«Falscher Zahnarzt» von Biel vor Bundesgericht abgeblitzt

Das Bundesgericht bestätigt die Verurteilung wegen Betrugs sowie das fünfjährige Berufsverbot für einen Zahntechniker, der sich als Zahnarzt ausgegeben hatte.

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Ein als «falscher Zahnarzt» von Biel bekannt gewordener Zahntechniker ist vor Bundesgericht mit seiner Beschwerde abgeblitzt. Der Mann war 2016 zu einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren verurteilt worden, weil er jahrelang ohne entsprechende Bewilligung zahnärztlich tätig war - zum Schaden von Patienten.

Die höchsten Richter des Landes stützten das Urteil der Vorinstanz in allen wesentlichen Punkten. Weil die Beschwerden des Zahntechnikers «von vornherein aussichtslos waren», gewährt ihm das Bundesgericht gemäss seinem am Donnerstag veröffentlichten Urteil auch keine unentgeltliche Rechtspflege. Aufgebrummt erhält der Verurteilte auch die Gerichtskosten.

Freiheitsstrafe und Berufsverbot

Der Mittfünfziger wurde 2016 in erster Instanz unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und gewerbsmässigen Betrugs verurteilt und mit einem fünfjährigen Berufsverbot belegt.

Vor dem Regionalgericht in Biel berichteten Patienten zum Teil unter Tränen von ihren Leiden. Eine Frau schilderte, wie sie sich nach einer Behandlung beim Angeklagten 54 Nachbehandlungen habe unterziehen müssen. Der Zahntechniker soll unter anderem unnötigerweise Zähne abgeschliffen und unsachgemäss Brücken eingesetzt haben. Der Zahntechniker selber bestritt die Vorwürfe. Seine Patienten hätten gewusst, dass er kein Zahnarzt sei, sich aber wegen seiner günstigen Preise für eine Behandlung bei ihm entschieden, argumentierte er.

Willkür vermutet

Der Mann legte gegen das aus seiner Sicht willkürliche Urteil Berufung ein. Es fehle an handfesten Befunden für die angeblich ausgelösten medizinischen Probleme, argumentierte er unter anderem.

Das bernische Obergericht bestätigte den Schuldspruch im September 2017. Der Angeklagte habe sich nicht etwa im Graubereich zwischen Zahntechnik und Zahnmedizin bewegt, sondern «im rabenschwarzen Bereich», wie der vorsitzende Richter seinerzeit betonte. Der Mann habe einfach möglichst viel Geld verdienen wollen.

Ausserdem sei er über Jahre deliktisch tätig gewesen, selbst während dem hängigen Strafverfahren. Vor Obergericht hielten auch die Befunde über die mutmasslichen medizinischen Probleme stand.

Gegen das Obergerichtsurteil zog der Zahntechniker wiederum zu Felde. Das Bundesgericht sah aber weder das rechtliche Gehör verletzt, noch erkannte es Willkür in den Erwägungen der Vorinstanzen. Auch die Beschlagnahmung seiner Instrumente und Geräte sei rechtens, um die Einhaltung des Berufsverbots sicherzustellen, kamen die Lausanner Richter zum Schluss und wiesen die Beschwerde ab.

Schon lange in der Kritik

Die Machenschaften des «falschen Zahnarztes» gaben in Biel immer wieder zu reden. Bereits 2009 klagte die Bieler Zahnarztgesellschaft, es sei «schwer verständlich», dass die Justiz das Treiben des Mannes nicht unterbunden habe. Schliesslich habe die Gesellschaft schon 2007 Strafklage eingereicht.

Die Staatsanwaltschaft entgegnete, sie habe den Auftrag, strafrechtliche Vorwürfe mit aller Sorgfalt zu prüfen. Es handle sich um einen komplexen Fall. Erschwerend komme hinzu, dass der Angeklagte immer weiter delinquiert habe, auch nach einer Beschlagnahmung seiner Instrumente.

(Bundesgerichtsurteile 6B_1056/2017 und 6B_1357/2017 vom 7. Juni 2018) (zec/sda)

Erstellt: 14.06.2018, 11:57 Uhr

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