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«Ich tendiere gegen die Mitte»

SP-Regierungsratskandidat Christoph Ammann sagt, er verfüge über mehr Führungserfahrung als der Konkurrent der SVP und warnt vor einer bürgerlichen Mehrheit.

Künftiger Regierungsrat? Christoph Ammann kandidiert für die SP.
Künftiger Regierungsrat? Christoph Ammann kandidiert für die SP.
Adrian Moser

Herr Ammann, die SP-Nationalräte Evi Allemann und Matthias Aebischer haben eine Kandidatur abgelehnt. Sind Sie nur der Ersatzmann?

Ich trete als Ersatz für die beiden amtierenden SP-Regierungsräte an. In diesem Sinn bin ich ein Ersatzkandidat. Wenn ich aber meinen Leistungsausweis anschaue, bin ich der Meinung, dass ich mich nicht verstecken muss.

Sie wurden aber im Grossen Rat bisher nicht als führende Persönlichkeit wahrgenommen.

Ich bin nicht jemand, der mit markigen Worten politisiert. So kommt man auch nicht zu guten Lösungen. Ich bin ein Politiker, der im Hintergrund arbeitet. Ich bringe mich in den Kommissionen ein und versuche, die Leute aus anderen Parteien in Gesprächen in der Wandelhalle zu überzeugen. Das nimmt man in den Medien weniger wahr.

Warum sind Sie prädestiniert, Regierungsrat zu werden?

Die Art und Weise, wie ein Regierungsrat arbeitet, ist mir bekannt. Als Rektor des Gymnasiums Interlaken und als ehemaliger Gemeindepräsident von Meiringen habe ich Führungsverantwortung wahrgenommen und Erfahrungen in der Projektarbeit gesammelt. Ich weiss, wie man Leute mit Fachwissen einbindet, Aufgaben delegiert und mehrheitsfähige Lösungen findet.

Trotzdem sind Sie für die Juso nicht wählbar.

Das hat mich irritiert, damit habe auch ich nicht gerechnet. Ich kann den Widerstand aber einordnen. Bei einzelnen Juso-Mitgliedern spüre ich eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Leuten, die Regierungsverantwortung übernehmen und tragfähige Lösungen finden müssen. Denn dadurch kann man die Ansprüche von denjenigen, die die Welt verbessern wollen, nicht immer befriedigen.

Sie sind kein Weltverbesserer?

Doch, in der Grundhaltung schon. Die Welt verbessern zu wollen, muss in einem Exekutivamt die Leitlinie sein. Am Ende geht es aber darum, diejenige Lösung zu finden, die umsetzbar ist.

Die Juso kritisieren Sie, weil Sie sich für die Ausschaffung krimineller Ausländer ausgesprochen haben.

Die Juso haben nicht begriffen, dass ich eine Position der SP Schweiz vertrete. Diese schreibt in einem Positionspapier, dass es möglich sein soll, bei besonders schweren Vergehen Ausländer auszuweisen. Dies entspricht im Übrigen auch der heutigen Rechtspraxis.

Demnach lehnen Sie die SVP-Durchsetzungsinitiative ab?

Ich lehne diese entschieden ab. Wenn man sagt, ich sei ein Befürworter, ist das eine bösartige Unterstellung.

Wo situieren Sie sich innerhalb der SP?

Ich gehöre zu den SP-Vertretern, die in verschiedenen Sachfragen gegen die Mitte tendieren. Schubladenattribute behagen mir aber nicht. Denn es gibt durchaus Themen, in denen ich klar linke Positionen einnehme.

Nennen Sie ein Beispiel.

Bei der Gleichstellung von Frau und Mann oder bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vertrete ich linke Positionen. In wirtschaftspolitischen Fragen hingegen verfolge ich eine Linie, wie sie auch SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher vertreten hat.

Gegen Rickenbacher verloren Sie vor zehn Jahren die parteiinterne Ausmarchung. Wäre damals die Wahl in den Regierungsrat für Sie zu früh gekommen?

Rückblickend muss ich sagen, es wäre zu früh gewesen. Damals fehlten mir grundlegende Erfahrungen, nicht nur Lebenserfahrung. Unterdessen habe ich etwa über einen längeren Zeitraum die Entwicklung des Kantons beobachten können. Ich sage nicht, dass ich 2006 der Aufgabe nicht gewachsen gewesen wäre. Jetzt bringe ich aber sicher den bessern Rucksack mit.

Den bessern Rucksack als SVP-Kandidat Lars Guggisberg?

Es ist nicht wegzudiskutieren, dass ich älter bin und über mehr Lebens- und Arbeitserfahrung verfüge. Ich konnte in den letzten 16 Jahren auch mehr Führungserfahrung sammeln.

Wie stufen Sie Ihre Chancen ein, gewählt zu werden?

Wenn man nur Zahlenarithmetik betreibt und die Ergebnisse der Nationalratswahlen herbeizieht, befindet sich ein bürgerlicher Kandidat in einer besseren Ausgangslage. Andererseits haben Regierungsratswahlen eigene Gesetze. Es sind Persönlichkeitswahlen. Wenn es mir im Wahlkampf gelingt, der Bevölkerung aufzuzeigen, wer ich bin, habe ich realistische Chancen.

Warum sollte die Linke weiterhin die Regierungsmehrheit stellen?

Die rot-grüne Regierung ist eine Erfolgsgeschichte. Zu diesem Schluss müssten eigentlich auch bürgerliche Wählerinnen und Wähler kommen. Mit Ausnahme eines Ausreissers hat der Kanton Bern regelmässig schwarze Zahlen geschrieben, zuvor war das bei bürgerlicher Mehrheit die Ausnahme gewesen. Zudem hat die Kohabitation mit bürgerlichem Parlament und rot-grüner Regierung gar nicht so schlecht funktioniert, auch wenn die Bürgerlichen dies anders sehen. Es gab zwar Streitereien, es entstanden aber auch austarierte Lösungen.

Was passiert, wenn die Bürgerlichen in Parlament und Regierung wieder in der Mehrheit sind?

Die Bürgerlichen sprechen seit Jahren davon, dass Steuersenkungen ein Allerweltsmittel für den Kanton seien. Wenn das umgesetzt wird, werden irgendwo Mittel fehlen. Leistungen müssen abgebaut werden. Wohin das führt, hat man bei der ASP-Spardebatte gesehen. Ein weiterer Abbau würde insbesondere auch Leuten wehtun, die bislang traditionell bürgerlich gewählt haben.

Wie schlimm wäre es, wenn Sie nicht gewählt würden?

Ich werde mich so oder so freuen. Entweder, weil ich eine neue Herausforderung annehmen kann. Oder, weil ich an eine Schule zurückkehre, an der ich gerne arbeite. Es laufen grosse Projekte wie eine 40-Millionen-Sanierung. Eigentlich bin ich mit meinem Beruf glücklich.

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