Halle für Atommüll-Transporte in Mühleberg

Auf dem AKW-Gelände soll eine Anlage «zur Bereitstellung von Radioaktivtransporten» entstehen. Sie dient dem Abtransport des Abfalls, der beim AKW-Rückbau anfällt.

Das AKW Mühleberg soll eine Anlage zum Abtransport von Abfall erhalten.

Das AKW Mühleberg soll eine Anlage zum Abtransport von Abfall erhalten.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Thönen@SimonThoenen

Auf der Internetplattform Simap werden öffentliche Aufträge publiziert. Der Titel des Auftrags, den die BKW gestern dort für das AKW Mühleberg ausschrieb, lässt aufhorchen: «Anlage RA zur Bereitstellung von Radioaktivtransporten.» Für diese Anlage sollen laut Ausschreibung auf dem AKW-Gelände eine bestehende Stützmauer aus Stahlbeton abgebrochen und eine Baugrube von 1400 Kubikmetern ausgehoben werden.

Die Anlage wird eine Fläche von 500 Quadratmetern aufweisen, was zum Beispiel 10 mal 50 Metern entspricht. Das Gebäude soll massiv aus Stahlbeton erstellt und mit 10 «Mikropfählen», die je 5,5 Meter lang sind, und 90 «ungespannten Ankern» befestigt werden. Zur Anlage gehören auch Wasserleitungen sowie Entwässerungsgräben und -leitungen.

Halle zum Schutz der Lastwagen

Worum handelt es sich? Laut BKW-Sprecherin Murielle Clerc ist es «ein Gebäude, das den Abtransport der radioaktiven Abfälle durch Lastwagen ermöglichen soll». Die Lastwagen würden mittel- und schwachaktive Abfälle aus dem AKW abtransportieren. Die Halle wird laut Clerc an das bestehende Zwischenlager für radioaktive Abfälle auf dem AKW-Gelände angebaut. «Die radioaktiven Abfälle werden darin nicht bearbeitet.»

Dass die Halle massiv gebaut werden soll, erklärt Clerc mit den Schwertransporten. «Der Hallenboden muss für Lastwagen und Hubfahrzeuge respektive für den Transport von schweren Lasten geeignet sein. Dies ist auch der Grund für Pfähle und Anker. Die Entwässerungen sind für Meteorwasser.» Die BKW lässt seit Jahrzehnten Atommüll aus Mühleberg abtransportieren. Warum also das neue Gebäude? Man benötige die Halle für die Lastwagen, «um witterungsunabhängiger zu werden. Zudem nimmt die Menge an radioaktiven Abfällen in der Stilllegungsphase zu.» Also in der Phase des Rückbaus des AKW nach der Abschaltung im Jahr 2019.

In der Tat wird die BKW beim Rückbau des AKW total 200'000 Tonnen Bausubstanz abtransportieren müssen. Nur rund 1,5 Prozent der Abrissmasse seien so radioaktiv, dass sie in einem Endlager eingeschlossen werden müssen, sagte BKW-Chefin Suzanne Thoma bei der Informationsveranstaltung für die Anwohner am 3. März. Damals hat Thoma laut Clerc auch die Halle für die Lastwagen erwähnt – nicht aber an der vorgängigen Medienkonferenz.

Viele Abfalltransporte bis 2030

Nach der Abschaltung 2019 müssen die hochradioaktiven Brennstäbe zuerst im AKW so weit abkühlen, dass sie transportiert werden können. Dies erfolgt zwischen 2021 und 2024 mit rund 30 Spezialtransporten pro Jahr. Eine viel grössere Menge von schwach- und mittelaktiven Abfällen fällt erst danach an. Bis 2030 ist dafür rund ein Transport pro Tag nötig. Mit den Abtransporten will die BKW ein zusätzliches Zwischenlager für radioaktive Abfälle auf dem Werksgelände überflüssig machen. Ein solches ist laut Thoma nicht geplant.

Der Bund

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