Jenische pochen auf definitive Halteplätze

Jenische Wortführer erwarten vom Kanton «in ein bis zwei Jahren» definitive Halteplätze. So rasch wird Bern aber nicht handeln können.

Für Hof und Hund: Anstelle von provisorischen Halteplätzen möchten die Jenischen gerne definitive Plätze anfahren können.

Für Hof und Hund: Anstelle von provisorischen Halteplätzen möchten die Jenischen gerne definitive Plätze anfahren können.

(Bild: Valérie Chételat)

Marc Lettau

Anfang Woche liess die bernische Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK)wissen, dass jenischen Fahrenden aus der Schweiz im Kanton Bern erneut fünf provisorische Halteplätze zur Verfügung gestellt werden («Bund» vom 17. März). Damit sind zwar die Vorstellungen der fahrenden Jenischen aus der Schweiz nicht allesamt erfüllt – und gleichwohl sprechen Wortführer der schweizerischen Jenischen von einem Vertrauensbeweis. Mike Gerzner, Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden, sagte gestern auf Anfrage, der Kanton Bern beweise damit, dass er Abmachungen einzuhalten gewillt sei: «Der Dialog mit den bernischen Behörden ist sehr gut.» Zudem zeige auch die bernische Öffentlichkeit zunehmend Verständnis für die Anliegen der Jenischen: «Es sieht so aus, also ob die Besetzung der Kleinen Allmend vom letzten April zu mehr Aufklärung geführt hat als all die Bemühungen der vorangehenden dreissig Jahren.»

Jenische fordern Tempo

Trotz des guten Dialogs gehen Fahrende und Behörden von stark unterschiedlichen Zukunftsperspektiven aus. Mike Gerzner sagt, seine Klientel zähle darauf, dass im Bernbiet «in ein bis zwei Jahren fixe Plätze angeboten werden». Provisorien seien auf Dauer keine Lösung. So rasch wird der Kanton aber nicht handeln können, sagte gestern auf Anfrage JGK-Generalsekretär Christoph Miesch. Gemäss Miesch sollen die definitiven neuen Halteplätze «bis Ende 2017 planerisch gesichert werden». Bevor sie konkret geschaffen werden könnten, müssten die zuständigen Organe auch noch die vom Kanton zu tragenden Investitionskosten absegnen: «Es sind also noch einige Hürden zu nehmen.»

Definitiver Platz in Muri?

Wie harzig die Etablierung neuer und definitiver Plätze verlaufen kann, zeigt das Beispiel Muri: Dort liegen seit Jahren die zonenrechtlichen Grundlagen für einen definitiven Standplatz für Fahrende im Gebiet Froumholz vor – und dennoch ist er bis jetzt nicht Wirklichkeit geworden. Die Gemeinde Muri hatte zwar letzten Sommer die Öffnung des Platzes angekündigt, musste kurz darauf aber zurückkrebsen. Vom Tisch ist der Standplatz Froumholz nicht. Der Kanton betrachtet den Ort als einen von fünf, an dem sich definitive Halteplätze einrichten liessen. Laut Miesch müssen aber noch Abklärungen zur Erschliessung vorgenommen werden. An welchen weiteren Adressen der Kanton sich definitive Plätze vorstellen kann, ist nicht öffentlich bekannt. Miesch: «Die Abklärungen sind noch nicht abgeschlossen.»

Konfliktpotenzial Transitreisende

Laut Mike Gerzner werden die jenischen Fahrenden heuer die im Kanton Bern angebotenen Provisorien «auf jeden Fall nutzen». In den Winterquartieren wird aber darauf hingewiesen, dass es für eine wirkliche Entkrampfung nötig sei, auch ausländischen Fahrenden Möglichkeiten aufzuzeigen, wo sie anhalten und nächtigen könnten. Sorgten diese sogenannten Transitreisenden mangels legaler Halteplätze für Schlagzeilen, dann schade dies auch den schweizerischen Fahrenden. Aus Bern kommt dazu keine Entwarnung. Im Gegenteil: JGK-Generalsekretär Miesch sagt, für 2015 stünden keine provisorischen Halteplätze für Transitreisende zur Verfügung. Gleichzeitig betonte er, die Suche nach Transitplätzen sei im Gange. Die JGK hat letztlich gar keine andere Wahl, als weiter zu suchen: Sie fasste vom Regierungsrat im Mai 2014 den Auftrag, ein bis zwei Transitplätze zu schaffen und zu sichern.

Der Bund

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