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iPhone-Betrüger muss ins Erziehungsheim

Ein junger Berner Internetbetrüger ist vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau zu einem Heimaufenthalt verknurrt worden.

Der Betrüger hat iPhones vertrieben, obwohl er diese gar nie besessen hatte. (Symbolbild)
Der Betrüger hat iPhones vertrieben, obwohl er diese gar nie besessen hatte. (Symbolbild)
Reto Oeschger

Ein junger Berner Internetbetrüger muss in ein Massnahmenzentrum für junge Erwachsene. Das hat eine Burgdorfer Einzelrichterin entschieden. Wenn er dort nicht spurt, drohen ihm dreizehn Monate Gefängnis.

Regula Masanti, Gerichtspräsidentin am Regionalgericht Emmental-Oberaargau, sprach den 23-jährigen Mann aus der Region Bern am Mittwoch des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs schuldig. In einem Nebenpunkt sprach sie ihn frei. Sie verhängte gegen den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von dreizehn Monaten unbedingt.

Doch wird diese Strafe zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben, wie es im Juristenjargon heisst. Konkret wird der junge Mann in eine auf jugendliche Straftäter spezialisierte Einrichtung in der Ostschweiz eingewiesen. Dort soll er eine geregelte Tagesstruktur erhalten, sich weiterentwickeln und sich mit seinen Delikten auseinandersetzen.

Der junge Mann hatte in den Jahren 2014 bis 2016 über 60 Personen aus der ganzen Schweiz auf Internet-Verkaufsplattformen wie eBay und OLX Spielkonsolen, iPads und iPhones angeboten, obwohl er sie gar nicht besass. Die Interessenten überwiesen ihm insgesamt gegen 25'000 Franken.

Mit dem Geld finanzierte er gemäss eigenen Angaben seine Spielsucht respektive besserte sein Sozialhilfegeld auf. Wenn sich die Interessenten bei ihm meldeten, reagierte er entweder nicht oder verschickte Hinhalte- und Vertröstungsmails. Der Mann spielte Action-Games wie Metin2 und Counter Strike. Dort komme man schneller vorwärts, wenn man Geld einsetzen könne, sagte der Verurteilte.

«Unbedingter» erzeugt Druck

Richterin Masanti entsprach mit ihrem Urteil im Wesentlichen dem Antrag von Staatsanwältin Géraldine Kipfer. Diese hatte am Dienstag zwar eine etwas höhere Freiheitsstrafe von 17 Monaten unbedingt beantragt. Sie betonte aber, es brauche eine unbedingte Strafe für den Mann.

Dieser drohende Gefängnisaufenthalt solle wie ein «Damoklesschwert» über ihm schweben und Druck erzeugen, so die Anklägerin.

Verteidiger Vinzenz Schnell beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten bedingt. Der junge Mann habe Fortschritte gemacht, sei nicht mehr spielsüchtig und begehe keine Straftaten mehr. Eine Heimeinweisung würde nichts verbessern, sondern nur die kleinen Fortschritte beeinträchtigen.

Auch sei der 23-Jährige, der in lässigen Sportkleidern und mit Baseballcap vor der Richterin erschien, noch aus jedem Heim herausgekommen - entweder durch Flucht oder durch selbstgefährdende Handlungen.

Hohes Rückfallrisiko

Diesen Argumenten erteilte Richterin Masanti eine Absage: Der Angeklagte habe nach wie vor keine Arbeit, keinen Therapieplatz und keine Motivation. Es sei nicht untypisch, dass bei jungen Delinquenten die Motivation fehle, sagte sie. Die Herstellung von Motivation sei ein wichtiges Strafvollzugsziel.

Deshalb müsse die Freiheitsstrafe unbedingt ausgesprochen werden. Die psychiatrische Gutachterin habe von einem hohen Rückfallrisiko gesprochen und von einem engen Zusammenhang zwischen der dissozialen Verhaltensweise des Angeklagten und seiner Straffälligkeit. Sie habe auch betont, nur eine stationäre Massnahme könne eine Verhaltensänderung hervorrufen, keine ambulante.

Angeklagter polizeilich vorgeführt

Zur Urteilsverkündigung erschien der junge Mann am Mittwoch nicht freiwillig. Er wurde polizeilich vorgeführt. Laut der Richterin schrieb er morgens um vier Uhr ein Mail und teilte mit, er habe kein Geld und wolle nicht schwarz Zug fahren. Ob man die Urteilsverkündigung nicht verschieben könne.

Richterin Masanti fand aber, es sei wichtig, dass er die Urteilsbegründung mitbekomme. Ausserdem zeige diese Episode, dass er die Angelegenheit nicht wirklich ernst nehme.

So hörte denn der junge Mann etwa auch, dass er sämtlichen Geschädigten den Schaden erstatten und Verfahrenskosten in fünfstelliger Höhe übernehmen muss. Und er hörte Masantis Fazit der ganzen Geschichte: «Der Fall zeigt einmal mehr, dass im Internet ein immenses Misstrauen vonnöten ist.»

SDA/spr

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