Kleine Steuerhinterzieher bleiben unbehelligt

Dank dem Informationsaustausch weiss die bernische Steuerverwaltung nun, wer im Ausland ein schwarzes Konto hat. Bei tiefen Beträgen drückt sie ein Auge zu.

Erst bei hohen Beträgen wird die Steuerverwaltung aktiv (Symbolbild).

Erst bei hohen Beträgen wird die Steuerverwaltung aktiv (Symbolbild).

(Bild: Thomas Willemsen)

Adrian Hopf-Sulc@adrianhopf

Es wartet viel Arbeit auf die Mitarbeiter der bernischen Steuerverwaltung. 92374 PDF-Dateien hat sie jüngst erhalten. Sie stammen aus dem ersten automatischen Informationsaustausch (AIA) mit 37 Staaten. Die Dokumente geben Auskunft über 92374 ausländische Bankkonten, die sich im Besitz von bernischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern befinden.

Deutsche stellen im Kanton Bern zwar die grösste ausländische Bevölkerungsgruppe. Dass sich 60 Prozent aller Auslandskonten in Deutschland befinden, hat den Chef der bernischen Steuerverwaltung, Claudio Fischer, trotzdem überrascht.

Eine halbe Milliarde Franken

Die meisten der ausländischen Konten, das betont Fischer, seien von ihren Besitzern wohl deklariert worden. Ausgewertet ist der Datenberg noch nicht. Aber die rekordhohen Zahlen der straflosen Selbstanzeigen der letzten beiden Jahre können nur mit der Einführung des Informationsaustauschs erklärt werden.

Im vergangenen Jahr gingen 3460 straflose Selbstanzeigen ein, mit denen Vermögenswerte von 550 Millionen Franken legalisiert werden sollen. Im Vorjahr waren es gar 4550 Selbstanzeigen, die Schwarzgeld in der Höhe von 755 Millionen zum Vorschein brachten. Auch in diesem Bereich ist die Steuerverwaltung derzeit gefordert: Ende 2018 waren insgesamt über 5000 der Fälle noch nicht erledigt.

Die Daten kommen zu spät

Zurück zu den Daten aus dem automatischen Informationsaustausch. Die Steuerverwaltung muss diese nun den Steuerzahlern zuordnen. Dann wird geprüft, ob die Steuerzahler die ausländischen Konti bereits deklariert haben.

Ist dies nicht der Fall, werden eigentlich Nachsteuern und eine Busse fällig. Eigentlich. Denn das System des AIA hat einen Haken: Die Daten kommen ein Jahr zu spät. Die Dokumente, welche die Steuerverwaltung nun erhalten hat, beziehen sich auf das Steuerjahr 2017. Viele Steuerzahler wurden für das Jahr bereits veranlagt. In diesen Fällen muss die Steuerverwaltung ein sogenanntes Nachsteuerverfahren eröffnen. Das ist aufwendig und bindet Ressourcen. «Bedeutenden Fällen gehen wir nach, kleinen Summen nicht», erklärte Steuerverwalter Fischer gestern vor den Medien.

Auf mehr als der Hälfte der gut 90000 ausländischen Bankkonten befindet sich weniger als umgerechnet 1000 Franken. Beim aktuellen Vermögenssteuersatz beträgt die pro Jahr geschuldete Steuer auf diesen Konten also maximal 5 Franken. Auch wenn im Falle eines Schwarzgeldkontos die Steuer zusammen mit einer Strafsteuer auf 10 Jahre zurück eingefordert werden könnte: Der Aufwand der Steuerverwaltung ist grösser als der Ertrag.

Fischer sagt zwar, es gebe keine Freigrenze für undeklarierte Vermögen. Aber de facto kommen die kleinen Fische unter Berns Schwarzgeldbesitzern nun darum herum, Nachsteuern zu bezahlen. Wer sein ausländisches Konto hingegen selbst angezeigt hatte, musste diese bezahlen.

Das «Bund»-Steuertelefon ist am Dienstag, 19. Februar und Montag, 4. März jeweils von 15 bis 19 Uhr unter der Nummer 031 385 12 47 erreichbar.

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