Köniz spielt am Thomasweg das grosse Verdichten durch

Verdichten im grossen Stil, strengste Energievorschriften durchsetzen, nur wenige Parkplätze erlauben: Zu diesem heissen Cocktail sagte das Könizer Stimmvolk klar Ja.

Die Siedlung Thomasweg in Köniz wird abgerissen und neu gebaut.

Die Siedlung Thomasweg in Köniz wird abgerissen und neu gebaut. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Die grundlegende Erneuerung und Verdichtung einer ganzen Wohnsiedlung im Liebefeld wird jetzt möglich. Die Stimmberechtigten der Gemeinde Köniz sagten am Sonntag mit 11'056 zu 1869 Stimmen überaus klar Ja zur Zonenplanänderung fürs Gebiet Thomasweg. Die damit beschlossene planungsrechtliche Korrektur macht einen radikalen Einschnitt möglich: Gut 140 Wohnungen können etappenweise abgebrochen und durch wesentlich mehr neue Wohnungen ersetzt werden.

Statt wie bisher 15'000 Quadratmeter dürfen beim Wiederaufbau der Siedlung 30'000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche realisiert werden. Damit wird die Siedlung Thomasweg zu einem bedeutenden Beispiel fürs Verdichten im Bestand, also die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum, ohne dazu unbebautes Land zu beanspruchen. In ähnlich grossem Massstab ist Verdichten im Bestand in Stadt und Region Bern bislang nicht durchgespielt worden.

Das deutliche Ergebnis ist selbst für Planungsvorsteherin und Gemeinderätin Katrin Sedlmayer eine Überraschung. Sie findet aber doch recht rasch einen Deutungsansatz für den Ja-Stimmen-Anteil von über 85 Prozent: «Die Vorlage vereint gleich mehrere positive Aspekte.» Insbesondere werde am Thomasweg nicht nur verdichtet: «Es wird vor allem auch auf eine gute Weise getan.» Sedlmayer denkt dabei an die Tatsache, dass am Thomasweg ein Drittel der neuen Wohnungen einen einfacheren Ausbaustandard aufweisen und im unteren Preissegment liegen müssen: So federe man den demografischen Wandel im Quartier ab. Wegreden lässt sich dieser Wandel freilich nicht. Im Zuge der Erneuerung werden viele Wohnungen verschwinden, die heute zum Teil weniger als 1000 Franken pro Monat kosten.

Der Seitenblick auf Bern

Das deutliche Ergebnis ist von grosser Tragweite, weil mit dem Entscheid zusätzliche Weichenstellungen einhergehen. So werden am Thomasweg für die neue Siedlung maximal 0,5 Parkplätze pro Wohnung eingeplant. Zu einer Fundamentaldebatte à la Viererfeld führte die Parkplatzfrage in der Gemeinde Köniz aber nicht. Nur zu einem Schulterzucken: Aus Könizer Perspektive sind 0,5 Parkplätze pro Wohnung gar keine Veränderung, bloss die Abbildung des in urbanen Gebieten bereits Üblichen.

Strenge Energievorschriften

Mehr als nur die Abbildung der Realität naht am Thomasweg in energetischer Hinsicht: Der Wärmebedarf muss hier künftig – gestützt auf den Volksentscheid von Sonntag – nur noch zu 20 Prozent mit nicht erneuerbarer Energie gedeckt werden. Das ist besonders bemerkenswert, weil damit eine Regelung in Kraft tritt, die noch schärfer ist als die im vergangenen Sommer vom Stimmvolk gebodigte «Könizer Energiewende». Damals wurde dem Souverän vorgeschlagen, die Energievorschriften für Neubauten zu verschärfen und künftig für die Deckung des Wärmebedarfs – also primär fürs Heizen – nur noch einen Anteil von 30 Prozent an nicht erneuerbarer Energie zu erlauben.

Erneuern im Bestand: Bleibt es beim Vorzeigebeispiel Thomasweg? Keineswegs, sagt Katrin Sedlmayer. Die Gemeinde sehe «weitere Gebiete», die sich für diese Art der Erneuerung gut eignen würden. Nicht immer seien die Voraussetzungen so günstig wie am Thomasweg. Oft seien viele Grundeigentümer involviert, was grossmassstäbliche Planungen erschwere. Andererseits fördere die Könizer Behörde mit ihren «Innenentwicklungsgebieten» die Verdichtung im Bestand mit Nachdruck. Man verfolge eine Politik, die in praktisch allen Gebieten mit drei- bis vierstöckigen Wohnbauten Verdichtungen möglich machen soll.

Wie die Siedlung Thomasweg dereinst aussehen wird, ist erst in ganz grobem Zügen bekannt. Gestützt auf das Ja vom Sonntag legt nun die Investorin, die Immobilien-Anlage-Stiftung HIG, mit der konkreten Planung los. Mit dem Baubeginn kann frühestens ab 2019 gerechnet werden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.06.2016, 16:00 Uhr

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