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Japanische Holzschnitte im Emmental

Echo aus einer fernen Welt: Kunstvolle Holzschnitte haben in Japan eine lange und reiche Tradition - und kommen nun ins Franz Gertsch Museum.

Dass die exotischen Werke im Emmental ausgestellt werden, kommt nicht von ungefähr: Der Künstler Franz Gertsch hat sich selber während Jahren intensiv mit Holzschnitten befasst.
Dass die exotischen Werke im Emmental ausgestellt werden, kommt nicht von ungefähr: Der Künstler Franz Gertsch hat sich selber während Jahren intensiv mit Holzschnitten befasst.
Franziska Scheidegger

Nun sind Werke bekannter japanischer Meister im Museum Franz Gertsch in Burgdorf zu sehen. Dass die exotischen Werke im Emmental ausgestellt werden, kommt nicht von ungefähr. Der Künstler Franz Gertsch, dessen Werk das Burgdorfer Museum gewidmet ist, hat sich selber während Jahren intensiv mit Holzschnitten befasst. Bekannt ist unter anderem Gertschs Holzschnitt-Tryptichon «Schwarzwasser». Ausserdem wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Burgdorfer Museum für Völkerkunde gestaltet. Verschiedene Werke aus dessen Sammlung werden zum ersten Mal ausgestellt.

Exotik im Emmental

Dass die Emmentaler Kleinstadt über ein eigenes Völkerkundemuseum und Schätze aus fernen Welten verfügt, ist eine Besonderheit. Zu verdanken haben die Emmentaler dieses Kuriosum dem Spross einer einflussreichen Käsehändler-Familie. Der junge Mann aus hablichem Haus litt an Tuberkulose und verbrachte einen Grossteil seines Lebens auf ausgedehnten Reisen rund um den Globus. Er erwarb zahlreiche ethnographische Gegenstände, die er testamentarisch dem Gymnasium seiner Geburtsstadt Burgdorf vermachte. Fünf Jahre nach seinem Tod wurde die Sammlung 1909 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und seither erweitert. Heute beherbergt das Museum über 5000 Objekte aus den Kulturen Asiens, Afrikas, Amerikas und Ozeaniens.

Poetische Szenen aus bewegter Epoche

Die japanischen Farbdrucke, die in der Ausstellung im Kabinett des Gertsch-Museums bis Anfang November zu sehen sind, stammen aus einer aus der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In ihrer ganz eigenen Art fangen sie poetisch anmutende Szenen aus dem alten, feudalen Japan ein. Ein Echo aus fernen Zeiten und fremden Welten. Doch auch die zunehmenden westlichen Einflüsse finden in der Kunst ihren Niederschlag. Zu sehen ist in Burgdorf unter anderem eine Auswahl an Drucken aus Hiroshiges «53 Stationen der Tokaido». Die Tokaido war eine der wichtigsten Verkehrsadern des alten Japans. Die Strasse verband das damalige politische Zentrum Edo (das heutige Tokyo) mit der kaiserlichen Residenzstadt Kyoto.

Zahlreiche Künstler liessen sich von den Stationen der Reise und ihrer Sehenswürdigkeiten inspirieren. So auch Utagawa Hiroshige (1797-1858), einer der stilbildenden Meister des japanischen Farbholzdrucks. Ein weiterer Meister seines Fachs war Utagawa Kunisada (1786-1865). Er war vor allem bekannt für seine Bilder schöner Frauen und Porträts von Kabuki-Schauspielern. Auch er hat sich den 53 Stationen der Tokaido gewidmet und die Landschaften mit Porträts bekannter Kabuki-Spieler bevölkert.

Ergänzt wird die Burgdorfer Ausstellung mit Drucken aus der sogenannten Meiji-Zeit, jener Zeit zwischen 1868 und 1912. Diese Werke stammen aus einer Epoche, in der sich der rückständige, abgeschlossene Feudalstaat Japan zu einer modernen, imperialen Grossmacht wandelte. Die Ausstellung mit japanischen Holzschnitten von Hiroshige und Kunisada ist im Kabinett des Burgdorfer Gertsch-Museums zu sehen. Sie dauert bis bis am 9. November 2014. Hintergrund ist das 150-jährige Jubiläum diplomatischer Beziehungen zwischen der Schweiz und Japan.

(SDA)

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