Der gymnasiale Unterricht an der Sekundarschule ist Geschichte

Ab dem neuen Schuljahr gilt die sogenannte Quarta-Lösung: Alle künftigen Maturanden besuchen während vier Jahren das Gymnasium.

Blick ins Gymnasium Neufeld in Bern. (Archiv)

Blick ins Gymnasium Neufeld in Bern. (Archiv)

(Bild: Valérie Chételat)

Adrian M. Moser@AdrianMMoser

Wer im Kanton Bern die Matur macht, ist vier Jahre lang an einem Gymnasium zur Schule gegangen. Die Schülerinnen und Schüler, die am Montag mit ihrer gymnasialen Ausbildung beginnen, sind die ersten, für die dieser Grundsatz uneingeschränkt gilt. Bisher galt das, was der bernische Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) das eine oder andere Mal als Flickenteppich bezeichnet hatte: Die Mehrheit der Gemeinden schickte ihre Schüler nach der 8. Klasse für vier Jahre ans Gymnasium. Etwa ein Drittel der Gemeinden aber – 31 Sekundarschulen – boten den gymnasialen Unterricht im 9. Schuljahr selbst an. Erst danach traten die Schüler für die übrigen drei Jahre an ein Gymnasium über.

Gymnasien kämpften dafür

Neu gehen alle künftigen Maturanden vier Jahre lang an einem Gymnasium zur Schule. Den gymnasialen Unterricht im 9. Schuljahr gibt es nicht mehr. Die Gymnasien forderten dies schon lange. Dass einige Gemeinden das erste Gymer-Jahr selbst anböten, führe zu einem Bruch innerhalb der gymnasialen Ausbildung, argumentierten sie. 90 Prozent der Klassen musste nach dem ersten Jahr neu zusammengesetzt werden, und der Unterricht im Schwerpunktfach konnte erst im zweiten Jahr beginnen, damit ihn alle Schüler besuchen konnten.

So argumentierte auch Erziehungsdirektor Pulver – vor vier Jahren, als er sich anschickte, die seit Jahrzehnten andauernde Diskussion zu beenden, und auch am Freitag, als er wie jeden Sommer vor Beginn des Schuljahres vor die Medien trat. «Die sogenannte Quartalösung ermöglicht eine durchgehende, klar strukturierte Ausbildung», sagte er. Dies führe zu einer besseren Qualität der Ausbildung am Gymnasium.

Sekundarschulen wehrten sich

Die Sekundarschulen haben sich stets gegen die Quarta-Lösung gewehrt. An den Oberstufenzentren, die den gymnasialen Unterricht angeboten haben, war man stolz auf die sogenannten Spez-Sek-Klassen, die zum Teil auch von Schülern aus umliegenden Gemeinden besucht wurden. Die Sekundarschulen befürchten aber auch handfeste Nachteile: «Das Problem des gebrochenen Bildungsgangs wird einfach vom Gymnasium zu den Sekundarschulen verschoben», sagt Markus Brandenberger, Gesamtschulleiter in Langnau.

In Zukunft werden es die Sekundarschulen sein, die ihre Klassen nach zwei von drei Jahren neu zusammensetzen müssen, weil ein Teil der Schüler ans Gymnasium wechselt. Dies bedeute zusätzlichen Aufwand und schwäche den Klassenverband, sagt Brandenberger. Ausserdem werde man spüren, dass die stärksten Schüler im 9. Schuljahr nicht mehr dabei seien. «Wir werden ohne den gymnasialen Unterricht nicht zwingend eine schlechtere Schule», sagt er. «Aber sicher eine andere.»

Der Bund

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