Kanton Bern schafft Anlaufstelle für ehemalige Verdingkinder

Die Beratungsstelle Opferhilfe Bern dient ab sofort als Anlaufstelle für Personen, die von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen waren.

Auch im Kanton Bern gibt es künftig eine Anlaufstelle für ehemalige Verdingkinder und «Versorgte». Das teilte die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) anlässlich des nationalen Gedenkanlasses für Betroffene von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen mit.

Die GEF will damit einen Beitrag zur Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Schweizer Geschichte leisten, wie sie am Donnerstag mitteilte. Sie hat die Beratungsstelle Opferhilfe Bern mit den Aufgaben einer Anlaufstelle betraut; für Französischsprachige ist es der Service d'aide aux victimes Bienne.

Keine finanzielle Unterstützung

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen gab es bis in die 1980er Jahre. Betroffene können sich bei einer der Anlaufstellen ab sofort melden. Persönliche Beratungen gibt es jedoch erst ab Juni. Finanzielle Leistungen - etwa Beiträge für eine Psychotherapie oder für Anwaltskosten - könnten allerdings in der Regel nicht gesprochen werden, schreibt die Gesundheits- und Fürsorgedirektion. «Die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Entschädigung für das erlittene Leid sind zurzeit nicht gegeben.»

Über viele Verdingkinder und «Versorgte» existieren Akten, die von Vormundschafts- oder anderen kantonalen Behörden angelegt wurden. Das Staatsarchiv des Kantons Bern unterstützt Betroffene deshalb bei der Klärung entsprechender Fragen. Dabei geht es um die Ermittlung der damals zuständigen Behörden, die Suche nach Akten und den Umgang mit Gesuchen um Akteneinsicht. Der Kanton hilft nach Möglichkeit auch bei der Herstellung von Kontakten zu anderen Archiven, Behörden oder Institutionen.

bh/sda

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