«Ich habe alles mit Frau und Kindern ‹verwärchet›»

Die Zeit als Verdingbub im Kanton Bern hat Christian Studer nicht zerbrochen oder bitter gemacht. Im Gegenteil.

Trotz schwerem Start beherzt im Leben unterwegs: Christian Studer.

Trotz schwerem Start beherzt im Leben unterwegs: Christian Studer.

(Bild: Adrian Moser)

Markus Dütschler

Der Mann könnte alles Mögliche sein: ein verbitterter Mensch, vom Leben gezeichnet, frustriert, ein Alkoholiker mit zerrütteter Familie, ein Opfer. Doch all das ist der 70-jährige Christian Studer nicht. Der ehemalige Verdingbub ist seit 47 Jahren verheiratet, Sohn und Tochter bewähren sich in ihren Berufen und haben ihm gefreute Enkel geschenkt. Der lebhafte Mann mit der unverwüstlichen Fröhlichkeit ist trotz haarsträubender Jugenderlebnisse nicht in der Vergangenheit gefangen. «Ich sagte immer: Zurückschauen bringt nichts.» Schon damals wurde er «dr Himmu-Chrigeli» genannt, «weil ich so sonnig war». Doch in seinem Leben gab es viel Schatten. In der Zeit, als er im Gürbetal als Verdingbub lebte, habe es im Dorf geheissen: «Die Hunde heulen und der Chrigu bekommt wieder auf den Ranzen.» Verdroschen worden ist er oft. Irgendwann zahlte er seinen Peinigern mit gleicher Münze zurück. Weil er schon als Schüler in Stall und Feld krampfte wie ein Erwachsener, war er stark und konnte ordentlich austeilen. Später dann habe ihn ein Chef ermahnt, er solle mit Dreinschlagen aufhören: «Sonst landest du noch im Zuchthaus.» Das habe er sich zu Herzen genommen.

Der Bund

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