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«Ich nehme meinen Pilgerstab und besuche die Landesteile»

Roberto Bernasconi (SP) wirbt mit «politischer Erfahrung» für seine Kandidatur für die Ersatzwahl in den Regierungsrat.

Herr Bernasconi, sind Sie erleichtert, dass der separatistische Parti Socialiste Autonome (PSA) seine eigene Regierungsratskandidatur zurückgezogen hat?

Erleichtert wäre zu viel gesagt. Ich wäre durchaus bereit gewesen, vor den Delegierten der Berner SP gegen den PSA-Kandidaten Peter Gasser anzutreten, so wie das der PSA gefordert hat. Das war aus rechtlichen Gründen leider nicht möglich, weil der PSA zwar Mitglied der SP Schweiz, aber nicht der SP Kanton Bern ist. Ich gehe aber davon aus, dass Gasser ohnehin kaum Chancen bei den SP-Delegierten gehabt hätte.

Trotzdem: Ein linker Konkurrenzkandidat des PSA aus dem Berner Jura hätte Ihre Wahlchancen drastisch vermindert.

Das ist klar. Aber Peter Gasser, den ich als Nachbarn gut kenne, hat mir von Anfang an versichert, dass er nicht gegen mich antreten werde, falls sich die SP Kanton Bern für mich entscheidet. Es war klar, dass es nicht zwei sozialdemokratische Kandidaturen aus dem Berner Jura geben wird. Ich konnte die Sache gelassen angehen.

Offensichtlich besteht aber ein Misstrauen der Autonomisten gegenüber Ihnen, dem probernischen Sozialdemokraten.

Das glaube ich nicht. Ich kenne die PSA-Exponenten gut, auch weil SP und PSA im Grossen Rat eine gemeinsame Fraktion haben. Sie wissen, dass man mit mir reden kann. Wer im Berner Jura links wählen will, wird mich wählen. Die ?Jura-Frage wird, so hoffe ich, bei diesen Wahlen keine grosse Rolle spielen. Das Vorgehen ist geregelt: Moutier und die umliegenden Gemeinden werden über einen Kantonswechsel abstimmen können. Ich stehe zu diesem Verfahren, das die Jura-Frage endgültig lösen soll.

Ihr Hauptkonkurrent um den garantierten Jura-Sitz ist nun Pierre Alain Schnegg von der SVP. Warum sind Sie der bessere Kandidat?

Ich bin seit 2009 im Grossen Rat und war bis vor kurzem Gemeindepräsident von Malleray, habe also sehr viel mehr politische Erfahrung als er. Im Berner Jura bin ich ziemlich populär. Zudem bin ich eine kommunikative und offene Persönlichkeit. Im Grossen Rat spreche ich gerne mit Menschen aus allen politischen Lagern. Diese Vorzüge will ich für meinen Wahlkampf nutzen.

Obwohl Sie schon sechs Jahre Grossrat sind, gelten Sie nicht gerade als Schwergewicht im Parlament.

Das unterscheidet mich nicht von den anderen Kandidaten für den Regierungsrat. Es gibt unter ihnen keinen eindeutigen Spitzenkandidaten. Ich gelte vielleicht nicht als politisches Schwergewicht, aber ich bin bereit, zu arbeiten und all meine Energie in das Regierungsamt einzubringen.

Dass man Sie nicht so gut kennt, hängt eventuell auch damit zusammen, dass Sie nur sehr wenige Vorstösse eingereicht haben – zwei davon zum Thema Heimatort.

Als Gemeindepräsident merkte ich, dass die Frage, ob man nach Gemeindefusionen den Heimatort behalten kann, viele Leute bewegt. Ich habe auch andere Vorstösse eingereicht. So den Vorstoss, dass der Regierungsrat jedem Dorf nahelegen soll, eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien aufzunehmen. Das ist angesichts der überfüllten Asylzentren ein Beitrag zur Lösung. Der Regierungsrat will den Vorstoss als Postulat annehmen.

Hat Ihre Gemeinde eine syrische Familie aufgenommen?

Ja, es wohnen mehrere Familien in diversen Lokalen, insbesondere in solchen der Heilsarmee. Und der Gemeinderat hat eine Umfrage lanciert, wer weitere Räumlichkeiten zur Verfügung stellen könnte.

Sie müssen nicht nur im Berner Jura, sondern auch im deutschsprachigen Kantonsteil ein gutes Resultat erzielen. Dort sind Sie aber kaum bekannt. Wie ändern Sie dies?

Ich werde meinen Pilgerstab nehmen und mich zum Beispiel ins Emmental, in den Oberaargau oder das Oberland begeben. Ich hoffe, dass man mich Ende Februar im ganzen Kanton kennen wird.

Sie sind perfekt zweisprachig – französisch und italienisch. Wie steht es mit Ihren Deutschkenntnissen?

Ich spreche inzwischen passabel Deutsch, will das aber bis im Juni noch deutlich verbessern. Dass Italienisch nicht die Hauptsprache im Kanton Bern ist, liegt auf der Hand. Es ist aber doch hilfreich, etwa wenn es um die Beziehungen zum Kanton Tessin geht.

Was könnten Sie als Regierungsrat dem ganzen Kanton bieten?

Meine Dynamik, meinen Humanismus und meine Motivation. Als Inhaber des Jura-Sitzes ist man der Botschafter für den Berner Jura. Dazu gehört, der Mehrheit zu erklären, dass der Berner Jura Besonderheiten hat, eine spezielle Kultur. Zweisprachigkeit bedeutet nicht nur sprachliche Übersetzung, sondern auch einen Dialog zwischen den Kulturen. Vor allem aber ist man ein Regierungsmitglied für den ganzen Kanton. Meine Erfahrungen als sozialdemokratischer Präsident einer mehrheitlich rechten Gemeinde werden mir nützen.

Reicht lokale Exekutiverfahrung für ein Regierungsamt?

Sehen Sie, es gibt keine anerkannte Lehre für das Amt eines Regierungsrats. Ich bin bereit, mich zu hundertfünfzig Prozent zu engagieren, um auf der Höhe dieser Aufgabe zu sein.

Welche Direktion hätten Sie gerne?

Die Finanzen liegen mir, als Schulleiter ist mir auch die Bildung nahe, und Volkswirtschaft interessiert mich auch. Aber ich würde selbstverständlich jede Direktion übernehmen, die man mir als ­Neuling zuteilt.

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