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Kommt das Hochwasser, oder steht eine Dürre bevor?

Um die bernischen Grundwasserspeicher aufzufüllen, wäre Regen nötig. Doch angesichts der Schneemengen im Oberland könnte damit das Risiko für Hochwasser steigen. Vorerst scheint bis Ende Februar die Sonne.

Wie schnell schmilzt der Schnee, und wann regnet es im Unterland? Das entscheidet, ob Hochwasser und Trockenheit bevorstehen. (Symbolbild)
Wie schnell schmilzt der Schnee, und wann regnet es im Unterland? Das entscheidet, ob Hochwasser und Trockenheit bevorstehen. (Symbolbild)
Keystone

Während die Skiregionen in den Bergen über viel Schnee jubeln, stehen die Grundwasserpegel im Unterland tief. Bedenklich tief. Das geht aus dem Hydrologischen Bulletin des Kantons Bern für das letzte Jahr hervor. Der heisse Sommer liess die hohen Grundwasserreserven von Anfang letzten Jahres stark schrumpfen.

Erst der nasse Jahreswechsel füllte die leeren Wasservorräte etwas auf. Doch seit Wochen scheint wieder die Sonne. Erholt hat sich der Grundwasserstand nur im Berner Oberland. Im Oberaargau ist der Pegelstand zurzeit einen Meter tiefer, als er durchschnittlich im Februar ist. Auch im Seeland und im Emmental liegen die Pegel tiefer als im Februar üblich. Im Aaretal fehlen 20 Zentimeter bis zum Durchschnittswert, wie Bernhard Schudel vom kantonalen Amt für Wasser und Abfall (AWA) sagt. Und Regen ist in der nächsten Zeit nicht in Sicht. Mindestens bis Ende Februar hält das schöne trockene Wetter gemäss Meteonews an. Müssen wir also eine erneute Trockenheit fürchten?

2006 waren die Pegel tiefer

Laut Schudel sind die Grundwasserstände tief, aber noch nicht rekordtief. 2006 standen sie zum Teil noch tiefer. Doch ein regenreicher Frühling füllte die leeren Grundwasserspeicher wieder auf. Auch der Hydrologe Rolf Weingartner von der Universität Bern will im Februar noch keine Prognose für den Sommer machen. Das Wetter lässt sich maximal eine Woche voraussagen, und die regionalen Unterschiede sind gross. Im Einzugsgebiet der Aare sind für die Grundwasserstände die Schneeschmelze und der Regen im Frühling entscheidend.

«Eine hohe Schneedecke ist keine Garantie gegen grosse Trockenheit»

Rolf Weingartner, Hydrologe

Doch Achtung: Ein langer kalter Winter gefolgt von einem Wärmeeinbruch und gleichzeitig starkem Regen bringen dem Unterland wie bei den Überschwemmungen vor 20 Jahren vor allem Hochwasser. Das Gegenteil geschah im letzten Frühling. Die grossen Schneemengen in den Bergen schmolzen schon früh ab. Ab Juli führte das zu kleinen Abflussmengen. Allerdings wirkten die Oberländer Seen ausgleichend. «Eine hohe Schneedecke ist keine Garantie gegen grosse Trockenheit», sagt Weingartner. Dies umso mehr, als der Schnee aus dem Berner Oberland über den Thunersee und die Aare abfliesst. Er speist einzig die Grundwasservorräte im Aaretal. Vor allem für das Emmental wie für das Seeland sei viel wichtiger, dass es im Winter und Frühling genügend regne.

Wasser sparen reicht nicht

Was können wir tun? «Wir müssen immer sorgsam mit dem Wasser umgehen», sagt Schudel vom AWA. «Das reicht aber nicht.» Eine Trockenheit verhindern könne man nicht. Das Grundwasser lasse sich nicht speichern und wie einen Stausee bewirtschaften. Um sich mittelfristig auf vermehrte Trockenheit vorzubereiten, rät Schudel den Gemeinden, sich zu Wasserverbünden zusammenzuschliessen, sodass sie in der Not verschiedene Grundwasservorkommen anzapfen können. «Denn das Wetter können wir nicht beeinflussen.»

Sollten wir uns also eher vor einem Hochwasser ängstigen? In der Ostschweiz wird bereits davor gewarnt, wie «20 Minuten» kürzlich berichtete. Diese Frage beantwortet Roger Perret von Meteonews: «Dazu ist es im Moment viel zu trocken», sagt er. Schnee brauche feuchte Luft, um zu schmelzen. Und da die Nächte noch lang sind, sind sie auch noch kalt. Hochwassergefahr kommt erst, wenn die Temperaturen mild bleiben, es aber regnet.

In diesem Fall wird aber der Pegel des Thunersees vorsorglich abgesenkt. So vermag er die zusätzlichen Wassermassen aus den Alpen aufzufangen. Das taten die Behörden angesichts der grossen Schneemassen schon im letzten Frühling erfolgreich. In Bern droht daher auch kein Hochwasser.

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