheitsabsenzen von Lehrkräften seien berufsbedingt. Nach zehn Jahren verlasse rund die Hälfte der ausgebildeten Lehrkräfte den Schuldienst. Die Folge: qualitativer Lehrermangel. Im Kanton Bern gibt es laut Zenger zwar keine Klassen ohne Lehrkräfte, doch 25 Prozent der Lehrpersonen sind nicht für die Stufe ausgebildet, auf der sie unterrichten. Schwierig zu besetzen sind auch Stellen an Schulen mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund sowie Stellen in Realklassen.

Sparpaket im Kantonsparlament Der bernische Grosse Rat will im November ein umfangreiches Sparpaket schnüren, das den Kanton langfristig um 185 Millionen Franken pro Jahr entlasten soll. Auch in der Bildung sind Massnahmen geplant, eine davon die Kürzungen beim IBEM-Pool. Eine andere Massnahme betrifft beispielsweise die Schulbusse. Die Spardebatte im Kantonsparlament dürfte intensiv geführt werden.

gbl/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt