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Das Wirtschaftsstudium der Berner Fachhochschule wird flexibler

Ingrid Kissling, Direktorin des Departement Wirtschaft, stellt der Kritik eine neue Strategie entgegen. Sie will fokussierte und zugleich flexiblere Studiengänge schaffen.

Die Berner Fachhochschule will sich gegen die sinkenden Schülerzahlen behaupten.
Die Berner Fachhochschule will sich gegen die sinkenden Schülerzahlen behaupten.
Franziska Rothenbühler

Der Berner Fachhochschule (BFH) springen die Studierenden ab. Sie hat keine Strategie und kein klares Profil, so die Kritik. Das Departement Wirtschaft erhält dabei besonders schlechte Noten: mangelnde Führungskultur, jahrelanger Stillstand, schlechte Stimmung unter den Dozenten und Studierenden («Der Bund» berichtete). In den Online-Kommentaren zum Artikel wird dieses Bild bestätigt. Die Stimmung an der BFH sei «tatsächlich mies», und es herrsche ein «Durcheinander», nicht nur an im Wirtschaftsdepartement. Von «Hahnen- und Hennenkämpfen» unter den Dozierenden wird geschrieben. Und ein Student kritisiert die hohe Durchfallquote im Fach Mathematik im Bereich Wirtschaft. Er habe Kollegen, die sich deswegen an anderen Fachhochschulen eingeschrieben hätten.

Junges Departement

Gestern stellte das Departement Wirtschaft nun seine neue Strategie vor. Bis Anfang letzten Jahres gehörte es zu einem riesigen Departement, das nebst Wirtschaft die heutigen Departemente Soziale Arbeit und Gesundheit umfasste. Seit der Aufteilung ist Ingrid Kissling Direktorin des jungen Departements. Die ETH-Ökonomin analysierte die Situation, machte eine Mitarbeiterbefragung und erarbeitete dann die neue Strategie. Es scheint, als versuche sie damit auch auf die schwelende Kritik zu reagieren. Per April soll es statt zwei sechs Institute gebem. Nächste Woche wird bekannt, wer diesen vorsteht. Ziel ist ein klareres Profil. «Mit den Instituten fokussieren wir uns auf bestimmte Themen», erklärt sie auf Nachfrage.

Ingrid Kissling: Seit 2018 Direktorin des Departements Wirtschaft der Berner Fachhochschule und SP-Stadträtin.
Ingrid Kissling: Seit 2018 Direktorin des Departements Wirtschaft der Berner Fachhochschule und SP-Stadträtin.

Auch die Praxisnähe der Fachhochschule betont die Direktorin immer wieder. Sie soll einen konkreten Nutzen für Unternehmen bieten. Zudem will die Schule gemeinsam mit Unternehmen an Projekten arbeiten. Dabei liegt der Fokus auf der Digitalisierung: «Wir müssen die Digitalisierung von KMU vorantreiben», sagt Kissling. Die Digitalisierung bringe neue Geschäfts-Modelle wie Uber oder andere auf digitalen Plattformen basierenden Angebote. «Ein solches Unternehmen funktioniert nicht mehr gleich wie ein Taxi-Betrieb mit fünf Angestellten», sagt sie.

Schlechtes Arbeitsklima

Kissling ist bewusst, dass der Umbau des Departements für die Mitarbeitenden eine Herausforderung ist. Darum will sie ihnen Weiterbildung und Unterstützung anbieten. «Wir wollen leben, was wir empfehlen», sagt sie. Doch gerade das Arbeitsklima steht in der Kritik. Kissling reagiert aber gelassen auf die Vorwürfe. Etwa darauf, dass ausgerechnet sie, die für die SP im Berner Stadtrat sitzt, Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub eine Pensenreduktion verweigere. Kissling sagt: «Im Gegenteil, wir ermutigen Frauen so zu arbeiten, dass sie wirklich teilhaben können.» Das Reglement der Fachhochschule sehe aber vor, dass das Mindestpensum für Teilzeitarbeit 60 Prozent betrage. Im konkret vorgeworfenen Fall hätten die Frauen weniger arbeiten wollen.

Mit der neuen Struktur sollen auch die Studienpläne überarbeitet werden. Schon im kommenden Herbst sollen die Studierenden ihr Studium individualisierter angehen können. Sie können flexibler und in Teilzeit studieren. Wenn sie die Grundlagen erarbeitet haben, sollen sie aus einer Palette von verschiedenen Modulen auswählen können. Im Herbst 2020 soll die Reform abgeschlossen sein.

Kissling will an ihrem Departement mit neuen Lernformen und Inhalten experimentieren. Sie will den Studierenden eine moderne Infrastruktur zur Verfügung stellen und zwar schon am bestehenden Standort, dem alten Seminar im Marzili in der Stadt Bern. In sieben Jahren wird das Departement dann in den neuen Campus ziehen. Bis dahin soll das Departement Wirtschaft gar zur «modernsten Hochschule» der Schweiz zu werden.

Kissling tritt überzeugend auf. Sie scheint eine klare Vision zu haben. «Wir versuchten uns vorzustellen, was unsere Absolventen angesichts der Digitalisierung können müssen», erklärt sie. Es gebe auch bereits einen Businessplan für die Strategie und deren Umsetzung.

Ob es ihr gelingt, den eigenen Ambitionen gerecht zu werden, wird sich zeigen. Zudem zielt die Kritik an der Fachhochschule nicht allein auf das Wirtschaftsdepartement, sondern auch auf das Rektorat ab. Dieses ist in der Berner Länggasse untergebracht. Darauf zielt etwa ein Beitrag in der Kommentarspalte des «Bund», der mit dem Pseudonym des deutschen Widerstandskämpfers Otto Hampel signiert ist: «Im Palazzo Prozzo am Falkenplatz regiert man von oben herab wie vor 40 Jahren.»

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