Schon wieder «Bschiss» bei Bauprojekt im Berner Oberland?

Naturschützer erheben Vorwürfe gegen die Betreiber eines neuen Bike-Trails in Lauterbrunnen. Der neue Pfad entspreche nicht dem bewilligten Projekt.

Ein neues Paradies für Moutainbiker: Der neue Bike-Trail von der Grütschalp nach Lauterbrunnen.

Ein neues Paradies für Moutainbiker: Der neue Bike-Trail von der Grütschalp nach Lauterbrunnen.

(Bild: zvg)

Naomi Jones

Erst vor kurzem sorgten illegal erstellte Bauten im Berner Oberland für Schlagzeilen. Im März wurde eine Bauherrin in Schwanden bei Brienz verurteilt, weil sie ihr denkmalgeschütztes Haus illegal abreissen liess.

Und in Grindelwald erhielt der Gemeindepräsident einen disziplinarischen Verweis, weil dort verschiedene Bauvorhaben realisiert worden waren, die gar nicht bewilligungsfähig gewesen wären. Nun erheben Naturschützer erneut Vorwürfe, es sei im Berner Oberland illegal gebaut worden.

Nach acht Jahren Planung eröffnete letzten Samstag ein lokaler Mountainbiker-Verein die Bikestrecke von der Grütschalp nach Lauterbrunnen. Hauptsponsor war die Jungfraubahn. Der Trail biete «Spass und Adrenalin für Freeride-Cracks und Hobby-Mountainbiker», schreibt Vereinspräsident Werner Imboden auf seiner Homepage.

Aber nicht alle freuen sich über die neue Strecke. Obwohl der Bike-Trail von den Naturschützern ursprünglich gutgeheissen worden ist, erheben diese nun schwere Vorwürfe an die Bauherren und Betreiber der Strecke.

Denn diese sei nicht so gebaut worden, wie sie bewilligt worden sei, meldete Pro Natura den Medien. Der Pfad sei zu breit, er weiche vom vereinbarten Weg ab, und die Arbeiter hätten eine national geschützte Hecke ohne Bewilligung ersatzlos gerodet.

Bis zu 20'000 Franken Busse

Gegen Letzteres hat der zuständige Wildhüter Strafanzeige eingereicht. Denn Hecken sind durch das eidgenössische Jagdgesetz und das kantonale Naturschutzgesetz geschützt. Sie sind Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, Kleinsäuger, Insekten und Reptilien. Ausserdem dienen sie kleinen Lebewesen als Brücken von einem Biotop ins andere und garantieren die ökologische Vernetzung. Wer eine solche Hecke rodet, kann mit bis zu 20'000 Franken Busse bestraft werden.

«Schon bald nach Baubeginn habe ich Gerüchte über verbotene Baumaschinen und unbewilligte Kunstbauten gehört.»Hans Fritschi, Pro Natura Berner Oberland

Hans Fritschi, Vizepräsident der Pro-Natura-Sektion Berner Oberland, spricht von «Sauerei und Bschiss». Er fühle sich als Pro-Natura-Vertreter und als Privatperson betrogen, sagt Fritschi. «Viele der Beteiligten sind Kollegen von mir.» Pro Natura habe gegen das Bauprojekt Einsprache erhoben, diese aber nach der Einigung über die Streckenführung zurückgezogen.

Zusammen habe man eine tolerierbare Strecke ausgesteckt. «Die Begehung verlief in Minne.» Der Verein Bikestrecke Grütschalp habe die Baubewilligung mit gewissen Auflagen erhalten und letzten Herbst mit dem Bau begonnen. «Aber schon bald habe ich Gerüchte über verbotene Baumaschinen und unbewilligte Kunstbauten gehört», sagt Fritschi. Anfang April habe er die Bauverwaltung der Gemeinde Lauterbrunnen informiert.

Der stellvertretende Regierungsstatthalter Sandro Wegmüller bestätigt die Vorwürfe von Pro Natura. «Die Strecke ist nicht so gebaut worden, wie sie bewilligt war.» Die Betreiber durften die Strecke zwar eröffnen, müssen aber die Änderungen nachträglich bewilligen lassen. Pro Natura kann dann nochmals Einsprache einlegen. Die gerodete Hecke werden die Betreiber des Trails an einer anderen Stelle wieder anpflanzen müssen. Das sei zwingend nötig, sagt Wegmüller.

Werner Imboden vom Verein Bikestrecke Grütschalp will zur fehlenden Hecke auf dem Bike-Trail im Gebiet Alpweg keine Stellung nehmen. Doch seien Ersatzmassnahmen dafür bereits geplant, sagt Imboden.

Der Bund

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