Kampf der Fussgänger in der Stadt Bern

Nun gibt es zwei Interessenvertreter für die Fussgänger in Bern. Der neue Verein sieht sich als bessere Lobby. Dabei geht es auch um den Kampf zwischen Velo und Auto.

Bernhard Eicher (FDP) will dem Berner Fussverkehr eine «echte Lobby» verschaffen.

Bernhard Eicher (FDP) will dem Berner Fussverkehr eine «echte Lobby» verschaffen. Bild: Manu Friederich

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«Endlich bekommt der Berner Fussverkehr eine echte Lobby», schrieb der frisch gegründete Verein Vortritt Fussgänger in seiner gestrigen Medienmitteilung. Und deutete damit darauf hin, dass er vom bereits existierenden Verein Fussverkehr Kanton Bern wenig hält. Auf Nachfrage beim neuen Verein, dessen sieben Vorstandsmitglieder hauptsächlich einen bürgerlichen Hintergrund haben, bestätigt sich dies: «Wir wollen uns von Fussverkehr Kanton Bern klar abgrenzen», sagt Gründungspräsident und FDP-Politiker Bernhard Eicher.

Aus politischen Gründen? Die Mehrheit des Vorstandes von Fussverkehr Kanton Bern gehört nämlich linksliberalen Parteien an. «Nein», antwortet Eicher, ihre Vereinigung sei offen für alle. Es gehe ihnen darum, den Fussgängern in der Stadt Bern eine echte Stimme zu geben mit einer Organisation, die im Gegensatz zu Fussverkehr Kanton Bern eine starke Präsenz markieren solle: «Wir haben die aktuell existierende Lobby in der Stadt Bern kaum wahrgenommen.»

Seit zehn Jahren für Fussgänger da

Geschäftsführerin von Fussverkehr, SP-Politikerin Gisela Vollmer, wundert sich ob dieser Neugründung: «Sie hätten auch bei uns eintreten können.» Zwei Fussgängerlobbys für die Stadt Bern hält sie nicht für sinnvoll: Der neue Verein mit aktuell 20 Mitgliedern sei politisch nicht so integriert wie Fussverkehr Kanton Bern und hätte bei gewissen Themen keine Chance, eine Einsprache einlegen zu können. Seit zehn Jahren schon setzt sich Vollmers Organisation für die Anliegen von Fussgängern im ganzen Kanton Bern ein. Über Eichers Behauptung, sie seien in der Stadt Bern kaum wahrgenommen worden, staunt sie ein wenig: «In der Stadt Bern haben wir mehr als vieles verbessert.» Die Liste mit bereits realisierten Fussgängerprojekten in der Stadt Bern sei lang. Noch länger diejenige mit aktuell laufenden und bevorstehenden Projekten.

Die Velo-Offensive im Visier

Eine Zusammenlegung der Lobbys kommt für Eicher aufgrund gewisser Differenzen nicht infrage. Alleine schon die Absichten beider Lobbys empfindet er als verschieden: «Wir wollen die Bedingungen für Fussgänger wirklich verbessern.» So werde man sich für eine Gleichberechtigung der Forderungen von Fussgängern und Velofahrern einsetzen. «Es kann nicht sein, dass in der Stadt Bern nur der Veloverkehr gefördert wird.» Damit stellt er sich explizit gegen die von SP-Gemeinderätin Ursula Wyss propagierte Velo-Offensive. Vollmers Fussverkehr-Organisation sei hingegen «ein Anhängsel von Pro Velo Bern». Eigene Meinungen von Vollmer habe man selten gehört, so Eicher.

Das möchte Sozialdemokratin Gisela Vollmer nicht auf sich beruhen lassen: «Wir hatten bereits heftige Auseinandersetzungen mit Pro Velo Bern.» Beispielsweise seien die Diskussionen rund um die Länggasse sehr intensiv gewesen, als Pro Velo Bern die Autos auf dem Trottoir parkieren lassen wollte, um den Velofahrern mehr Platz einzuräumen.

Bernhard Eicher kritisiert aber ohnehin ganz grundsätzlich die bisherige Verkehrspolitik der rot-grünen Stadt Bern und möchte sich mit seiner Lobby auch klar davon abgrenzen: «Bei uns werden die Fussgänger nicht als Mittel missbraucht, um den Privatverkehr zu beschränken.» Privatverkehr und Fussgänger sind laut ihm keine Gegenkraft. (Der Bund)

Erstellt: 19.08.2016, 07:34 Uhr

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