Insel-Doppelmandat soll eine Ausnahme bleiben

Der Grosse Rat ist der Ansicht, dass bei öffentlichen Spitälern Verwaltungsrat und Geschäftsleitung personell zu trennen sind.

Auch im Inselspital ist ein Doppelmandat Thema.

Auch im Inselspital ist ein Doppelmandat Thema.

(Bild: Adrian Moser)

Ein Doppelmandat an der Spitze eines öffentlichen Spitals soll die Ausnahme bleiben. Diese Haltung hat der bernische Grosse Rat am Dienstag bekräftigt, indem er mit 132 zu 14 Stimmen einen Vorstoss von Mitte-Links als Postulat überwies.

Grossrätinnen von GLP, BDP, Grünen und SP regten eine Änderung im kantonalen Spitalversorgungsgesetz an: Bei öffentlichen Spitälern seien die Funktion des Verwaltungsrats und jene der Geschäftsleitung personell klar zu trennen. Die Postauto-Affäre verdeutliche das Problem, sagte Barbara Mühlheim (glp/Bern) in der Debatte: Gäbe es bei der Post ein Doppelmandat an der Spitze, wäre es weit schwieriger gewesen, Licht ins Dunkel zu bringen und nun auch die personellen Konsequenzen zu ziehen.

Im Visier hatten die vier Grossrätinnen die Insel-Gruppe. Dort übt Uwe E. Jocham zurzeit ein Doppelmandat als CEO und als Verwaltungsratspräsident ad interim aus. Die Übergangslösung kam zustande, nachdem der frühere Verwaltungspräsident und der ehemalige Direktor abgetreten waren. Ein Doppelmandat auf strategischer und operativer Ebene sei hoch problematisch, betonte Mühlheim. Eine Person beaufsichtige zum Teil sich selbst, Rollenkonflikte seien programmiert.

Gegen generelles Verbot

Gegen den Vorstoss wandte sich ein Teil der SVP. In Einzelfällen könne ein vorübergehendes Doppelmandat durchaus Sinn machen, sagte Patrick Freudiger (SVP/Langenthal). So könne ein Unternehmen beispielsweise eine neue Strategie rasch durchsetzen. Ein generelles Verbot sei daher nicht am Platz. Gesundheits- und Fürsorgedirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) betonte, auch die Regierung lehne Doppelmandate in langfristigen Konstellationen ab. In Übergangs- und Ausnahmesituationen könnten sie aber zweckdienlich sein. Mühlheim wandelte die Motion schliesslich in die unverbindlichere Form des Postulats. Mit der Überweisung hat der Grosse Rat damit lediglich davor gewarnt, dass Doppelmandate im öffentlichen Spitalwesen zum Regelfall werden könnten.

kls/sda

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