Für die BKW ändert sich nichts

Der Kanton Bern bleibt Mehrheitsaktionär der BKW. Präsident Urs Gasche hofft, dass die Angriffe auf die BKW nun beendet sind. Der Gewerbeverband gibt sich aber noch nicht geschlagen.

BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche spricht mit BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma. Bild: Adrian Moser

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Die BKW-Verkaufsoffensive ist gescheitert. Der Grosse Rat beschloss gestern wie erwartet, dass der Kanton Bern Mehrheitsaktionär des Energiekonzerns bleibt. Mindestens 51 Prozent der Aktien sollen dem Kanton künftig gehören, so steht es im neuen BKW-Beteiligungsgesetz. Aktuell besitzt der Kanton 52,5 Prozent. Das Kantonsparlament genehmigte das Gesetz mit 84 zu 54 Stimmen. SVP, SP, Grüne und EVP stimmten für das Gesetz. FDP, BDP, GLP und EDU waren dagegen.

Ist damit alles entschieden? Auf den ersten Blick schon. Die Unterlegenen im Grossen Rat sahen gestern kaum Möglichkeiten, um die Mehrheitsverhältnisse zu drehen. Im nächsten Jahr wird das Gesetz im Parlament nochmals beraten. Der Gewerbeverband Berner KMU hingegen kündigte bereits an, seinen Widerstand nicht aufgeben zu wollen. Jetzt sei eine breite Debatte zur BKW «dringender und nötiger denn je», schrieb er in einer Mitteilung. Im Frühjahr hatte der Verband die Kampagne «Fair ist anders» gestartet – und dabei explizit auch die Zukäufe der BKW im Ingenieurs- und Haustechnikbereich kritisiert.

Gewerbe kritisiert SVP

Es sei unverständlich, dass gerade auch die SVP Ja zu einem «Gemischtwarenladen BKW» gesagt habe, der die Privaten zunehmend konkurrenziere, hiess es weiter. Die Kritik der Berner KMU an der SVP ist unüblich, zumal viele Gewerbetreibende auch SVP-Anhänger sind. Wenn der Verband noch einen Umschwung herbeiführen möchte, wird er daher sein Lobbying vor allem bei der SVP ansetzen müssen. Die Fraktion stimmte nicht geschlossen für das neue Gesetz. Den Befürwortern in der SVP war vor allem wichtig, dass Kraftwerke und Stromnetze nicht in ausländische Hände kommen. BKW-Verwaltungsratspräsident Urs Gasche hingegen hoffte gestern noch darauf, dass die Angriffe auf die BKW nun beendet werden: «Uns wurde zuletzt immer wieder vorgeworfen, wir seien ein Staatsbetrieb und profitierten davon.»

Die BKW könne aber nichts dafür, dass der Kanton Mehrheitsaktionär sei; sie ziehe daraus keine Vorteile. Die Strategie verteidigte Gasche einmal mehr: «Wir brauchen den Dienstleistungsbereich, er kompensiert unsere Ausfälle bei der Energieerzeugung.» Den Entscheid des Grossen Rats respektiert Gasche. «Die BKW ist bis jetzt gut gefahren mit dem Kanton Bern als Hauptaktionär. Er hat es uns ermöglicht, erfolgreich zu sein.» Mit dem gestrigen Beschluss ändere sich nichts an der heutigen Situation. Er hätte es jedoch auch begrüsst, wenn sich der Grosse Rat für eine flexiblere Lösung ausgesprochen hätte.

Gasche hegte Sympathien für den ursprünglichen Vorschlag des Regierungsrats, eine Beteiligung zwischen 34 und 60 Prozent im Gesetz zu verankern. Erst kurz vor der Debatte gab die Regierung diese Position auf – und sprach sich für eine Mindestbeteiligung von 51 Prozent aus. Für Gasche hätten sich bei einem allfälligen Verkauf der Mehrheit aber auch Fragen gestellt. «Wenn ein undurchsichtiger Grossaktionär aufgetaucht wäre, hätte mich das gestört.»

BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma hingegen sprach sich kürzlich sogar für einen Rückzug des Kantons Bern aus dem Aktionariat aus. Gasche relativiert dies nun. Die aufgeladene Situation habe Thoma zu dieser Aussage veranlasst.

Aufspaltung ist jetzt «kein Thema»

Weil die BKW im Dienstleistungsbereich Private konkurrenziert, wurde im Parlament auch der Ruf nach einer Aufspaltung laut. Gasche wehrt sich nicht grundsätzlich dagegen. «Je nach Entwicklung müssen wir uns eines Tages vielleicht Gedanken über eine Neuorganisation machen.» Gegenwärtig sei dies aber «kein Thema». Gasche betont zudem, dass eine allfällige Aufspaltung der BKW nicht von der Politik veranlasst werden könne. «Solche Fragen müssen innerhalb des Unternehmens aus der Optik von Führung und Erfolg im Rahmen der Strategiearbeit diskutiert werden.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.11.2017, 15:30 Uhr

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