Kita-Eltern müssen künftig mehr bezahlen

Der Kanton Bern will bei seinem Kita-System auf Ausbildungszulagen und Maximaltarife verzichten. Vor allem in der Stadt Bern hat dies negative Auswirkungen.

Kinder beim Essen: im Kanton Bern könnte die Betreuung in Kitas teurer werden (Symbolbild).

Kinder beim Essen: im Kanton Bern könnte die Betreuung in Kitas teurer werden (Symbolbild). Bild: Franziska Scheidegger

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Eltern im Kanton Bern müssen ab dem kommenden Jahr mit steigenden Kita-Kosten rechnen. Grund sind zwei Entscheide der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF). So will diese den subventionierten Kitas künftig keine Zulagen mehr dafür zahlen, dass sie Lehrlinge ausbilden.

Subventionierte Kitas erhalten vom Kanton bisher für jede Person in Ausbildung zwischen 1500 und 7000 Franken im Jahr. GEF- Sprecher Gundekar Giebel bestätigte auf Anfrage die «Bund»-Recherchen. Die Änderung soll zeitgleich mit der kantonsweiten Einführung von Kita-Gutscheinen per 1. Januar 2019 erfolgen.

Ab dann werden die Kitas ihre Tarife selber festlegen. «Die Kosten für Ausbildungsplätze können in diese einkalkuliert werden», sagt Giebel – und bestätigt damit, dass die Kosten auf die Eltern abgewälzt werden.

In der Stadt Bern hat man erst vor wenigen Tagen von den geplanten Neuerungen erfahren. Weil der Kanton nicht nur die Zuschüsse wegkürzt, sondern auch auf eine Ausbildungspflicht verzichtet, befürchtet Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB), dass Ausbildungsplätze verloren gehen. «Damit wird es in Zukunft immer schwieriger, gut ausgebildeten Nachwuchs zu finden.» In der Fürsorgedirektion von Pierre Alain Schnegg (SVP) ist man anderer Meinung: Der Anreiz, Lehrlinge auszubilden, bleibe für die Kitas gross. Dies unter anderem deshalb, weil die Kitas so den eigenen Berufsnachwuchs sicherstellten.

Stadt Bern ist grosse Verliererin

Besonders stark trifft die Einführung des kantonalen Gutscheinsystems die Stadt Bern. Diese hat ein solches System auf kommunaler Ebene bereits vor Jahren eingeführt. Um die Kosten nicht vollständig dem Markt zu überlassen, hat die Stadt Maximaltarife definiert. Der Kanton will bei seinem Gutscheinsystem auf diese verzichten. Dies würde auch für die Stadt gelten: Deren tarifliche Obergrenze wäre damit hinfällig. Als Folge davon könnten in der Stadt die Kosten für die Eltern ansteigen. Ohne ein kantonales Kostendach sei im ganzen Kanton mit sehr hohen Kita-Kosten zu rechnen, sagt die Stadtberner Grossrätin Natalie Imboden (Grüne). Einen Kostenschub könnte etwa der Entscheid der kantonalen Arbeitsmarktkommission nach sich ziehen. Diese kam zum Schluss, dass der Einsatz von schlecht bezahlten Langzeitpraktikanten in Kitas unzulässig sei.

Durch hohe Kita-Kosten würden soziale Ungleichheiten verstärkt, befürchtet Teuscher. «Wenn die Kosten steigen, besteht die Gefahr, dass Eltern mit kleinen Budgets ihre Kinder nicht mehr in einer Kita betreuen lassen können.» Der Gemeinderat ist darum bereits aktiv geworden und weibelt nun hinter den Kulissen für eine Änderung. Gestern hat die Stadtregierung für die Stadtberner Grossräte eigens einen Informationsanlass durchgeführt. (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2018, 06:47 Uhr

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