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In zwei Jahren werden die Karten neu gemischt

Die SVP könnte 2018 einen dritten Sitz anpeilen. Das eröffnet den Linken Chancen.

Barbara Egger  (SP) kann wegen einer parteiinternen Amtszeitbeschränkungen nach vier absolvierten Legislaturen nicht mehr antreten.
Barbara Egger (SP) kann wegen einer parteiinternen Amtszeitbeschränkungen nach vier absolvierten Legislaturen nicht mehr antreten.
Adrian Moser
Hans-Jürg Käser (FDP) wird nach eigenen Aussagen nicht mehr kandidieren.
Hans-Jürg Käser (FDP) wird nach eigenen Aussagen nicht mehr kandidieren.
Adrian Moser
Bei der FDP verzichtete Nationalrat Christian Wasserfallen auf eine Kandidatur für das Präsidium der Mutterpartei. Er zöge das Regierungsamt vor.
Bei der FDP verzichtete Nationalrat Christian Wasserfallen auf eine Kandidatur für das Präsidium der Mutterpartei. Er zöge das Regierungsamt vor.
Adrian Moser
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In Jubelpose stehen SVP-Politiker im Berner Rathaus vor einer in die Höhe gehaltenen Berner Fahne. Im Hintergrund versuchen enttäuschte Linke, den Verlust der Regierungsmehrheit zu erklären. Eine Momentaufnahme – in mehrfacher Hinsicht. Denn bereits in zwei Jahren werden neue Sieger gekürt werden, stehen neue Verlierer fest: 2018 findet die Gesamterneuerungswahl statt. Die beiden neu gewählten Pierre Alain Schnegg (SVP) und Christoph Ammann (SP) müssen sich dann vom Volk bereits wieder bestätigen lassen. Bleiben gröbere Fehltritte aus, dürfte ihnen dies gelingen. Gleichwohl hat es die Erneuerungswahl 2018 in sich. Auch, weil mindestens zwei Rücktritte anstehen: Barbara Egger (SP) will nicht mehr antreten und kann dies wegen einer parteiinternen Amtszeitbeschränkung auch nicht. Auch der heute 66-jährige Hans-Jürg Käser (FDP) wird nach eigenen Aussagen nicht mehr kandidieren.

Geht die SVP aufs Ganze?

Das Risiko der Regierungsparteien, die in zwei Jahren ihre Abgänge ersetzen müssen, ist die Chance für die Konkurrenz. Etwa für die SVP: «Je mehr Sitze die Bürgerlichen haben, desto besser», sagte SVP-Präsident Werner Salzmann . Die SVP dürfte vor allem dann Ambitionen auf einen dritten Sitz anmelden, wenn sie zum Schluss kommt, dass sie in der neuen Regierung von den gemässigten bürgerlichen Kräften zu stark gebremst wird.

Geht die SVP aufs Ganze, bietet dies wiederum den Linken Chancen. Exemplarisch zeigte sich dies im Jahr 2006. Damals wollten die Bürgerlichen sechs der sieben Regierungsratsitze erobern. Die Wähler goutierten den Machtanspruch nicht. Die Konsequenz: Entgegen den Mehrheitsverhältnissen im Kanton eroberte Links-Grün die Regierungsmehrheit – und behielt sie bis gestern. Man habe «die Lehren gezogen», sagt SVP-Präsident Salzmann. Dass die SVP drei Kandidaten aufstellt, will er nicht ausschliessen. Klar sei, dass man mit der FDP eine Listenverbindung eingehen wolle. Auch für die BDP stünden bei der SVP «die Türen offen». Dies, obschon die BDP nur einen der beiden SVP-Kandidaten unterstützt habe. Eine solche Listenverbindung ausschliessen will auch BDP-Präsident Enea Martinelli nicht. Auch wenn seine Partei mit einer solchen «schlechte Erfahrungen» gemacht habe. Bei den Wahlen 2014 goutierten die Wähler das Zusammenspannen mit der SVP nicht. Die BDP verlor im Grossen Rat viele Sitze.

Doch sollte die SVP tatsächlich einen dritten Sitz anpeilen, scheint eine Listenverbindung mit der BDP unwahrscheinlich. Um die Wiederwahl von Beatrice Simon zu sichern, könnte die BDP dann mit Mitteparteien Verbindungen eingehen. Klar ist: Je ungeeinter die Bürgerlichen, desto grösser die Chancen der Linken, ihre beiden vakanten Sitze zu behalten. Aber auch darauf, in einem Coup die Regierungsmehrheit nach nur zwei Jahren zurückzuerobern.

Was macht Bernhard Pulver?

Solchen Gedankenspielen um mögliche Kräfteverschiebungen zum Trotz: Bei der SP und der FDP bringen sich die Kandidaten bereits in Stellung, um Egger und Käser zu beerben. Teilweise haben sie dies bereits getan. Dies hatte Auswirkungen auf die Ersatzwahl, die mit dem zweiten Wahlgang ein Ende fand: So verzichteten bekannte Sozialdemokraten wie Evi Allemann und Matthias Aebischer auf die Ausmarchung. Bei den Gesamterneuerungswahlen rechnen sich die Nationalräte die besseren Wahlchancen aus. Geht es um den Ersatz von Eggers Sitz, hat Allemann parteiintern die besten Karten. Eine Frau durch einen Mann ersetzen zu wollen, würde die SP in Erklärungsnöte bringen. «Unsere Kandidatenliste wird weiblicher sein», sagt denn auch SP-Parteipräsidentin Ursula Marti. Zu möglichen Kandidaten äussert sie sich nicht.

Bei der FDP verzichtete Nationalrat Christian Wasserfallen eigens auf eine Kandidatur für das Präsidium der Mutterpartei. Er zieht das Regierungsamt vor. Doch Wasserfallen ist parteiintern nicht unumstritten. Konkurrenz könnte ihm unter anderem in der Stadt Bern erwachsen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Philippe Müller Ambitionen hegt.

Weniger klar ist, ob auch die Grünen eine Kandidatenschau machen müssen. Denn ob der Grüne Bernhard Pulver eine vierte Amtszeit anhängt, ist derzeit noch unklar. Neben dem langjährigen Grossrat Blaise Kropf wäre auch Parteipräsidentin Regula Rytz, die sich prononciert zum Wahlresultat äusserte, eine valable Kandidatin. Auf solche sind die Grünen angewiesen. Ansonsten ist der Sitz der kleinen Partei, die zuletzt zudem Verluste verzeichnen musste, in Gefahr. Jubeln würden im Rathaus dann andere.

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