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Grivel will ein «Volkspräsident» werden

Die FDP des Kantons Bern wählte Pierre-Yves Grivel zu ihrem Präsidenten – Alternativen gab es keine.

Pierre-Yves Grivel will die FDP als «Volkspräsident» aus der Krise führen.
Pierre-Yves Grivel will die FDP als «Volkspräsident» aus der Krise führen.
Valérie Chételat

Als Coach hat sich Pierre-Yves Grivel bewährt. Mit seiner Tochter konnte er an der Weltmeisterschaft der Curling-Junioren 2005 die Goldmedaille feiern und ein Jahr später an den Olympischen Spielen mit dem Frauenteam den zweiten Platz. «Das war wunderbar», erinnert sich der 59-Jährige.

Solche Erfolge will er künftig auch mit der FDP des Kantons Bern verbuchen. Am Mittwochabend wählten ihn die 155 Delegierten in Wangen an der Aare unter wahrhaft tosendem Applaus zum neuen Präsidenten. Viel Auswahl hatten sie allerdings nicht. Der letzte Mitbewerber, der Thuner Sektionspräsident Beat Schlatter, hatte sich vor zwei Wochen zurückgezogen.

Ein Welscher für den Berner Freisinn

«Ich bin mutig und hungrig», sagte Grivel. Er wisse aber auch, wie steinig sein Weg sein werde. Neue Konkurrenz durch die BDP und die Grünliberalen bedrängt die Partei. Bei den nationalen Wahlen im letzten Jahr hat sie eine historische Niederlage eingefahren und zwei ihrer vier Nationalratssitze eingebüsst. Der Ständeratssitz ist schon lange Geschichte. Als Folge der Niederlage nahmen Parteipräsident Peter Flück und Vizepräsidentin Corinne Schmidhauser nach nur zwei Jahren im Amt den Hut.

Einspringen musste kurzfristig Pierre-Yves Grivel, der als Quotenromand das zweite Vizepräsidium innehatte. Damals habe er gedacht: «Es ist doch nicht möglich, dass ein Welscher die bernische FDP führt», sagt Grivel im Gespräch mit dem «Bund». Unterdessen ist es Realität geworden. Wie sich eine ältere Delegierte am Mittwoch erinnerte, ist Grivel nach Raymond Gsell offenbar bereits der zweite Romand in dieser Funktion.

Bürgerliche Wende im Blick

Grivel war bisher in der kantonalen Politik ein Unbekannter. Er sitzt zwar seit fünfeinhalb Jahren im Grossen Rat, hat aber kaum für Aufsehen gesorgt. Gerade einmal acht Vorstösse hat er in dieser Zeit unterschrieben – die wenigsten davon selber verfasst. Sein Engagement in Bern zeigt aber, dass er eine eigene Linie verfolgt. So hat er sich etwa für ein Ausländerstimmrecht oder einen Vaterschaftsurlaub eingesetzt – beides nicht eben freisinnige Anliegen. Er sei aber dennoch durch und durch ein Liberaler, so Grivel. Selber ordnet er sich in der Mitte der FDP ein.

Berührungsängste mit anderen Parteien kennt er keine. Gerade im Hinblick auf die kantonalen Wahlen 2014 will er auf SVP und BDP zugehen. «Alleine kann keine bürgerliche Partei die Mehrheit im Regierungsrat zurückerobern», so Grivel.

«Ich will ein Volkspräsident werden»

Der Wechsel auf die kantonale Politbühne ist dem Bieler Stadtrat nicht leichtgefallen. Eigentlich wäre er lieber Gemeinderat geworden und hätte im nächsten Jahr den abtretenden Pierre-Yves Moeschler (SP) als Schul- und Sportdirektor beerbt. Grivel leitet eine Sekundarschule in Biel und ist leidenschaftlicher Curler und Unihockeyspieler. Seine Partei, der Parti Radical Romand, hat sich aber gegen ihn entschieden und eine Frau auf die Liste für die Gemeinderatswahlen im Herbst gesetzt. «Dieses Thema ist abgeschlossen», sagt Grivel. Etwas Wehmut klingt dennoch mit.

Nun möchte er sich mit «Feu sacré» seiner neuen Aufgabe widmen. «Ich will ein Volkspräsident werden», sagt er. Er werde am Stammtisch, an den Ortsversammlungen und im Strassenwahlkampf präsent sein. Die FDP müsse ihr Image schärfen, besser kommunizieren und in allen Themen klare Positionen vertreten.

Insbesondere als Kommunikator wird ihm einiges zugetraut. «Er geht mit Charme und Humor auf die Leute zu», sagt Grossrat und HIV-Direktor Adrian Haas. Dass er in der Kantonspolitik ein unbeschriebenes Blatt ist, wird nicht als Nachteil betrachtet. «Er ist unverbraucht und keinen Verbandsinteressen verpflichtet», sagt der Bieler Grossrat Peter Moser, «für einen Neustart ist das eine gute Voraussetzung.» Moser warnt aber auch vor zu hohen Erwartungen: «Grivel kann es nicht alleine richten.» Dessen ist sich der neue Präsident bewusst. «Ich werde kein Solopräsident sein», sagt Grivel. Im August will er seine Mannschaft mit drei bis vier Vizepräsidentinnen und -präsidenten vorstellen.

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