Zum Hauptinhalt springen

Mit einer ordentlichen Portion Frust

SVP-Grossrätin Andrea Gschwend kämpft dafür, dass der Kanton weniger für minderjährige Asylsuchende ausgibt. Ihr Interesse für andere Kulturen sieht sie dabei nicht als Gegensatz.

SVP-Grossrätin Andrea Gschwend hat sich Asylthemen verpflichtet.
SVP-Grossrätin Andrea Gschwend hat sich Asylthemen verpflichtet.
Adrian Moser

An der SVP haften viele Klischees. Andrea Gschwend erfüllt einige davon. Die SVP-Grossrätin ist bodenständig, überzeugte Autofahrerin, hat ein Motorrad und verfügt über gute Jass-Kenntnisse. Gibt es an ihr auch etwas, das nicht typisch SVP ist? «Ich halte nichts von Klischees, aber wenn man es so sehen will, ja. Ich interessiere mich für fremde Kulturen.» Früher hat sie als Flugbegleiterin gearbeitet, auch heute reist sie noch viel. Sie hat in Südafrika einige Wörter in der Zulu-Sprache gelernt, sich in Pakistan verhüllen müssen und in Japan in der Öffentlichkeit nicht die Nase geschnäuzt, weil sich das in dieser Kultur nicht gehöre. Die gleiche Anpassung fordert sie von Migranten in der Schweiz.

Gleichzeitig setzt sie sich seit Jahren gegen Gelder ein, die eben diese Integration fördern sollen. 2017 war sie massgeblich daran beteiligt, dass ein Kredit von 105 Millionen Franken für die Betreuung und Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) per Referendum gestoppt wurde. Da der überarbeitete Vorschlag der Regierung der SVP zu wenig weit geht, kämpft Gschwend erneut dafür, dass das Volk die Gelder am 25. November ablehnt. Diesen Kampf führt sie hart, schonungslos und linientreu.

«Ich bin kein Unmensch»

Ein graues Gewerbegebäude im Stadtkern von Burgdorf. Im dritten Stock führt Gschwend mit ihrem Mann ein Immobilienunternehmen. Sie sitzt am Tisch eines hellen Sitzungszimmers. Ihre politische Härte ist unaufgesetzter Freundlichkeit gewichen. Ein Charakterzug, der oft nicht zur Geltung kommt. «Viele sehen mich als die böse Frau Gschwend, wegen der Kinder kein Geld mehr bekommen und alle Chancen verlieren.» Der Unmut über ihre Person würde gar in Morddrohungen und wütenden Anrufen gipfeln. «Erst kürzlich hat mir jemand am Telefon gesagt, ich sei eine herzlose Person.» Sieht sich Gschwend manchmal als Unmensch? «Überhaupt nicht. Ich bin eigentlich eine sehr herzliche Person.»

«Wenn ich ehrlich bin, ist mein Vertrauen in die Medien mässig gross.»

Andrea Gschwend, SVP-Grossrätin

Zwischen Herzlichkeit und der Reduzierung von Geldern für asylsuchende Jugendliche sieht Gschwend keinen Widerspruch. Sie sei weder radikal noch rassistisch, sondern fordere bloss Gerechtigkeit. Viele asylsuchende Jugendliche würden sich jünger machen, als sie sind, um an Sondersettings zu kommen. «Diese Ausbeutung unseres Systems macht mir wahnsinnig Mühe.»

«Sie ist dossiersicher»

Eigentlich wäre Gschwend durch ihren HSG-Abschluss in Betriebswirtschaft prädestiniert für Finanz- und Wirtschaftspolitik. Dennoch hat sie sich der Asylthematik verpflichtet. Ein kalkulierter Karriere-Schachzug, um der Parteibasis zu imponieren, bei der Asylpolitik ein Dauerbrenner ist?

Gschwend winkt ab. «Ich habe nie darauf geachtet, mit was ich punkten kann.» Diese Aussage wird vom politischen Gegner unterschrieben. Regina Fuhrer-Wyss (SP) sass mit Gschwend vier Jahre in der Sicherheitskommission. «Bei Asylthemen politisierte sie zwar mit typischem SVP-Populismus, aber immer dossiersicher und mit Leidenschaft.» Sie hält jedoch auch fest, dass sich Gschwend dadurch bestimmt profilieren konnte.

Frust über Umsetzung

Im erneuten Referendum gegen den Asylkredit schwingt eine ordentliche Portion Frust mit. Gschwend fühlte sich nach der ersten Abstimmung betrogen, betrachtet den Volkswillen als nicht umgesetzt. Ein Gefühl, das sie immer öfters spürt. Umsetzungen von gewonnenen SVP-Abstimmungen würden von der Regierung unter fadenscheinigen Begründungen verhindert. So hat sie beispielsweise 2016 im Kantonsparlament eine Motion durchgebracht, in der sie verlangt, dass die Kantonspolizei künftig die Nationalitäten von Straftätern und Tatverdächtigen in Medienmitteilungen nennen muss. Bis heute sei nichts passiert, obwohl die Umsetzungsfrist abgelaufen ist. «Das hat nichts mehr mit direkter Demokratie zu tun.»

Mit ähnlichem Frust spricht sie über die Medienlandschaft. Auf Facebook schreibt sie manchmal von «Lügenpresse», in einer Motion, die sie mit eingereicht hat, geht es um «Fake News» im Zusammenhang mit UMAs. «Wenn ich ehrlich bin, ist mein Vertrauen in die Medien mässig gross.» Zu oft würden zur Meinungsmache Zitate aus dem Kontext gerissen. Das liege auch daran, dass viele Medienschaffende wahrscheinlich eher links seien.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch