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Kein normaler Sommer

Die anhaltende Hitzewelle hat den Kanton Bern in ein Trockengebiet verwandelt. Einige Gewässer führen kaum noch Wasser, Bauern fürchten um ihre Ernte.

Die Sense bei der Ruchmühle führt wenig Wasser.
Die Sense bei der Ruchmühle führt wenig Wasser.
Franziska Rothenbühler
Sonnenbadende in der ausgetrockneten Emme in Aefligen.
Sonnenbadende in der ausgetrockneten Emme in Aefligen.
Patrick Huerlimann
Hier die Platanen am Muristalden
Hier die Platanen am Muristalden
Franziska Rothenbühler
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Geht es um Gewässermessung, wird im Kanton Bern gewissenhaft gearbeitet. Alles, was durch den Kanton hindurchmäandriert oder über die Ufer treten könnte, steht rund um die Uhr unter Beobachtung. Messstationen liefern umfangreiche Daten, die weit mehr erfassen als Abflussmenge, Wasserstand oder Temperatur und mehrmals täglich aktualisiert werden. Timon Stucki findet sich darin problemlos zurecht. Er arbeitet beim Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern und ist Fachspezialist für Gebrauchswasser.

In den letzten Tagen ist Stucki in Berns Flüssen und Bächen eine Unregelmässigkeit aufgefallen. Gleich mehrere Gewässer führen eine solch geringe Abflussmenge, dass aus ihnen kein Wasser beispielsweise für die landwirtschaftliche Bewässerung mehr entnommen werden darf. So zum Beispiel am Oberlauf der Gürbe, am Luterbach, am Chrouchtalbach und an der Suze oberhalb Villeret. Auch in der Emme bei Aefligen fliesst nur noch ein trauriges Rinnsal. «Es ist eine aussergewöhnliche Situation», sagt Stucki.

Die Hitze und der ausbleibende Regen erinnern ihn stark an die Dürreperioden 2003 und 2015. «Die Zahlen müssen zwar noch analysiert werden, doch sie werden etwa in selber Grössenordnung liegen.» Eine beinahe perfide Rolle spielt dabei die Aare. Denn die trägt Wasser mit sich, als ginge sie der Sommer nichts an. Das hat jedoch einen einfachen Grund. «Der Abfluss führt zurzeit vermehrt Wasser von Gletscherschmelze und Schneeschmelze mit sich.»

Kein Rekordsommer

In Zeiten der Trockenheit werden Worte der Meteorologen stets mit grosser Hoffnung erwartet. Doch Nicola Möckli von Meteonews hat nur niederschlagende Neuigkeiten: In der Stadt Bern und im Seeland wird es bis Mitte nächste Woche nicht regnen.» Danach könnte sich die Wetterlage ändern, aber laut Möckli kommt eine Erwartung auf Regen bloss einer «fundierten Hoffnung» gleich. Immerhin: «Im Oberland kann es vereinzelte Gewitter geben.»

Wie Stucki attestiert Möckli diesem Sommer eine Hitzigkeit mit Seltenheitswert. «Es ist zwar normal, dass es in dieser Jahreszeit oft über 30 Grad heiss ist, doch solche Temperaturen und Trockenheit dieser Länge sind schon aussergewöhnlich.» Rekorde gebrochen werden hingegen nicht. «An die Messwerte von 2003 kommt der diesjährige Sommer nicht heran.» Die damalige Hitze gipfelte in einem landesweiten Messrekord von 41,5 Grad, registriert in Grono im Bündner Südtal Misox.

Durstige Tiere

Wenn Regen zur Seltenheit wird, leidet ein Berufsstand besonders darunter: die Bauern. Trotz der Dürre schlägt Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauernvverbands, jedoch nicht Alarm. «Die Situation ist momentan noch nicht so schlimm wie 2015 oder gar 2003.» In diesen Jahren mussten die Schweizer Landwirte durch die anhaltende Trockenheit massive Ertragseinbussen hinnehmen. Ganz unproblematisch sei die Situation jedoch nicht. «Einige Bauern haben mit trockenen Kulturen und braunen Feldern zu kämpfen», sagt Rüegsegger. Gerade die Kartoffel- und Maisernte stehe durch die Dürre in Gefahr.

Die dürftigen Restmengen einiger Flüsse und Bäche im Kanton dürfen nicht mehr für den landwirtschaftlichen Gebrauch umgeleitet werden. Dennoch sieht Rüegsegger die problematische Schwelle als noch nicht übertreten. Doch wenn die Trockenheit anhält, könnte der Kanton ein allgemeines Entnahmeverbot verhängen. «Das würde vor allem für Landwirte in den Alpen problematisch werden.» Denn so würde das Trinkwasser für die Nutztiere knapp werden. «Wenn es in den nächsten 14 Tagen nicht regnet, müssten diese in das Tal zurückgeführt werden.» Also einen Monat früher als üblich. Ein vorverlegter Alpabzug wiederum geht an das Tierfutter. Die Wintervorräte müssten früher angebraucht werden.

Die Hitze wird aber nicht überall als Unruhestifter abgetan. So zum Beispiel auf dem Weingut von Beat Burkhardt in Ligerz am Bielersee. «Mit den richtigen Massnahmen ist die grosse Hitze nur teilweise ein Problem und hilft sogar der Traubenqualität.»

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