Fusionsgegner klauen eine Fahne

Wer hat die Fahne gestohlen? Ein halbes Jahr nach der Fusion der Gemeinden Grosshöchstetten und Schlosswil ist am Schloss von Unbekannten die Fahne abgehängt worden.

Am 14. Juli eröffnet die Steinmann-Stiftung im Schloss Wyl ein Café. Dann sollen wieder alle Fahnen das Schloss zieren.

Am 14. Juli eröffnet die Steinmann-Stiftung im Schloss Wyl ein Café. Dann sollen wieder alle Fahnen das Schloss zieren.

(Bild: Thomas Reufer)

Naomi Jones

Am Sonntagmorgen hat er es gesehen. Matthias Steinmann, der Präsident und Geschäftsführer der Steinmannstiftung, die das Schloss in Schlosswil besitzt und betreibt, entdeckte, dass eine Fahne beim Schloss fehlte. Und zwar diejenige von Grosshöchstetten. Mit einem Spezialschlüssel müsse sie heruntergezogen worden sein. Denn am Fahnenmast war nichts kaputt, und ausser der Fahne fehlte nichts. «Jemand muss sich also gezielt auf den Diebstahl vorbereitet haben», sagt Steinmann. Die Fahne von Schlosswil flatterte aber weiterhin munter an ihrem Mast.

Doch warum stiehlt jemand die Fahne einer Gemeinde? Es könnten Fusionsgegner gewesen sein, vermutet Steinmann. Denn die Fahne selbst habe keine 800 Franken gekostet. «Es war ein symbolischer Akt.» Mit seiner Vermutung liegt Steinmann wohl nicht falsch. Am Montagmorgen ist die Fahne zusammen mit einem anonymen Brief vor der Gemeindeverwaltung wieder aufgetaucht, wie Gemeindepräsidentin Christine Hofer (EVP) sagt. Es stünden genug Bäume in der Allee, heisse es in dem Brief. Im Wappen Grosshöchstettens steht ein Baum.

Seit einem halben Jahr gehört das Dorf Schlosswil nämlich zur Gemeinde Grosshöchstetten. Im letzten Herbst sprachen sich 70 Prozent der Stimmenden in der Gemeinde Schlosswil und 85 Prozent der Stimmenden in der Gemeinde Grosshöchstetten für eine Fusion aus. Seit dem 1. Januar ist nun Schlosswil noch ein Ortsteil der Gemeinde Grosshöchstetten.

Aus Sicht von Grosshöchstetten sei die Fusion positiv verlaufen, und Kritik habe sie bisher keine vernommen, sagt Hofer. Die Gemeinde Grosshöchstetten sei durch die Fusion zu neuem Bauland gekommen, und die Einwohner von Schlosswil müssten nun weniger Steuern zahlen. Angesichts der hohen Zustimmung, die die Fusion an der Urne erhielt, gewichtet Hofer den Fahnendiebstahl nicht besonders schwer. «Vielleicht war es einfach ein Nachtbubenstreich», sagt sie. Jedenfalls werde die Fahne wieder beim Schloss gehisst. Dort wird nämlich am kommenden Samstag ein Café eröffnet. Dann sollen nicht nur die Fahnen von Grosshöchstetten und Schlosswil, sondern auch die des Kantons Bern flattern.

DerBund.ch/Newsnet

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