FDP steuert mit altbekanntem Personal in die Zukunft

Bernhard Eicher und Christoph Zimmerli sind die Favoriten fürs FDP-Präsidium. Die Parteilinke lässt sie gewähren – und spekuliert aufs Fraktionspräsidium.

Eicher (l) überlegt sich eine Kandidatur für die Müller-Nachfolge, Zimmerli will Parteipräsident werden.

Eicher (l) überlegt sich eine Kandidatur für die Müller-Nachfolge, Zimmerli will Parteipräsident werden. Bild: Adrian Moser

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Bernhard Eicher oder Christoph Zimmerli? Einer der beiden wird wohl neuer Parteipräsident der FDP Stadt Bern. Weitere Interessenten sind derzeit nicht in Sicht. Und der Entscheid naht. Am 30. Oktober befindet die Parteiversammlung über die Nachfolge von Philippe Müller. Dieser tritt als Parteichef zurück, weil er sich voll auf die Regierungsratswahlen im Frühling konzentrieren möchte.

Ein klarer Favorit im Zweikampf Zimmerli gegen Eicher ist bisher nicht auszumachen. Beide sitzen schon lange im Stadtparlament und verfügen über entsprechende Kenntnisse der lokalen Politlandschaft. Und beiden wird von den Fraktions- und Parteikollegen das nötige Rüstzeug für das Amt attestiert. Während Zimmerli sein Interesse anmeldet, hält sich Fraktionschef Eicher aber noch bedeckt.

Was gegen die beiden spricht: Mit Eicher als Fraktionschef und Zimmerli als Vizeparteichef gehören beide auch zur bisherigen Führungsriege der Partei. Bei den Gemeindewahlen vor einem Jahr kam es aber innerhalb der Fraktion zu einem spürbaren Wechsel. Die SVP-nahen Jacqueline Gafner und Mario Imhof traten zurück, neu gewählt wurden dafür etwa die gesellschaftsliberalen Claudine Esseiva und Tom Berger. Bereits in der letzten Legislatur stiess zudem Barbara Freiburghaus in die Fraktion. Mit den neuen Kräften, so die Analyse vieler Beobachter, könnte die FDP ihren kompromisslosen Oppositionskurs überwinden und RGM stärker herausfordern. Keine Flügelkämpfe, oder?

«Sozialkompetenz ist für das Amt wichtiger als der Smartspider.»Adrian Haas, FDP-Grossrat

Doch dass die viel bejubelten neuen Kräfte nun das Parteipräsidium übernehmen, scheint nicht vorgesehen. Berger, Esseiva und Freiburghaus erklären auf Anfrage, dass sie für das frei werdende Amt nicht zur Verfügung stünden. Berger möchte sich auf die Grossratswahlen im Frühling konzentrieren, Esseiva hat für den Moment «genug von Wahlkämpfen», und Freiburghaus will sich auf das Präsidium der FDP Frauen Kanton Bern konzentrieren, wie sie auf Anfrage sagt.

Für die Parteioberen spielen Fragen nach alter oder neuer Garde, nach liberalem oder konservativem Flügel, keine Rolle. «Kompromissfähigkeit und Sozialkompetenz sind für das Amt wichtiger als der Smartspider», sagt FDP-Grossrat Adrian Haas, welcher der Findungskommission für die Müller-Nachfolge vorsteht.

Müller selber zeigt sich ob der Anfrage gar leicht genervt. «Flügelkämpfe werden bloss herbeigeredet, um die Partei zu spalten», sagt er. In Wahrheit unterscheide sich die neue Fraktion nur «in Nuancen» von der vorherigen. «Die FDP hat eine klare Mitte-rechts-Positionierung; das war früher so, und das ist heute nicht anders.»

Mit Blick auf die laufende Legislatur überraschen diese Aussagen. So stimmte die Fraktion dem Kredit für das Tram Bern-Ostermundigen zu. Beim Tram Region Bern überwog bei den Freisinnigen noch die Skepsis. Auch der Kredit zur Reitschulsanierung passierte den Stadtrat ohne Gegenstimme aus den Reihen der Freisinnigen – der alten Fraktion hätte die Vorlage wohl mehr Kopfschmerzen verursacht. Vor den letzten Wahlen kaum denkbar gewesen wären auch Vorstösse wie jener von Claudine Esseiva mit der Forderung eines flächendeckendes Angebots an Tagesschulen.

Die Parlamentarier machen denn auch keinen Hehl daraus, dass die Fraktion «näher zur Mitte» gerutscht ist, wie es Freiburghaus ausdrückt. Sie betont aber – wie alle Befragten – dass die Diskussionen in der Fraktion äusserst konstruktiv und harmonisch verlaufen. «Und in finanzpolitischen Fragen sind zwischen den verschiedenen Personen kaum Unterschiede vorhanden.»

Auch für Zimmerli ist der Wandel «offensichtlich» und «objektiv feststellbar». Er betont aber, dass er nicht zum konservativen Flügel zähle. «Ich habe mich etwa stets für das Tram und den Ausbau von familienexternen Betreuungsangeboten ausgesprochen.» Sein Interesse am Amt begründet er unter anderem mit dem Aufwind der Partei. «Es gibt viele neue Leute, die sich stark engagieren.»

Esseiva will Eicher beerben

Doch auch wenn Zimmerli durchaus gesellschaftsliberale Einschläge hat, ein Duo Zimmerli/Eicher stösst nicht auf ungeteilte Zustimmung. Esseiva etwa wünscht sich «mehr Diversität» in den wichtigen Posten, «damit das ganze Spektrum der Partei abgedeckt ist». Es sei ihr aber wichtig zu unterstreichen, dass sie mit Eicher und Zimmerli als Parteipräsident gut leben könne. Ihre eigenen Ambitionen gehen dafür in Richtung Fraktionspräsidium. «Dieser Posten reizt mich», sagt sie.

Dass aus ihrem Wunsch Realität wird, ist durchaus auch mit Zimmerli als Parteipräsident möglich. Zwar sagt Eicher, dass er weiter Fraktionspräsident bleiben möchte, wenn er sich gegen eine Kandidatur fürs Parteipräsidium entscheide. Er hat aber gute Chancen, ins Kantonsparlament gewählt zu werden. Vor vier Jahren landete Eicher auf dem ersten Ersatzplatz.

Mit dem wahrscheinlichen Einzug von Müller in den Regierungsrat wird ein FDP-Sitz im Wahlkreis frei. «Sollte ich in den Grossrat gewählt werden, würde ich mich mittelfristig aus dem Stadtrat zurückziehen», sagt er. (Der Bund)

Erstellt: 12.10.2017, 06:34 Uhr

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