«Ich bin auch erleichtert»

Erstmals nach dem Aus seiner Fluggesellschaft Skywork hat Geschäftsführer und Inhaber Martin Inäbnit vor den Medien erklärt, wie die letzten Tage der Airline vonstatten gingen.

Geschäftsführer und Inhaber Martin Inäbnit stellt sich den Medien.

Geschäftsführer und Inhaber Martin Inäbnit stellt sich den Medien. Bild: Franziska Rothenbühler

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Herr Inäbnit, Ihre Airline Skywork wird derzeit vom Konkursamt aufgelöst, die Flieger sind verkauft oder zurückgegeben – wie geht es Ihnen dabei?
Einerseits bin ich tatsächlich auch erleichtert. Als Unternehmer fällt einem der Entscheid, Insolvenz anzumelden, extrem schwer. Aber irgendwann merkt man: Es geht nicht weiter, auch persönlich. Andererseits haben wir viereinhalb Jahre mit Herzblut und Fachwissen gearbeitet – das gibt man nicht einfach so auf.

Haben Sie schlicht unterschätzt, wie hart das Pflaster Bern für die Linienfliegerei ist?
Es kommen immer alle auf das «Pflaster Bern» zurück. Das war aber gar nicht das Thema. Bern bot uns eine gute Sockel-Auslastung. Die Idee war, auch von Lugano aus zu fliegen oder gar noch ab weiteren Flughäfen. In der Summe hätte die Rechnung irgendwann gestimmt. Es ist aber so: Hier alleine in Bern ist der Betrieb einer solchen Airline nicht möglich, das war aber immer klar, das habe ich auch immer gesagt.

Warum haben Sie es dennoch versucht?
Natürlich war da auch der Traum einer eigenen Airline – einer Berner Airline. Aber deswegen von einem Versuch zu sprechen, wäre falsch. Wir haben es nicht einfach «versucht», sondern mit Investoren analysiert, wo wir wachsen können, wohin wir diversifizieren müssen und sind zum Schluss gekommen: Doch, es kann funktionieren. Ich musste aber auch merken: Die Abklärungen und Gespräche – das geht alles extrem langsam. Da kam mir bisweilen meine Ungeduld in die Quere.

Im Oktober 2017 konnte das Ende von Skywork noch in letzter Minute verhindert werden, diesmal hat es nicht gereicht. Was ist passiert in den letzten Monaten?
Dank Sicherheiten eines Darlehensgebers konnten wir damals den Kredit auftreiben, der 2017 für den Finanzierungsnachweis beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) notwendig war. So konnten wir am 1. November wieder fliegen. Den zweiten Flug an diesem Tag nach dem Grounding nach Hamburg bin ich dann selbst geflogen.

War der Darlehensgeber Ihr Bruder?
Nein.

Und wie ging es nach dem Neustart weiter?
Dann haben wir fast ein Jahr lang Gespräche geführt mit drei möglichen Investoren-Gruppen, unter anderem auch aus Übersee. Im August 2018 wurde dann eine Übernahme durch das deutsche Logistik-Unternehmen Zeitfracht konkreter.

Die Ereignisse überstürzten sich offenbar in den letzten Tagen. Nur sechs Tage vor dem Grounding hat Skywork noch neue Feriendestinationen für Sommer 2019 aufgeschaltet, zudem kündigten Sie an, ab Oktober von Lugano nach Genf zu fliegen und in Lugano ein Flugzeug für weitere Destinationen zu stationieren. Was passierte dann?
In der Woche vor dem Grounding waren wir am Montag in Berlin bei Zeitfracht, um die mögliche Übernahme zu diskutieren. Wir hatten auch die Zusage einer möglichen Zwischenfinanzierung, falls die Übernahme zu Stande kommt. Ende Woche hatten wir noch keine Rückmeldung von Zeitfracht und haben das Bazl darüber informiert. Am Montag darauf kam die Absage von Zeitfracht. Am Dienstag waren wir noch mit einem anderen Investoren im Gespräch, informierten aber bereits das Bazl sowie unsere Abteilungsleiter darüber, dass Skywork bald den Betrieb einstellen könnte.

Was dann am Mittwoch ­geschah.
Wir beschlossen, die Überschuldungsanzeige einzureichen, statt mit der Zwischenfinanzierung einen «Tod auf Raten» zu fahren. Das geschah am späten Nachmittag. Nachdem die letzte Maschine gelandet war, informierten wir Mitarbeiter und Öffentlichkeit. Danach kam es sogar noch zu einem Rettungsversuch mit Zusagen über Millionenbeträge – diese erwiesen sich aber als nicht seriös.

Wie haben die Angestellten auf das Grounding reagiert?
Die Angestellten haben die Nachricht nach dem letzten Flug per E-Mail bekommen, die direkte Reaktionen kenne ich darum nicht. Aber: Am Donnerstagmorgen sind alle zur Arbeit erschienen, obwohl wir sagten, sie sollen doch auf Abruf zu Hause bleiben. Für mich zeigt das, wie stark die Mitarbeiter mit der Skywork verbunden waren.

Unzufrieden waren die Kunden: Sie haben noch Tickets verkauft, obwohl Sie schon wussten, dass Skywork diese Flüge nicht mehr durchführen würde.
Wir sahen keine andere Möglichkeit. Sobald eine Fluggesellschaft keine Tickets mehr verkauft, ist für alle klar: Sie hat ein Problem. Die von Medien eingebrachte Idee, technische Probleme im Ticket-Shop vorzutäuschen, ist untauglich. Für die Branche sind solche Probleme auf der Webseite ein Zeichen, dass es hier nicht mehr lange weiter geht – die Medien und die Branche merken das innert Sekunden. Die Folge: Die Fluggesellschaft muss ab dann sofort den Treibstoff, die Landegebühren und alle anderen Ausgaben in Bar bezahlen, da fliessen enorme Summen enorm schnell ab. Dies wollten wir verhindern – das wäre Geld gewesen, das unnötig aus der Konkursmasse abgeflossen wäre.

Verstehen Sie die erbosten Reaktionen Ihrer Kunden und der Reisebüros?
Natürlich verstehe ich diese Reaktionen. Aber es gab schlicht keine andere Möglichkeit, diese Situation zu bewältigen, ohne ein Chaos auszulösen. Das hat uns auch das Bazl bestätigt.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?
Es gilt, eine Airline aufzuräumen, das ist nicht von heute auf morgen getan. Wir sind mit hunderten von Verträgen international vernetzt.

Und für Sie persönlich?
Im Dezember erhalte ich die erste Überweisung der AHV. Aber ich werde sicher nicht aufhören, zu arbeiten.

Mit dem Grounding von Skywork verliert der Flughafen Bern einen Grossteil seiner Linienflüge: Was ist Ihre Meinung zum Grounding und zur Zukunft des Flughafens? Diskutieren Sie mit unter stadtgespraech.derbund.ch. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.09.2018, 18:58 Uhr

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