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Ehemaliger EVP-Grossrat will für BDP in Nationalrat

Der Solarpionier Josef Jenni hat die Partei gewechselt. Die EVP bedauert dies.

Josef Jenni (rechts) hegt offenbar schon lange Sympathien für die BDP, bzw. deren Gründer Hans Grunder. Hier begegneten sich der EVP-Grossrat und der BDP-Nationalrat an einer Veranstaltung in Kirchberg.
Josef Jenni (rechts) hegt offenbar schon lange Sympathien für die BDP, bzw. deren Gründer Hans Grunder. Hier begegneten sich der EVP-Grossrat und der BDP-Nationalrat an einer Veranstaltung in Kirchberg.
Andreas Marbot (Archiv 2008)

Der Emmentaler Solar-Unternehmer Josef Jenni will für die BDP in den Nationalrat. Dafür hat sich der ehemalige EVP-Grossrat zu einem Parteiwechsel entschieden, teilte die BDP Kanton Bern am Mittwoch mit.

Jenni sass von 2006 bis 2012 für die EVP im Grossen Rat. Der 65-Jährige gilt als Solarpionier der ersten Stunde und führt in Oberburg ein Energietechnik-Unternehmen. Bei einer Wahl in den Nationalrat wolle sich Jenni insbesondere im Umweltbereich engagieren, wo «dringendster Handlungsbedarf» bestehe.

Die Geschäftsleitung der Berner BDP schlägt Jenni zur Nomination auf die Nationalratsliste vor. Der BDP-Vorstand entscheidet darüber am 1. Mai.

Zweiter Anlauf scheiterte

Letztes Jahr hatte Jenni erneut für den Grossen Rat kandidiert. Auf der Liste EVP Plus des Wahlkreises Emmental erreichte er zwar das mit Abstand beste Resultat. Für einen Sitz reichte es trotzdem nicht. Den holte der Burgdorfer Architekt Martin Aeschlimann auf der Hauptliste der EVP.

Die EVP findet den Wechsel «bedauerlich»

Die EVP bedauert den Parteiwechsel Jennis in einer Mitteilung. Sein Übertritt sei offensichtlich «die direkte Folge seiner Nichtnomination» durch die Berner EVP-Delegierten im Dezember 2018. Damals lehnte eine Mehrheit die laut EVP kurzfristig eingereichte Kandidatur Jennis ab und gab den 24 fristgerecht gemeldeten Kandidierenden den Vorzug.

Dass Jenni nun «im Pensionsalter» der EVP den Rücken kehre und auf einer anderen Liste für den Nationalrat kandidiere sei auch deshalb bedauerlich, weil Jenni damit «indirekt den EVP-Nationalratssitz der Bisherigen Marianne Streiff angreift».

Versuchsballon vor einem Jahr

Josef Jenni, der dieses Jahr 66-jährig wird, wollte politisch wieder aktiv werden, wie er auf Anfrage sagte. Seine Grossratskandidatur vor einem Jahr sei für ihn so etwas wie ein Versuchsballon im Hinblick auf eine Nationalratskandidatur gewesen. Allerdings dürften seine Ambitionen von seiner Partei zu wenig wahrgenommen worden sein, sagte er.

Nachdem er an der Delegiertenversammlung gescheitert sei, habe er die Situation neu beurteilt. Er sei zum Schluss gekommen, dass er innerhalb der BDP die besten Möglichkeiten hätte, sich als Energie- und Umweltspezialist einzubringen – sollte er überhaupt gewählt werden. Ausserdem habe er seit jeher eine bürgerlich-soziale Gesinnung, sagte er.

BDP: Mehr Spitzenkandidaten als Sitze

Die Kontaktaufnahme mit der BDP sei sehr erfreulich verlaufen, sagte Jenni. Hans Grunder kenne er seit langem; er ist ebenfalls ein Emmentaler. Er sei sich dessen bewusst, dass er mit seiner Kandidatur die EVP-Spitzenkandidatin Marianne Streiff nun indirekt konkurrenziere. Gleichzeitig sei ihm klar, dass die EVP im Kanton Bern nicht zwei Sitze erringen könne. Die zusätzlichen Stimmen, die er erzielen werde, würden nun der BDP zugute kommen und nicht der EVP. Zu den tatsächlichen Wahlchancen sagte Jenni: «Wahlen sind Wahlen – ich werde mir im Wahlkampf Mühe geben.»

Wie gross Jennis Chancen tatsächlich sind, ist schwierig einzuschätzen: Schon jetzt hat die bernische BDP tendenziell zu viele Spitzenkandidatinnen und -kandidaten. Derzeit hat sie drei Sitze. Lorenz Hess und Heinz Siegenthaler treten als Bisherige an. Nebst Finanzdirektorin Beatrice Simon wird auch die ehemalige Fernsehmoderatorin Michelle Renaud seit längerem in den Vordergrund gerückt. Dazu käme nun noch Josef Jenni.

(SDA)

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