Zum Hauptinhalt springen

Jenischen droht auch in Nidau die Räumung

Auch die Behörden von Nidau und Biel wollen das Protestcamp der Jenischen nicht dulden. Diese sind verzweifelt, droht ihnen doch bereits wieder eine Räumung.

Gibt es auch in Nidau wieder solche Szenen wie am Donnerstag auf der Berner Allmend?
Gibt es auch in Nidau wieder solche Szenen wie am Donnerstag auf der Berner Allmend?
Valérie Chételat

Gestern Abend zogen die protestierenden Jenischen von der Kleinen Allmend ab. Rund die Hälfte von ihnen fand über Nacht in Kirchberg einen temporäre Bleibe, einen vorübergehenden Standplatz. Anschliessend fuhren sie nach Nidau weiter. Dort, auf jener Brache am See, wo einst die Arteplage der Expo 02 stand, und die nun sporadisch für Anlässe genutzt wird, durften die Fahrenden nach eigener Aussage früher jeweils Halt machen. In den vergangenen Jahren habe man aber keine Bewilligung mehr erhalten. Deshalb habe man dieses Mal gar nicht nach einer solchen gefragt. Zumal man ja auch einen politischen Protest plane.

Die fehlende Anfrage erzürnt die Behörden von Nidau und Biel. Das Areal befindet sich zwar auf dem Gemeindegebiet von Nidau, gehört aber der Stadt Biel. Und so informierten die beiden Gemeinden um 15 Uhr gemeinsam, dass auch in Nidau ein Protestcamp der Jenischen nicht geduldet werde. Gemäss den dem «Bund» vorliegenden Informationen wird der Platz aber, anders als zuvor in Bern, nicht anderweitig gebraucht.

«Wir sind in Not»

«Wir sind in Not, wissen nicht, wohin wir gehen sollen», sagt Gerard Mülhauser, einer der Wortführer der Protestierenden, vor Ort gegenüber dem «Bund»-Reporter. Die Ereignisse der letzten Tage habe an den Nerven der Fahrenden gezehrt. «Wir fühlen uns so, als wäre das Rad der Geschichte um 70 Jahre zurückgedreht worden», hatte ein anderer Jenischer heute Morgen erklärt. Bei der Räumung des Camps auf der Berner Allmend hätten sie alle Nummern erhalten und seien mit diesen Nummern aufgerufen worden – «und nicht mit unseren Namen».

Der Konvoi von rund 50 Fahrzeugen war kurz vor Freitagmittag in Nidau eingetroffen. Nachdem rund 15 Fahrzeuge auf das Areal gefahren waren, blockierte die Polizei mit einem zivilen Einsatzfahrzeug die Zufahrt. Den Jenischen, deren Fahrzeuge sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Areal befanden, wollten die Behörden bis Montagmorgen Bleiberecht gewähren – dem Rest aber nicht.

Doch die Fahrenden wollen sich nach eigenen Aussagen nicht auftrennen. Und so schraubten sie um 14 Uhr eine Holzlatte des Umgrenzungszauns weg und schufen so eine alternative Zufahrt. Nun befinden sich alle 50 Wohnwagen auf der Brache am Bielersee.

Nächste Räumung droht

Die Behörden wollen diesen Zustand nicht akzeptieren. Als Liegenschaftsbesitzerin ist nun insbesondere die Stadt Biel gefordert. Das weitere Vorgehen müsse nun zuerst besprochen werden, sagte der Bieler Sicherheitsvorsteher Beat Feurer.

Für die Liegenschaften zuständig sei seine Amtskollegin Silvia Steidle. Sie sei jedoch am Freitag anderweitig engagiert und nicht abkömmlich gewesen, sagte Feurer. Seiner Ansicht nach könnte es auch nicht ganz einfach werden, übers Wochenende alle nötigen Behördenvertreter zusammenzutrommeln, um einen Entscheid zu fällen.

Angesprochen auf eine mögliche polizeiliche Räumung sagte Feurer: «Das ist nicht auszuschliessen». Das in Biel am Freitagnachmittag ein Unwetter tobt, macht ihre Lage zusätzlich ungemütlich.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch