Das Wappentier auf Visite im Bernbiet

Im Eriz im Kanton Bern ist ein Bär nachgewiesen worden – zum ersten Mal seit über 190 Jahren.

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Naomi Jones
Gianna Blum

Im Kanton Bern ist ein Braunbär unterwegs: Im Eriz zwischen Emmental und Berner Oberland konnte die Anwesenheit des Raubtiers nachgewiesen werden, wie die kantonale Volkswirtschaftsdirektion bestätigt hat. Ein Mann aus der Region hat den Bären am vergangenen Freitag gesichtet und fotografiert. Wo sich das Tier aktuell aufhält, ist unklar, heisst es in einer Medienmitteilung des Kantons.

«Der Bär hat sich bisher völlig unauffällig verhalten, was darauf hindeutet, dass es sich um ein sehr scheues Tier handelt», sagt der Jagdinspektor Kantons Bern Niklaus Blatter. Als der Bär den Menschen bemerkt habe, habe er sich davon gemacht. Wahrscheinlich sei es ein junger männlicher Bär. Denn für diese sei typisch, dass sie auf Wanderschaft gehen. Zudem seien in der Schweiz soweit bekannt noch keine Bärenweibchen gesichtet worden. Darum ist es auch noch offen, ob der im Eriz gesichtete Bär nun da bleibt, oder ob er nur auf Durchreise war.

Die Wildhut des Kantons Bern arbeite nun daran, die Identität des Bären zu klären, den aktuellen Standort einzugrenzen und im Bedarfsfall konkrete Empfehlungen zu publizieren. «Wichtig ist, dass man uns alles meldet.» Denn bisher seien aufgrund der Trockenheit noch keine Spuren, Haar oder Kot gefunden worden.

Bären wandern weit

Unklar ist, ob es sich beim Bären um dasselbe Tier handelt, das letzten Sommer sowie in diesem Frühling im Urserntal im Kanton Uri gesichtet wurde, rund 50 Kilomenter Luftlinie von Eriz entfernt. Bären können in kurzer Zeit grosse Distanzen zurücklegen. «In fünf Minuten legt er eine Strecke zurück, für die ein geübter Berggänger eine halbe Stunde benötigt», sagt der Jagdinspektor Blatter.

«Im Kanton Uri wurde der Bär in den letzten Tagen nicht gesichtet.»Reinhard Schnidrig, Bundesamt für Umwelt

Laut Reinhard Schnidrig, Leiter Sektion Wildtiere und Biodiversität beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist es wahrscheinlich, dass es sich um denselben Bären handelt. «Wir haben im Kanton Uri nachgefragt, da wurde der Bär in den letzten Tagen nicht gesichtet». Da es sich aber um ein sehr scheues Tier handelt, konnte der Bär laut Schnidrig auch in Uri nie genetisch bestimmt werden. «Mit Sicherheit lässt sich also nicht sagen, dass es derselbe Bär ist», so Schnidrig. Diese Menschenscheue ist laut Schnidrig typisch für wandernde Bären. «Seit 2005 sind immer wieder Bären in die Schweiz gewandert, nur zwei davon haben ernsthafte Probleme verursacht und mussten zum Abschuss frei gegeben.» Zu sogenannten Problembären werden die Tiere laut dem Experten meist erst dann, wenn sie nahe beim Menschen Nahrung finden, und so ihre Scheu verlieren. Trotz aller Aufregung, dass das Wappentier zurück im Kanton ist: Eine definitive Rückkehr des Bären ist das noch lange nicht. «Wenn genügend Futter da ist, spricht zwar nichts gegen das Bleiben auch im Kanton Bern», sagt Schnidrig, genügend zusammenhängende Waldfläche gebe es auch. Aber: «Bären siedeln sich erst dann an, wenn auch Weibchen da sind und Junge geboren werden, wie etwa im Trentino», so Schnidrig. Bärenweibchen sind allerdings weniger wanderlustig: Bislang wurde die Schweiz nur von männlichen Bären besucht.

DerBund.ch/Newsnet

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