Grippe füllt Berner Betten und Arztpraxen

Die Grippe hat Bern noch immer fest im Griff. Besonders viele Junge steckten sich diesen Winter mit einem Grippevirus an.

Die Grippe fesselt auch diese Woche noch viele Berner ans Bett.

Die Grippe fesselt auch diese Woche noch viele Berner ans Bett. Bild: Maurizio Gambarini/Keystone

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Hohes Fieber, Schüttelfrost und Schweissausbrüche, das sind nur einige der Symptome, die auch diese Woche noch viele Berner ans Bett fesseln. Denn die diesjährige Grippewelle hält sich hartnäckig, und die Zahl der Neuerkrankungen bleibt in der Region Bern seit Wochen konstant hoch.

Ein erster Höhepunkt der Grippewelle sei in der zweiten Jahreswoche aufgetreten, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Seit Anfang Jahr hat die Anzahl Erkrankter nie wirklich abgenommen und war stets auf hohem Niveau: «Diesen Winter werden wir sicherlich bis 14 Wochen lang an einer Grippewelle leiden», sagt Patrick Mathys, stellvertretender Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG. Eine so lange Dauer sei sehr ungewöhnlich.

Die Hartnäckigkeit der Grippewelle führt Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG, in einem Interview mit SRF auf das Virus selbst zurück. «Es deutet darauf hin, dass dieses B-Virus, das sogenannte Yamagata-Virus, wahrscheinlich noch nie einen ähnlichen Verwandten in der Bevölkerung hatte. Das heisst, dass die Jüngeren keinen Immunschutz gegen diesen Typ von Viren haben und viele deshalb sehr lange und zum Teil heftig erkranken.» Das sei jedoch Glück im Unglück, da Grippe vor allem für älteren Menschen gefährlich werden könne.

«Es gibt bestimmte vulnerable Bevölkerungsgruppen, für welche eine Grippeerkrankung schwerwiegende Konsequenzen haben kann», heisst es beim Berner Kantonsarztamt dazu. So könne eine Grippeerkrankung manchmal zu Komplikationen führen, die entweder durch das Grippevirus selbst oder durch eine bakterielle Sekundärinfektion entstehe. Laut Bundesamt für Statistik starben im Februar 2015 etwa 2500 Personen an einer Grippewelle in der Schweiz.

Mehr Kranke nach kalten Tagen

Auch beim Berner Citynotfall bestätigt man auf Anfrage, dass die diesjährige Grippesaison ungewöhnlich lange andauere. Zudem hätte sich in den letzten Tagen auch vermehrt das medizinische Personal angesteckt, sagt Chefarzt Michael Hofer. Er mutmasst, dass die diesjährige Dreifachimpfung die aktuellen Grippeviren offenbar nicht effektiv genug bekämpft habe. «Wie setzen deshalb nächstes Jahr sicher auf den Vierfach-Impfstoff», sagt Hofer. Ein weiterer Grund, dass die Anzahl der Grippe-Patienten nicht nachlässt, könnten auch die kalten Tage der letzten Wochen sein: «Da fuhren die Menschen vermehrt ÖV, waren drinnen und unter Leuten, wo die Ansteckungsgefahr durch eine Tröpfcheninfektion grösser ist.»

Der Könizer Hausarzt Gabriel Süess hat weniger Grippeerkrankte im Wartezimmer als noch vor einigen Wochen. «Die Grippe flacht bereits merklich ab», sagt Süess. So seien besonders Ende Januar und Mitte Februar viele Patienten wegen Grippesymptomen in die Praxis gekommen. Ihnen riet er zu Bettruhe, viel zu trinken und und in einigen Fällen zur Einnahme von Präparaten zur Linderung einzelner Grippesymptome wie beispielsweise Fieber.

In der Region Bern-Jura-Freiburg waren vorletzte Woche 270 von 100'000 Einwohnern an der Grippe erkrankt, wie das BAG schätzt. Deshalb wird die Grippe zurzeit immer noch als «weit verbreitet» eingestuft. Ermittelt wurde der Wert von 25 Praxen, die dem Bundesamt jeweils Bericht über die Anzahl erkrankter Patienten abgeben. Auch grippeähnliche Erkrankungen seien zurzeit weit verbreitet, heisst es beim BAG. Weiter geht man beim Bundesamt, das die Grippe ziemlich genau beobachtet, nicht davon aus, dass die Grippewelle nochmals anzieht. «Aber ganz ausschliessen kann man es nicht», sagt Koch. Weil weiterhin sehr viele Menschen mit Grippe infiziert sind, können diese und auch noch andere anstecken. Er rät daher, weiterhin vorsichtig zu sein. (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2018, 06:23 Uhr

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