Lädt das Spitex-System zum Rosinenpicken ein?

Die bernische Regierung muss gleiche Regeln für alle Anbieter von Spitex-Leistungen prüfen.

Die öffentliche Spitex dürfe nicht weiter 
geschwächt werden, soElisabeth Striffeler (SP, Münsingen).(Symbolbild)

Die öffentliche Spitex dürfe nicht weiter geschwächt werden, soElisabeth Striffeler (SP, Münsingen).(Symbolbild) Bild: Samuel Schalch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es braucht sie alle: Dies wurde gestern im bernischen Grossen Rat mehrmals wiederholt. Es brauche sowohl die privaten als auch die öffentlichen Spitex-Organisationen und die freischaffenden Pflegefachpersonen. Man dürfe diese Anbieter nicht gegeneinander ausspielen, zumal die ambulante Pflege immer mehr an Bedeutung gewinne, sagte Grossrat Hans-Peter Kohler (FDP, Köniz). Alle seien nötig, damit der Bedarf abgedeckt werden könne. Denn, auch dies wurde gestern betont, die ambulante Pflege stehe vor grossen Herausforderungen: Es gibt mehr ältere und alte Menschen, gleichzeitig zeichnet sich ein Mangel an Pflegefachpersonen ab.

Der Grosse Rat hatte einen Vorstoss von drei SP-Mitgliedern zu behandeln, darunter Elisabeth Striffeler (Münsingen). Sie ist der Ansicht, dass das heutige System Fehlanreize birgt: «Private Spitex-Organisationen bieten das an, was für sie am rentabelsten ist», sagte sie in der gestrigen Debatte. Das sei ein Nachteil für die öffentliche Spitex, denn diese müsse jene kurzen Einsätze und weiten Anfahrtswege übernehmen, welche die privaten Anbieter mieden, weil sie finanziell nicht attraktiv seien. Ausserdem konzentrierten sich die privaten Organisationen vor allem auf die Grundpflege, die von minimal ausgebildetem Personal ausgeführt werden könne.

Die komplexe Pflege bleibe den öffentlichen Anbietern überlassen. «Die öffentliche Spitex darf nicht weiter geschwächt werden», sagte Striffeler. In ihrem Vorstoss verlangten die SP-Grossräte, dass künftig alle Spitex-Organisationen sämtliche Pflegedienstleistungen anbieten müssen. Der Grosse Rat lehnte diese Forderung gestern jedoch ab und folgte damit der Empfehlung von Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP). Dieser warnte, der Vorstoss würde zu einem unnötigen Angebot führen, das zusätzliche Kosten generiere.

Neues Entschädigungsmodell

Ein zweites Anliegen erachtete der Grosse Rat jedoch als prüfenswert. In ihrem Vorstoss forderten die SP-Mitglieder auch eine Aufnahmepflicht für alle Spitex-Organisationen. Der Grosse Rat überwies die Forderung als Postulat. Heute haben nur die öffentlichen Spitex-Organisationen eine Aufnahmepflicht, sie nehmen jederzeit alle Kunden an und werden dafür vom Kanton extra entschädigt. Ab kommendem Jahr fällt die Entschädigung allerdings kleiner aus, und das Geld wird nach einem neuen Schlüssel verteilt.

Wie Gesundheitsdirektor Schnegg gestern sagte, verfolgt seine Direktion ein Modell, das die Bevölkerungsdichte als Grundlage für die Aufteilung des Geldes auf die Organisationen nimmt. Auch 2019 werde die Aufnahmepflicht auf die öffentliche Spitex beschränkt bleiben. Seine Direktion arbeite aber auch an Vorschlägen für die nachfolgenden Jahre. Der Gesundheitsdirektor war deshalb bereit, eine Ausdehnung der Aufnahmepflicht auf private Spitex-Organisationen zu prüfen. In diesem Rahmen werde man auch die Vergütung von freischaffenden Pflegefachpersonen analysieren. Auch dazu erteilte ihm der Grosse Rat gestern einen Auftrag, nachdem die SP-Mitglieder in ihrem Vorstoss betont hatten, dass es finanziell attraktiv sei, sich selbstständig zu machen. (Der Bund)

Erstellt: 12.06.2018, 21:45 Uhr

Artikel zum Thema

Therese Frösch soll der Spitex einen Neustart ermöglichen

Die angeschlagene Spitex Bern nominiert sechs neue Mitglieder für den Verwaltungsrat. Therese Frösch ist als Präsidentin vorgesehen. Mehr...

Hilfe für Betagte soll «Service public» werden

Die Schweiz ist nicht darauf vorbereitet, dass künftig deutlich mehr betagte Menschen zu Hause betreut werden müssen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

KulturStattBern Kassettenliebe

Zum Runden Leder 723. Caption Competition: Die Preisverleihung

Die Welt in Bildern

Rochen statt Rentier: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Taucher gesellt sich zu den Bewohnern des Ceox-Aquariums in Seoul. Südkorea ist das einzige ostasiatische Land, das Weihnachten als nationalen Feiertag anerkennt. (7. Dezember 2018)
(Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images) Mehr...