Längere Perrons für längere BLS-Doppelstöcker

Bis 2015 werden für 30 Millionen Franken 13 S-Bahn-Stationen umgerüstet.

Die Zugkompositionen der BLS-Doppelstockzüge sind vielerorts länger als die Perrons. Nun sollen die S-Bahn-Stationen umgerüstet werden.

Die Zugkompositionen der BLS-Doppelstockzüge sind vielerorts länger als die Perrons. Nun sollen die S-Bahn-Stationen umgerüstet werden.

(Bild: Valérie Chételat)

Es ist eng geworden in den Berner S-Bahnen. Um rund 4 Prozent waren die Passagierzahlen in den vergangenen Jahren jeweils angestiegen. Die BLS reagierte auf die zunehmende Platznot mit der grössten Beschaffungsaktion der Unternehmensgeschichte. Heute sind 16 der 24 bestellten Doppelstockzüge mit je über 440 Sitz- und Stehplätzen ausgeliefert und im Einsatz.

Seit einigen Monaten verkehren die Züge vom Typ Mutz zu Stosszeiten auch im Doppelpack und bieten damit auf einer Länge von 210 Meter Platz für rund 900 Passagiere. Einziges Problem: Die Zugkompositionen sind vielerorts länger als die Perrons. An einer ganzen Reihe von Bahnstationen führen die Türen am Ende der Zugkompositionen direkt auf die Gleise und können deshalb aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet werden.

13 Stationen brauchen Ausbau

«Nein, die BLS hat nicht zu lange Züge gekauft», sagte am Donnerstag Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP) an einer Baustellenbesichtigung bei der SBB-Station Bern-Ausserholligen. «Wir hinken dem Wachstum einfach immer ein bisschen hinterher.» In Ausserholligen wurden Mitte Oktober die Arbeiten an einem gross angelegten, 30 Millionen Franken schweren Ausbauprojekt begonnen. An insgesamt 13 S-Bahn-Stationen entlang der S1 (Freiburg–Bern–Münsingen–Thun) und der S3 (Biel/Münchenbuchsee–Bern–Belp) sollen die Perrons auf die nötigen 220 Meter verlängert werden.

Nebst Ausserholligen wird derzeit bereits in Münchenbuchsee gebaut. Bis Ende 2015 werden auch Schüpfen, Flamatt, Wünnewil, Suberg-Grossaffoltern, Wichtrach, Düdingen, Oberwangen, Studen und Thörishaus mit längeren Perrons ausgestattet. In Thun wird zudem ein neues Abstellgleis für die doppelten «Mutzen» gebaut, und an mehreren Bahnhöfen soll der Einstieg für behinderte Menschen erleichtert werden. Der Kanton Bern beteiligt sich mit 12,1 Millionen, der Kanton Freiburg mit 2,6 Millionen und der Bund mit 15,3 Millionen Franken am Projekt.

Kaum Auswirkungen auf Betrieb

Die Bahnkunden sollen von den Bauarbeiten kaum etwas spüren, sagte am DonnerstagMichael Müller, Gesamtprojektleiter der SBB, der die wichtigsten Teile des Schienennetzes gehören. «Wir arbeiten am Fahrplan vorbei.» Fast alle Arbeiten könnten zudem tagsüber ausgeführt werden, und ein Busersatz, wie er derzeit spät abends in Münchenbuchsee besteht, soll die absolute Ausnahme bleiben.

Weder Müller noch Regierungsrätin Egger liessen einen Zweifel an der Notwendigkeit des Projekts. Laut Berechnungen der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion sollen die Passagierzahlen auf den Berner S-Bahn-Linien bis ins Jahr 2030 um weitere 60 Prozent ansteigen – «im Durchschnitt», wie Egger betonte. Auf der Linie S3 von Bern nach Biel soll sich die Zahl sogar auf rund 15'000 Personen verdoppeln. Eine Verdoppelung wird auch bei den täglich 5000 BLS-Kunden auf der Linie S3 nach Belp erwartet. In der Summe sollen die Passagierzahlen auf dem S-Bahn-Netz von knapp 100'000 auf rund 160'000 Personen pro Tag ansteigen.

Alternative Ansätze sind nötig

An baulichen Massnahmen führe deshalb kein Weg vorbei, sagte Egger. Zusammen mit weiteren «grossen Kisten» wie dem geplanten dritten Gleis durchs Aaretal oder dem Ausbau des Berner Tiefbahnhofs federe der Perronausbau die Kapazitätsengpässe voraussichtlich bis ins Jahr 2025 ab. Eine weitere Entspannung erhofft sich Egger von der geplanten Umstellung auf den 15-Minuten-Takt. Es gebe heute indes keine Anzeichen, dass sich der Wachstumstrend in absehbarer Zeit wenden könnte. Folglich dürften auch die neuen Züge und Perrons dereinst wieder zu klein sein. «Wir können die Infrastruktur nicht endlos ausbauen», sagte Egger. Längerfristig müsse deshalb wieder nach Lösungen auf der Nachfrageseite gesucht werden – etwa mit flexiblen Arbeitszeiten ausserhalb der Belastungsspitzen.

Der Bund

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