Kommentar: Kommunikativ völlig versagt

Kommentar

Egal, ob die radioaktiven Abfälle in Biel gefährlich sind oder nicht – die Behörden hätten kommunizieren müssen. Jetzt liegt das vor, was vermieden werden wollte: Ein Verlust an Vertrauen.

Der Radiumfund verunsichert: Die A-5-Baustelle in Biel.

Der Radiumfund verunsichert: Die A-5-Baustelle in Biel.

Marcello Odermatt@cellmob

Radioaktivität in einem Wohngebiet schreckt auf, egal wie stark die gemessenen Werte sind. Bei der Beseitigung von Altlasten sind die Behörden besonders gefordert, richtige Massnahmen zu ergreifen. Bei den Bauarbeiten für die Autobahnumfahrung von Biel ist 2012 radioaktives Material gefunden worden, das wohl aus der Hochzeit der Uhrenindustrie stammt. Während immerhin für die Bauarbeiter Schutzmassnahmen getroffen wurden, ist die Bevölkerung nicht ins Bild gesetzt worden.

Dass nun Biels Parlamentarier und jene, die zuvor jahrelang auf diesem Areal verkehrten, aufschreien, liegt auf der Hand. Die Behörden in Biel, das Bundesamt für Gesundheit sowie der Kanton haben bei einem sensiblen Thema kommunikativ versagt. Ist die Gefahr, wie behauptet, tatsächlich nicht vorhanden, hätte eine Information so oder so nicht geschadet. Besteht eine Gefahr, wäre eine Information klare Pflicht gewesen. Das Argument, man habe die Bevölkerung nicht verunsichern wollen, überzeugt wenig. Werden die Informationen, wie jetzt, anderweitig publik, ist eine Verunsicherung viel wahrscheinlicher.

Irritierend ist die Art und Weise, wie Gemeinde, Kanton und Bund nun den Schwarzen Peter hin- und herschieben. Niemand will die Verantwortung übernehmen. Wer genau eine Informationspflicht hat, ist unklar. Als Behörde mit der grössten Nähe zur Bevölkerung hätte sicher die Bieler Exekutive spätestens dann reagieren sollen, als sie von den sensiblen Werten erfuhr. Doch auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das sich sonst noch so gerne für die Gesundheit des Schweizervolkes in Szene setzt, agierte hier auffällig unauffällig.Nun liegt das vor, was vermieden werden wollte: ein Verlust an Vertrauen in die zuständigen Behörden. Die Stadt Biel, die kantonale Baudirektion und das Bundesamt für Gesundheit sollten nun rasch klären, wer in dieser Sache künftig in die Offensive geht. Bereits stehen weitere Untersuchungen des Grundwassers und der Oberfläche an, die die Öffentlichkeit in Biel nun umso mehr interessieren dürften.

DerBund.ch/Newsnet

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