In Bern sollen schweizweit die meisten Mediziner ausgebildet werden

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) will Bern zum wichtigsten Medizinalstandort der Schweiz machen.

An der Uni Bern sollen mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. (Symbolbild/Archiv)

An der Uni Bern sollen mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden. (Symbolbild/Archiv) Bild: Keystone

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In Bern sollen 100 zusätzliche Studienplätze in der Medizin entstehen. Der ­Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) landet damit einen Coup. Die Zahl der Studienplätze würde damit in Bern nicht nur von 220 auf 320 erhöht, Bern würde damit auch einen Grossteil der auf Bundesebene geforderten zusätzlichen Plätze übernehmen. In der Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg wären es gar 140.

Gleichzeitig soll auch Pharmazie wieder als ganzer Studiengang angeboten werden. «Mit diesem Schritt wird Bern die grösste medizinische Fakultät sein, weil sie in der Schweiz am meisten Mediziner ausbildet», sagte Pulver an der gestrigen Medienkonferenz. Dieser Ausbauschritt sei im Kontext zu sehen, die Hauptstadtregion als wichtigsten Medizinalstandort der Schweiz auszubauen.

Damit ist Bern der letzte in einer Reihe von Standorten, die bereits zusätzliche Studienplätze in der Medizin angekündigt haben. Die ETH Zürich will mit 100 Bachelorstudiengängen in die Ausbildung der Mediziner einsteigen. Auch an den Universitäten in St. Gallen, Luzern und Lugano sollen künftig Ärzte ausgebildet werden. Damit scheint die Rechnung des Bundes aufzugehen: Er will mit 100 Millionen Franken als Anschubfinanzierung die Anzahl Abschlüsse in Humanmedizin erhöhen. 2025 sollen jährlich 1300 Ärzte ausgebildet werden. Dieses Ziel werde man nun leicht übertreffen, hiess es bei Swissuniversities. In der Schweiz herrscht Ärztemangel, weshalb pro Jahr 2000 Mediziner im Ausland rekrutiert werden.

Pulver will die Hälfte der Gelder

Bereits Anfang Jahr zeichnete sich ab, dass es einen Verteilkampf um die Bundesgelder geben wird. Mit Bern hatte damals noch gar niemand gerechnet. Das hindert Pulver nicht daran, selbstbewusst aufzutreten. Rein rechnerisch wäre es sinnvoll, Bern würde die Hälfte der Bundesgelder erhalten, sagte er. Über die Anschubfinanzierung für die ersten vier Jahre hinaus müssen die Trägerschaften der Universitäten die Kosten selber tragen. Unterstützt wird Pulvers Anspruch auf einen Grossteil der Bundesgelder von Christoph Eymann, Präsident der Schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz und baselstädtischer Bildungsdirektor.

Er vertritt die Ansicht, dass die vom Bund finanzierte ETH Zürich keine zusätzlichen Bundesmittel beanspruchen sollte. Pulver liess zudem durchblicken, dass er von den Neueinsteigern nicht viel hält: «Eigentlich wären eine Erhöhung der Anzahl Standorte und ein Einstieg der ETH in diesen Bereich gar nicht nötig.» Denn das Ziel könnte an den bisherigen Standorten erreicht werden, wenn Bern alleine fast die Hälfte der zusätzlichen nötigen Plätze abdeckte. Heute werden in Bern, Basel, Zürich, Genf und Lausanne Studiengänge in Medizin angeboten.

Pulver kündigte an, um die Bundesgelder kämpfen zu wollen. Wenn Bern tatsächlich die Hälfte der Anschubfinanzierung erhalten würde, könnte damit die Hälfte der Kosten gedeckt werden. Aber es braucht nicht nur Geld, sondern auch Platz für die zusätzlichen Studienplätze. Ein Medizinstudium dauere sechs Jahre, weshalb insgesamt bis zu 600 zusätzliche Studierende untergebracht werden müssten, sagte Baudirektorin Barbara Egger (SP). Aber auch dafür hat der Regierungsrat bereits eine Lösung in der Tasche: Das Renferhaus auf dem Areal des ehemaligen Zieglerspitals, wo heute noch ein Asylzentrum ist, soll dafür gemietet werden.

Kein Rezept für Hausarztmedizin

Weil angehende Mediziner nicht nur in der Theorie lernen, wurden oft auch die beschränkten Möglichkeiten für die klinische Ausbildung ins Feld geführt. Pulver sagte aber, dass es in Bern genug ­Patienten gebe. «Mit dem Zusammenschluss von Inselspital und Spital Netz Bern haben wir das grösste Universitätsspital der Schweiz.»

Mehr Ärzte ausbilden alleine ist aber noch kein Rezept gegen den Mangel an Hausärzten. Das gab auch Unirektor Martin Täuber unumwunden zu: «Wir werden das Hausarztproblem nicht gleichzeitig lösen können», sagte er. Um dem Mangel an Hausärzten insbesondere in den ländlichen Teilen des Kantons zu begegnen, müssten erst noch Lösungen entwickelt werden. (Der Bund)

Erstellt: 02.07.2016, 07:51 Uhr

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