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Flüchtlinge aus Syrien sollen in Bern studieren dürfen

Die Berner Fachhochschule prüft, syrische Studierende ihre Ausbildung beenden zu lassen. Auch an der Uni sollte dies möglich sein, sagt Regierungsrat Bernhard Pulver.

Schon bald Schweizer Studentinnen? Syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa – hier während eines Zwischenstopps in Österreich.
Schon bald Schweizer Studentinnen? Syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa – hier während eines Zwischenstopps in Österreich.
Keystone

Nach dem Ungarnaufstand von 1956 ging es schnell: Ungarnflüchtlinge, die Schutz in der Schweiz fanden, konnten unterbrochene Studien hier abschliessen. Bereits im Wintersemester 1958/59 waren über 500 ungarische Studierende an den Schweizer Hochschulen immatrikuliert. Nun gibt es erstmals erneut Versuche, geflüchtete Studierende ihre Ausbildung in der Schweiz beenden zu lassen. Der Zürcher Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne) will in der Herbstsession beim Bundesrat anregen, spezielle Kontingente für temporäre Aufenthalte von syrischen Studierenden zu schaffen. Letzteres sei an vielen deutschen Universitäten bereits möglich.

Bei der Berner Fachhochschule (BFH) will man aber nicht bloss auf eine Initiative des Bundes warten. Ein Weiterstudium von «bildungsaffinen Personen unter den Flüchtlingen» sei unter Umständen möglich, hält Elisabeth Hasler, Leiterin Kommunikation bei der BFH, in einer schriftlichen Stellungnahme fest.

Rektorenkonferenz eingeschaltet

An einem Gespräch mit Vertreterinnen des UNO-Hochkommissariates für Flüchtlinge (UNHCR) seien diesbezüglich vier Problempunkte definiert worden. So müsse der Aufenthaltsstatus geklärt sein, damit eine Zulassung «rechtlich abgesichert» sei, schreibt Hasler. Zudem müsse die Vorqualifikation mittels Ausweisen und Diplomen eindeutig belegt werden. «Wir gehen davon aus, dass für diese Punkte die BFH institutionell eine Lösung finden könnte», schreibt Hasler. Die Finanzierung von Studienkosten, Lebensunterhalt und allfälliger «Sprachsupportangebote» müsse jedoch «auf übergeordneter Ebene» angegangen werden, erklärt sie.

Beim UNHCR Schweiz werden die Kontakte mit der BFH bestätigt. Inhaltlich konnte am Dienstag jedoch niemand dazu Stellung nehmen. Auch ist unklar, ob das UNHCR noch mit weiteren Hochschulen in der Schweiz in Kontakt steht. Klar ist hingegen, dass das UNO-Hochkommissariat bei Swissuniversities, der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen, vorstellig wurde, wie Generalsekretärin Martina Weiss auf Anfrage bestätigt. Die Entscheidkompetenz in Sachen Zulassung von Flüchtlingen zum Studium liege zwar bei den Hochschulen und ihren Trägern, hält Weiss fest. Aber die gemeinsame Rektorenkonferenz sei der Ort, «wo darüber diskutiert und allenfalls ein gemeinsames Vorgehen entwickelt werden kann», sagt Weiss.

Pulver erinnert an Russinnen

Eine allfällige Initiative von Swissuniversities würde bei der Erziehungsdirektion des Kantons Bern auf fruchtbaren Boden fallen. «Wir sind bereit, etwas zu tun», sagt Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne). Jeder junge Mensch habe ein Recht auf Bildung. Im Kanton Bern würden Kinder von Flüchtlingen oder vorläufig aufgenommenen Personen auf der Ebene der Volksschule und der Sekundarstufe zum Beispiel mit Intensiv-Deutschkursen gefördert. Auf Hochschulstufe habe es bisher noch keine entsprechende Offensive gegeben. «Die Universität Bern hat aber eine lange Tradition, Flüchtlingen Studienplätze zur Verfügung zu stellen», sagt Pulver unter Anspielung auf die Russinnen, die Ende des 19. Jahrhunderts wegen verschärfter Aufnahmebedingungen an den Universitäten des Zarenreichs einen Studienplatz in Bern gefunden haben. «Im Fall Syrien sollte Ähnliches möglich sein», sagt Pulver. Es ergebe keinen Sinn, diese Leute von der Bildung auszugrenzen.

Universität will auf Bund warten

Eine Voraussetzung hierfür sei allerdings die Existenz von Studienausweisen oder Diplomen. «Wer über eine entsprechende Vorbildung verfügt, soll sein Studium weiterführen können», sagt Pulver. Für eine Reduktion oder den Erlass von Studiengebühren gebe es eine Rechtsgrundlage. «Für Lebenskosten oder Sprachkurse kann aber nicht die Uni aufkommen.» Die Universität Bern reagiert aber zögerlich. Pulver wird noch Überzeugungsarbeit leisten müssen. «Falls der Bundesrat sich zu Massnahmen entscheiden sollte, würden wir sicher Gespräche über die Umsetzung führen», heisst es bei der Medienstelle.

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