«Ich habe das Gefühl, es gibt Leute, die gar keine gute Lösung wollen»

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver wehrt sich gegen die Kritik, er habe dem Parlament im Streit um die Standorte der Berner Fachhochschule wichtige Informationen verschwiegen.
Bernhard Pulver sieht seinen Standort-Kompromiss in Gefahr.

Bernhard Pulver sieht seinen Standort-Kompromiss in Gefahr.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian M. Moser@AdrianMMoser

Herr Pulver, viele Grossräte sind verstimmt, weil die Fachhochschule wenige Monate nach dem Parlamentsentscheid zur Standortkonzentration entschieden hat, das Departement Wirtschaft, Gesundheit, Soziale Arbeit aufzuteilen. Dafür habe ich Verständnis. Ich habe ja den Schulrat wiederholt gebeten, dieses Departement organisatorisch nicht aufzuteilen. Nach all den Diskussionen um die Standortkonzentration ist der Entscheid schwer zu erklären, doch finde ich die Aufregung übertrieben und auch etwas gefährlich: Die Grossratskommission wusste, dass es offen ist, ob das Departement zusammenbleibt, und dass diese Frage letztlich für die räumliche Konzentration gar nicht relevant ist.

Auch Sie haben von den Diskussionen um eine Aufteilung gewusst und die Information für sich behalten. Das stimmt so nicht. Ich habe der Bildungskommission dreimal gesagt: Ihr habt keine Garantie, dass das Departement zusammenbleibt. Und ich habe auch gesagt, dass die juristische Organisation letztlich nicht relevant ist, weil es vor allem um Synergien durch eine räumliche Zusammenlegung geht.

Sie haben aber nicht gesagt, dass die Frage der Aufteilung im Schulrat konkret diskutiert wird und dazu ein Entscheid aussteht. Über die Diskussionen im Schulrat durfte ich nicht informieren, weil die Organisation der Schule nicht mehr in meiner Kompetenz liegt. 2010 hat der Grosse Rat gegen den Willen des Regierungsrats beschlossen, dass künftig der Schulrat für die Organisation der Departemente zuständig ist. Schon zu diesem Zeitpunkt hat der damalige Rektor der BFH gesagt, es sei nicht sicher, dass das Departement WGS zusammen bleibt. Fast alle Fraktionen waren damals der Meinung, dass diese Entscheidung nicht von der Politik, sondern von der Schule getroffen werden soll.

Es wäre dennoch in Ihrem Interesse gewesen, dafür zu sorgen, dass nicht der Eindruck entsteht, man habe etwas verheimlicht. Natürlich frage ich mich, was ich hätte anders machen können. Vielleicht hätte ich den Schulrat drängen sollen, das Parlament über die Diskussion zu informieren, doch ging ich davon aus, dass die Option einer Aufteilung vom Tisch sei. Ich habe der Kommission wiederholt gesagt, das Zusammenbleiben des WGS sei nicht sicher. Und vor allem haben wir die Option, den Fachbereich Wirtschaft herauszulösen und nach Burgdorf zu zügeln, auf Wunsch der Bildungskommission in einem Zusatzbericht vertieft geprüft. Die Kommission kam aufgrund dieses Berichts zum Schluss, dass es keine gute Lösung wäre. Die Aufteilung des Departements spielt für die Standortfrage also keine Rolle. Aber klar: Es wäre besser gewesen, wenn ich noch deutlicher gesagt hätte, dass ein solcher Entscheid denkbar sei.

Die Aufregung entstand auf einer anderen Ebene. Auch wenn es aus fachlicher Sicht keine Rolle spielt, hat Fachhochschul-Rektor Herbert Binggeli der Bildungskommission nicht die Wahrheit gesagt. Er sagte, dass das Departement «in der heutigen Form» bestehen bleibe, obwohl er wusste, dass die Aufteilung zur Debatte stand. Ich weiss, dass er das gesagt hat. Ich bin nicht Mitglied des Schulrats und hatte in diesem Moment das Gefühl, der Rat werde auch in Zukunft meinem Rat folgen, das Departement nicht aufzuteilen.

Binggelis Verhalten ist stossend. Ich weiss nicht, was ihn bewogen hat, diesen Satz so zu sagen. Er wusste auf jeden Fall, dass ich der Meinung war, die Aufteilung sei keine gute Idee. Vielleicht war auch das der Grund dafür, dass er es nicht gesagt hat, ich weiss es nicht.

Auch Ihnen haben einige Grossräte «Vertrauensbruch» vorgeworfen. Ich weiss nicht, wie viel Vertrauen diese Grossräte zuvor in mich hatten. Vielleicht haben sie mir schon vorher nicht vertraut, und das ist auch ihr Recht. Ich habe jedoch das Gefühl, das Vertrauen der Leute verdient zu haben in diesen elf Jahren als Regierungsrat. Mir Vertrauensbruch vorzuwerfen, nachdem ich dreimal auf die Möglichkeit einer Aufteilung des Departements hingewiesen habe – was soll ich dazu sagen? Ich glaube, ich habe der Kommission die relevanten Informationen gegeben.

Auch Ihre Absicht, in Burgdorf ein TecLab zu schaffen, sei nun nicht mehr glaubwürdig, heisst es. Ich habe versucht, eine für diesen Kanton gute Lösung zu finden. Ich glaube, das ist uns gelungen. Wenn man will, kann man allem misstrauen, aber dann kommen wir nicht weiter. Was das TecLab betrifft: Ich habe das Projekt aufgegleist, die Verwaltung ist an der Arbeit. Manchmal habe ich bei dieser Standortdiskussion das Gefühl, dass es Leute gibt, die gar nicht wollen, dass es eine gute Lösung gibt.

Es steht die Forderung im Raum, die Standortfrage im Grossen Rat nochmals zu diskutieren. Was geschähe dann? Wahrscheinlich würde am Ende noch einmal dasselbe beschlossen, weil es eine gute und sorgfältig abgeklärte Lösung ist. Aber es kann auch sein, dass es anders kommt. Im schlimmsten Fall ginge Burgdorf leer aus, das TecLab käme nicht zustande und die Fachhochschule würde in Bern an ihren heutigen verzettelten Adressen belassen.

Eher ist anzunehmen, dass der Grosse Rat sich dann auf die Seite von Burgdorf schlagen und zumindest das neue Departement Wirtschaft dorthin verschieben wird. Will Burgdorf das wirklich? Diese Variante schneidet wie gesagt in fast jeder Hinsicht schlechter ab als die anderen. Die ganzen Synergiegewinne würden wegfallen und am Ende würde es teurer. Es wäre ein rein standortpolitischer Entscheid, der Nachteile brächte. Die beschlossene Variante ist für Burgdorf klar besser.

Der Bund

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