Geplanter Laborneubau ist für Gegner «nutzloser Luxusbau»

Die Gegner des Laborneubaus an der Murtenstrasse in Bern haben am Mittwoch ihre Argumente vorgestellt.

Der Laborneubau soll an der Murtenstrasse zu stehen kommen.

Der Laborneubau soll an der Murtenstrasse zu stehen kommen.

(Bild: Adrian Moser)

Für die Gegner des geplanten Laborneubaus an der Berner Murtenstrasse ist das Projekt ein «Luxusbau». Zudem würde das viele Geld falsch investiert. Das sagten sie am Mittwoch bei der Vorstellung ihrer Argumente vor der kantonalen Abstimmung über den Ausführungskredit.

Die vom Kanton Bern für den Bau des Gebäudes vorgesehenen 154,3 Millionen Franken entsprächen einem Nutzflächen-Quadratmeterpreis von 15'600 Franken. Das sagte Luzius Theiler von jenem Komitee, welches im vergangenen Jahr das Referendum gegen die Genehmigung des Ausführungskredits durch den bernischen Grossen Rat zustande brachte.

Im Wohnungsbau rechne man mit 3000 bis 6000 Franken pro Quadratmeter Nutzfläche, sagte der Stadtrat der Grünen Partei Bern - Demokratische Alternative (GPB-DA) weiter. Das zeige, dass beim Kanton Bern Bauen nicht teuer genug sein könne. «Bei den Menschen hingegen wird gespart», fuhr Theiler fort und verwies auf Sparmassnahmen bei den Prämienverbilligungen und im Gesundheitswesen.

Das Berner Volk stimmt am 28. Februar über einen Kredit über 141,6 Millionen Franken ab. Theiler spricht von 154,3 Millionen Franken, weil bereits 12,7 Millionen Franken für Planung, Liegenschaftskäufe und Projektierung bewilligt worden sind.

Im Neubau sollen zwei Institutionen untergebracht werden: Das Departement für Klinische Forschung (DKF) der Uni Bern und das Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Uni Bern. Nur das DKF braucht Räumlichkeiten für Tierhaltung und -versuche. Beide Institutionen sind derzeit an insgesamt rund zwanzig Standorten untergebracht.

«Besser nach Ersatzmethoden forschen»

Ausser aus Mitgliedern der GPB-DA und der Alternativen Linken (AL) machen im Referendumskomitee auch Tierrechtsorganisationen mit. Ein Vertreter einer solchen Organisation, Benjamin Frei von der Schweizer Liga gegen Vivisection und für die Rechte des Tieres, sagte, in den USA und China komme man von Tierversuchen weg.

In diesen Ländern habe man gemerkt, dass man etwa mit Computermodellen nicht nur Tierversuche ersetzen könne, sondern auch Geld spare und erst noch bessere Resultate erhalte.

Die US-Arzneimittelbehörde sage seit Jahren, 90 Prozent der Tierversuchserkenntnisse seien nicht auf den Menschen übertragbar und somit unnütz. Das Komitee spricht deshalb auf einem Flugblatt von einem Projekt, das der medizinischen Grundversorgung nichts bringe.

Statt in eine «veraltete Forschung» zu investieren, würde der Kanton Bern besser ein Kompetenzzentrum für zukunftsträchtige Ersatzmethoden aufbauen, so Frei. Das wäre dann der «Standortvorteil», den die Befürworter des Projekts diesem so gern zuschrieben.

Es brauche eine Diskussion darüber, ob das Tier Mensch andere schmerzempfindsame Tiere für Versuche halten dürfe, so Adriano Mannino von Sentience Politics. Aus tierethischer Sicht eine Minimalforderung sei, in Bern zumindest auf den Ausbau von Tierversuchen zu verzichten.

Es könne zwar sein, dass der Laborneubau die Zahl der «Opfer», die ein Versuch durchschnittlich erzeuge, reduziere. Es sei jedoch zu erwarten, das die «absolute Opferzahl» steige, wenn die Kapazitäten ausgebaut würden.

Nichts gegen neue Räume für IRM

Niemand vom Referendumskomitee sprach sich am Mittwoch vor den Medien in Bern gegen denjenigen Teil des Neubaus aus, der dem IRM dienen soll. Darauf angesprochen, sagte AL-Stadträtin Christa Ammann, das Komitee stelle den Neubau nicht grundsätzlich in Frage, aber grundsätzlich jenen Teil, der für Tierversuche herhalten solle.

GPB-Grossrätin Simone Machado-Rebmann, ebenfalls Mitglied des Komitees, habe bei der Behandlung der Vorlage im Januar 2015 im bernischen Grossen Rat einen Rückweisungsantrag gestellt - ohne Erfolg. In dieser Situation sei nichts anderes übrig geblieben, als das Referendum zu ergreifen.

Dieses kam im vergangenen Juni mit 11'156 gültigen Unterschriften zustande. Dem Referendumskomitee entgegen steht ein Pro-Komitee, dem Vertreter aller grösseren Parteien angehören und das am 7. Januar seine Argumente vor den Medien präsentierte.

zec/sda

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