Gefangene des billigen Geldes

Trotz rekordhoher Leerstände geht den Bauherren das Geld nicht aus. Auf der Strecke bleibt dabei das Ziel, an zentralen, gut erschlossenen Orten zu verdichten.

Ob auch diese neuen Häuser im oberaargauischen Rohrbach dereinst leer stehen?

Ob auch diese neuen Häuser im oberaargauischen Rohrbach dereinst leer stehen?

(Bild: Thomas Peter)

Christoph Aebischer@cab1ane

Auf den ersten Blick haben die beiden Phänomene nichts miteinander zu tun: Ausserhalb der Agglomerationen gelegene Ortschaften erleben einen regelrechten Bauboom. Es entstehen so viele neue Wohnungen, dass ein Teil davon gar nicht vermietet werden kann. Gleichzeitig verharren die Zinsen für Bundesobligationen nahe bei null.

Dass diese beiden Sachen eben doch zusammenhängen, spüren derzeit diverse Oberaargauer Gemeinden, zuallererst Huttwil an der Grenze zum Kanton Luzern: Trotz rekordhoher Leerstände geht den Bauherren das Geld nicht aus. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen stürzen sich sogar auf solche Investitionen, weil sie derzeit immer noch bessere Renditen versprechen als andere Geldanlagen.

Alle sind sie in ihrer Logik gefangen: Das Baugewerbe ist froh um die Aufträge, Pensionskassen brauchen dringend Rendite, um die Renten von morgen bezahlen zu können, und die betroffenen Gemeinden müssen zusehen, wie ihre bis vor einigen Jahren wenig attraktiven Bauzonen zugepflastert werden. Auf der Strecke bleibt dabei das im neuen Raumplanungsgesetz beschlossene Ziel: Nämlich an zentralen, gut erschlossenen Orten verdichtet zu bauen.

Inzwischen kündigt sich zumindest an einer Front etwas Entspannung an: Die Baubranche meldet weniger volle Auftragsbücher. Doch die Trendwende bedeutet das nicht. Solange die Nationalbank an negativen Zinsen festhält, bleiben Immobilien ein halbwegs sicherer Ausweg für Investoren.

Kommen dann die unausweichlichen Wertberichtigungen – nach unten wohlverstanden –, werden nicht nur Anleger einen Kater haben. In den jetzt betroffenen Gemeinden dürften Wohnungen auf längere Sicht schwer zu vermieten sein. Denn der Wohnungsbau an der Peripherie hat längst nichts mehr mit einer realen Nachfrage zu tun. Da wird es nur ein schwacher Trost für diese Gemeinden sein, dass ihr Problem zumindest indirekt für etwas Entspannung bei den Mietzinsen an zentraleren Orten sorgt.

DerBund.ch/Newsnet

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