Kanton Bern setzt Kampf gegen Brustkrebs aus

Programme zur Früherkennung von Brustkrebs müssen neu organisiert werden. Dadurch entsteht im Kanton Bern ein Unterbruch der Mammographie-Screenings von mindestens sechs Monaten.

Der Kanton erhofft sich durch eine neue Organisation eine höhere Teilnahmerate bei Screenings und nimmt einen Unterbruch von sechs Monaten in Kauf.

Der Kanton erhofft sich durch eine neue Organisation eine höhere Teilnahmerate bei Screenings und nimmt einen Unterbruch von sechs Monaten in Kauf. Bild: Keystone

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Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion von Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (SVP) gibt wieder zu reden. Obwohl der Grosse Rat im August ein Postulat einstimmig angenommen hat, das Brust-Screening-Programm des Kantons nicht einzustellen, teilte der Kanton am Freitag mit, dass das Screening der Bernischen Krebsliga ab Januar definitiv ausgesetzt werde. Grund dafür sei die tiefe Beteiligungsquote gewesen. Nur knapp jede vierte Frau folgt der Einladung zum Screening. Ausserdem müsse der Abklärungsprozess bei verdächtigen Befunden optimiert werden.

Daher habe das Kantonsarztamt inner- und ausserhalb des Kantons mehrere Optionen geprüft und stehe nun mit der Organisation Donna in Verhandlungen. Die St. Galler Organisation führe die Mammographie-Screening-Programme der Kantone St. Gallen und Graubünden «in guter Qualität und mit einer Teilnahmerate von regional bis zu 60 Prozent». Weiter heisst es in der Mitteilung, «Donna könnte potenziell ab Juli 2018 das Berner Programm leiten.» Den Beginn des Programms ab Juli 2018 kann der Kantonsarzt Jan von Overbeck noch nicht garantieren. «Wir sind aber zuversichtlich, dass die Verhandlungen gelingen.» Da Donna schon mehr Erfahrung als die Bernische Krebsliga habe und das Programm dort gut laufe, sei man auf sie zugegangen.

«Klar, dass nichts klar ist»

SP-Grossrätin Ursula Zybach stösst der Abbruch des Programms zur Früherkennung von Brustkrebs sauer auf. Sie twittert, dass «nun klar ist, dass nichts klar ist» und spielt damit auf die ungewisse Fortsetzung des Programms an. Die Versorgungslücke von einem halben Jahr ist in ihren Augen ein Problem, weil das heruntergefahrene System nachher wieder mühsam heraufgefahren werden müsse. Dadurch gehe wichtiges Know-how verloren. Die Grossrätin, die auch Präsidentin von Public Health Schweiz ist und bis 2013 in der Geschäftsleitung der Krebsliga Schweiz gearbeitet hat, sagt, dass die Berner auch von den Erfahrungen der St. Galler profitiert hätten. Das Pilotprojekt von 2013 bis 2020 hätte in ihren Augen nicht vorzeitig gekündigt werden dürfen.

Den Unterbruch von voraussichtlich sechs Monaten bezeichnet Kantonsarzt von Overbeck als medizinisch unproblematisch. Da die Untersuchung der 50- bis 69-jährigen Frauen sowieso nur alle zwei Jahre stattfinde, fielen die zusätzlichen sechs Monate nicht ins Gewicht. Der Unterbruch ist laut Kanton «weniger problematisch, als wenn auf verdächtige Befunde zu lange keine Nachfolgeuntersuchungen erfolgen». Kantonsarzt von Overbeck sagt, dass nun die Verträge mit den Radiologen neu gemacht werden müssten und das Programm mit den Gynäkologen abgesprochen werde. «Das Ganze muss top sein, weil es sowieso schon umstritten ist.» Da die Therapien heute viel besser geworden sind, habe die Sterblichkeitsrate stark abgenommen. Wichtig sei in Zukunft eine hohe Teilnahmequote von 60 bis 70 Prozent zu erreichen, «dann funktioniert das Screening gut.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2017, 12:20 Uhr

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