Ins neue Jahr gefegt

Burglind hat im gesamten Kanton Bern Schäden angerichtet. In der Bundesstadt waren Menschen, Wildschweine und Weihnachtsdekorationen betroffen.

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Calum MacKenzie@CalumMacKenzie0

Bern war eigentlich nur kurze Zeit im Auge des Wintersturms Burglind. Trotzdem hinterliess er unübersehbare und teilweise verheerende Spuren. Nach Baumschlägen, Zugentgleisungen und allerlei Sachschäden wird man sich überall im Kanton mit dem Wiederaufbau befassen müssen (siehe Box).

So auch im Tierpark Dählhölzli in der Stadt Bern. Die Windböen fegten im Wald, der den Zoo umgibt, bis zu 25 riesige Buchen und Eichen um. Von den fallenden Stämmen wurden Gehegezäune und Tierställe zertrümmert. Tierpflegerin Andrea Trees hat das nicht zum ersten Mal erlebt. «Ich zittere noch heute, wenn ich an den Sturm Lothar denke», sagt sie über den Orkan, der im Dezember 1999 in der Schweiz wütete. «Dieser war aber schlimmer.» Tierparkdirektor Bernd Schildger bestätigt dies. «Wir hatten weniger Baumfälle als bei Lothar», sagt er. «Der Schaden ist aber deutlich grösser.» Er rechnet mit Kosten im sechsstelligen Bereich.

Eine Aufnahme zeigt, wie ein Bahnwagen in Lenk aus den Schienen gerissen wird.

Zunächst habe man sich jedoch um die Tiere kümmern müssen. «Ein Baumstamm hat den Wildschweinestall zerschlagen», sagt Schildger. Dabei seien zum Glück keine Tiere getroffen worden. – «Die waren zwei Meter nebendran.» Man hat zudem befürchtet, dass die Wölfe durch ihren niedergeschmetterten Zaun entweichen könnten. Bei den Breschen standen Tierpfleger bereits mit grossen Fangnetzen bereit. Am Mittwochabend konnte Schildger jedoch aufatmen: «Wir waren jetzt im Gehege und haben fünf von sechs Wölfen gefunden.» Da die Tiere im Rudel leben, sei der fehlende Wolf wohl nicht weit. «Er versteckt sich mit grösster Wahrscheinlichkeit immer noch im Gehege.» Schlussendlich sind Menschen und Tiere unverletzt davongekommen.

Die grösste Gefahr seien laut Schildger nicht entflohene Raubtiere, sondern die noch unstabilen Bäume. Abends arbeiteten noch Angestellte der Burgergemeinde, um prekäre Stämme zu entfernen. Der sonst so friedvolle Dählhölzliwald war vom Dröhnen der Motorsägen durchdrungen, gelegentlich fiel mit einem gewaltigen Knacks ein einst mächtiger Baum zu Boden. «Ich würde die nächste Woche nicht im Wald spazieren gehen», sagt Schildger. Auch Andrea Trees warnt: «Die Bäume sind im Sturm mit den Wurzeln gefallen, dann hört man sie fast nicht kommen.»

Festzeit nimmt ein abruptes Ende

Für viele war der 3. Januar der erste Arbeitstag nach den Festtagen. Auf das Ende der Weihnachtszeit lieferte Burglind ein dramatisches Symbol. Am Vormittag wurde der Christbaum vor dem Berner Bahnhof umgeweht. Die 13 Meter hohe und 2,4 Tonnen schwere Rottanne hat glücklicherweise niemanden auf dem belebten Platz erschlagen. «Den Fallbereich haben wir nur wenige Minuten vor dem Zwischenfall eingezäunt», sagt Peter Kuhn von Stadtgrün Bern. «Das haben wir zum Glück perfekt eingeschätzt.»

Burglind fegt über die Stadt Bern.

Einige Stunden lag der Nadelbaum umgeben von zerschellten Christkugeln wie ein weihnachtlicher gestrandeter Wal vor der Heiliggeistkirche. Danach wurde er von Mitarbeitern der Stadt sorgfältig abgeschmückt und Ast für Ast zerkleinert, bevor er zu einer Feuerbestattung in der Energiezentrale Forsthaus abtransportiert wurde. Nach den Zechen der Silvesternacht braucht so mancher ein paar Tage, um wieder in Fahrt zu kommen. Burglind war ein aufrüttelnder Weckruf.

Haben Sie Bilder von den Sturmschäden gemacht? Posten Sie Ihre Bilder hier. Oder senden Sie uns eine E-Mail an bern@derbund.ch.

Der Bund

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