Grüne kritisieren ENSI – BKW zufrieden

Die Grünen Schweiz, Greenpeace und auch die Organisation «Fokus Anti-Atom» kritisieren den Entscheid des ENSI zum AKW Mühleberg. Die BKW ist zufrieden – und will 15 Millionen investieren.

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Dass die Schweizer Atomaufsicht ENSI die von der BKW eingereichten Massnahmen für den Betrieb des Kernkraftwerks Mühleberg bis 2019 akzeptiert, kommt bei den Grünen Schweiz nicht gut an. «Das ENSI geht vor der BKW in die Knie», sagt Co-Präsidentin Regula Rytz laut einer Mitteilung.

Die Grünen begrüssten zwar, dass die Mühleberg-Betreiberin BKW erstmals in der Schweiz einen Ausstiegsstermin für ein AKW festgelegt habe, heisst es in der Mitteilung. Das ENSI dürfe aber keine «gefährlichen Konzessionen» machen, nur weil die Mühleberg-Betreberin BKW das Werk nun schon 2019 abschalte.

In den Augen der grünen Berner Nationalrätin Rytz werden Atomkraftwerke just gegen Ende der Betriebsdauer am gefährlichsten. Die Betreiber verlören das Interesse, in Nachrüstungen zu investieren. Das ENSI versage nun dann, wenn es am nötigsten sei.

Kritik von Greenpeace...

Greenpeace bezeichnet es als «verantwortungslos», dass die Schweizer Atomaufsichtsbehörde ENSI das BKW-Konzept für den Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Mühleberg weitgehend akzeptiert.

Das ENSI habe vor der «betriebswirtschaftlichen Logik der BKW kapituliert», schreibt die Umweltorganisation in einer Mitteilung. Dass die Aufsichtsbehörde von ursprünglichen Forderungen wie etwa einer erdbebenfesten alternativen Kühlwasserquelle abweiche, zeige, dass die nun akzeptierten Alternativlösungen «eine Alibiübung» seien. Diese schafften keine ausreichende Sicherheit bis zum letzten Betriebstag in Mühleberg, findet Greenpeace.

...und «Fokus Anti-Atom»

Auch die bernische Anti-Atom-Organisation «Fokus Anti-Atom» findet, das ENSI habe der BKW «nachgegeben». Es könne nicht sein, dass das ENSI Forderungen, die es früher gestellt habe, nun nicht mehr formuliere. Die verkürzte Rest-Betriebsdauer des AKW Mühleberg rechtfertige ein solches Vorgehen nicht.

Für Fokus Anti-Atom ist es auch nicht so, dass die Risse im Kernmantel von Mühleberg verstanden werden. Es liefen noch zahlreiche Forschungsprojekte dazu. «Mit den geplanten Messprogrammen hinkt man der realen Rissentwicklung hinterher.»

BKW will investieren

Der bernische Energiekonzern BKW ist mit dem Entscheid des ENSI zufrieden. Das sagte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage.

Die BKW werde alle ENSI-Forderungen erfüllen und dafür 15 Millionen Franken investieren, gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Unternehmenssprecherin Murielle Clerc sagte auf Anfrage, die BKW werde die Forderungen auch termingerecht erfüllen.

Der Betrag von 15 Millionen Franken entspricht den Annahmen, welche die BKW bisher kommunizierte. Die vom ENSI geforderten Massnahmen erhöhen laut der BKW die Sicherheitsmarge und die Robustheit der Systeme für die letzten fünf Betriebsjahre zusätzlich.

Eine der Forderungen des ENSI ist, dass die BKW eine zusätzliche, erdbeben- und überflutungssichere und von der Aare unabhängige Kühlwasserversorgung erstellt. Dafür baut die BKW derzeit ein neues Grundwasserpumpwerk im Gebiet Rewag (Gemeinde Mühleberg). Von dort aus führt eine Leitung hinauf zum Hochreservoir Runtigenrain über dem AKW Mühleberg.

Bisher hiess es, die Bauarbeiten an dieser neuen Wasserzufuhr fürs AKW Mühleberg dauerten bis Ende 2015. Das ENSI verlangt die neue Zufuhr aber schon im Sommer dieses Jahres. Laut BKW-Sprecherin Clerc wird es für die BKW möglich sein, die Arbeiten früher abzuschliessen.

zec/sda

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