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Landschaftsschützer finden Abstimmung in Grindelwald unnötig

Im Bewilligungsverfahren für das V-Bahn-Projekt heisst der Kanton eine Beschwerde teilweise gut. Dabei geht es um die Vorgehensweise.

Das Waergistal in Grindelwald: In dieser Landschaft soll das V-Bahn-Projekt realisiert werden. (Archiv)
Das Waergistal in Grindelwald: In dieser Landschaft soll das V-Bahn-Projekt realisiert werden. (Archiv)
Adrian Moser

Natur- und Landschaftsschutzorganisationen erringen einen Teilsieg im Bewilligungsverfahren für das V-Bahn-Projekt. Die Jungfraubahnen planen in Grindelwald ein ambitioniertes Seilbahnprojekt mit zwei Ästen. Zum einen würde damit die Grindelwald-Männlichen-Bahn ersetzt, deren Konzession eigentlich abgelaufen ist. Zum anderen soll eine neue Erschliessung von Grindelwald nach Eigergletscher oberhalb der Kleinen Scheidegg realisiert werden. Gegen das «Wirrwarr» in den Verfahren hatten die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und Pro Natura Bern vor etwas mehr als einem Jahr eine Beschwerde eingereicht.

Nun gibt ihnen der Kanton in grossen Teilen recht, wie die kantonale Justizdirektion gestern mitteilte. Die Planung werde teilweise zur erneuten Überprüfung an das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) zurückgewiesen und teilweise an das Bundesamt für Verkehr (BAV) zur Beurteilung weitergeleitet. Letzteres ist zuständig für die gesamte Plangenehmigung. Beim Entscheid des Kantons gehe es um die rein verfahrenstechnische Frage, wer wofür zuständig sei, sagt Roland Wittwer, Vorsteher Rechtsamt der Justizdirektion. Bei jenen Teilen, die nun ans BAV weitergeleitet werden, geht es etwa um die Seilbahnkorridore oder das geplante Parkhaus im Tal. Das eingereichte Projekt mache in diesen Bereichen zu detaillierte Vorschriften. «Die Seilbahnkorridore sind auf 16 beziehungsweise 30 Meter Breite eingeschränkt, da bleibt kein Spielraum mehr für das Bundesamt», sagt Wittwer. Damit würden die Kompetenzen des Bundes beschnitten. Zurück ans AGR gehen etwa die Pläne der Beschneiungsanlagen und Skipisten. In beiden Fällen werde man nun mit den Jungfraubahnen zusammensitzen, um die nötigen Anpassungen vorzunehmen.

«Das Volk will die Bahn»

«In Bezug auf das Projekt bedeutet der Entscheid des Kantons nichts», sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Trotzdem sei es eine gewisse Genugtuung. Denn die Landschafts- und Naturschutzorganisationen hätten mit ihrer Beschwerde gefordert, dass das Verfahren gebündelt und ökonomisch ablaufen soll. Dafür ist es nun zu spät. Denn gemäss Rodewald seien zum Beispiel die Gemeindeabstimmungen in Grindelwald und Lauterbrunnen unnötig gewesen. «Man hat der Bevölkerung ein Mitspracherecht vorgegaukelt», sagt er. Danach habe man die Volksentscheide dazu verwendet, das Projekt zu legitimieren. «Das Volk will die Bahn», habe man argumentiert.

Längst haben die Umweltorganisationen den Plan aufgegeben, das Projekt V-Bahn zu verhindern. Aber mit der Einforderung eines runden Tischs versuchen sie weiterhin, Einfluss auf das Projekt zu nehmen. Dabei gehe es um Optimierungen im obersten Teil der Seilbahnstrecke Grindelwald–Eigergletscher sowie ums Aushandeln von Ersatzmassnahmen für Natur und Landschaft, sagt Rodewald. Vermutlich werde im Verlauf des Sommers ein weiteres entscheidendes Treffen stattfinden. Jungfraubahnen sagen nichts

Daniel Zihlmann, Geschäftsführer der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen, hat erst durch die Anfrage des «Bund» vom Entscheid des Kantons erfahren. Er könne dazu keinen Kommentar abgeben, da die Jungfraubahnen beim Projekt am Drücker seien. Nur so viel: Aus Sicht der Männlichenbahn liege eigentlich keine weitere Verzögerung mehr drin. Für sie ist der Zeitplan besonders entscheidend. Denn die bereits verlängerte Betriebsbewilligung der bald 40-jährigen Seilbahn läuft im Frühling 2018 aus. Ob und unter welchen Auflagen die Konzession danach erneut verlängert werden könnte, zeichnet sich möglicherweise in den nächsten Monaten ab. Den Sommer über führt das BAV bei der Gondelbahn eine Betriebskontrolle und ein Audit durch. Die Schlussfolgerungen werden im Herbst erwartet.

Und was sagen die Jungfraubahnen, die das V-Projekt unter ihren Fittichen haben, zum Entscheid aus Bern? Nichts. Zumindest im Moment. Für einen Kommentar sei es noch zu früh. Auch ob das Unternehmen grundsätzlich gewillt ist, Eckwerte des Projekts wie die Linienführung der Seilbahnen zu überdenken, liess Mediensprecherin Patrizia Bickel offen.

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