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Experte kritisiert Ex-Thorberg-Direktor und Anstellungsverfahren

Georges Caccivio war als Thorberg-Direktor untragbar, weil er auf dem Bieler Drogenstrich verkehrte und sich damit «äusserst unprofessionell» verhielt.

Hat sich «äusserst unprofessionell» verhalten: Ex-Thorberg-Direktor Georges Caccivio.
Hat sich «äusserst unprofessionell» verhalten: Ex-Thorberg-Direktor Georges Caccivio.
Keystone

Der Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger präsentierte am Donnerstag seinen Bericht zur Thorberg-Affäre. Darin kritisiert er nicht nur Caccivio, sondern auch dessen Vorgesetzten. Der zuständige Amtsdirektor Martin Kraemer habe Caccivio an der langen Leine geführt und offenkundig zu viel Vertrauen geschenkt. Kaum Kritik äussert der Experte an seinem Auftraggeber, dem bernischen Polizeidirektor Hans-Jürg Käser. Als die Thorberg-Affäre Anfang Jahr ans Tageslicht gekommen sei, habe Käser als politisch Verantwortlicher «zeitgerecht und richtig» gehandelt - insbesondere, als er Caccivio im Amt eingestellt habe.

Allerdings sei der FDP-Regierungsrat mehr als einmal erst mit Verzögerung über Missstände auf dem Thorberg ins Bild gesetzt worden. Diese Kritik richtet sich an Amtsdirektor Kraemer, der selber am Donnerstag nicht an der Medienkonferenz erschien. Gemäss Bericht weist er mehrere Vorwürfe des Experten zurück. Der Kanton teilte per Communiqué lediglich mit, Kraemer werde «aus gesundheitlichen Gründen gegen Ende 2014 in den Ruhestand treten».

Damit biete sich die Chance für einen Neuanfang an der Spitze des Amts für Freiheitsentzug und Betreuung, stellte Regierungsrat Käser fest. In der Tat sei das Vertrauensverhältnis zu Kraemer belastet. Er danke dem langjährigen Amtsvorsteher aber für seine gute Arbeit an der Spitze eines grossen Amts mit rund 900 Mitarbeitenden.

«Äusserst unprofessionell»

Die Thorberg-Affäre geriet Anfang Jahr ins Scheinwerferlicht. Medien kolportierten anonyme Vorwürfe, wonach der Anstaltsdirektor Caccivio zwei Häftlinge duze und einige Insassen bevorzugt behandle. Kurz darauf kam heraus, dass Caccivio Kontakte zu Drogenprostituierten hatte und auch als Direktor noch im Bieler Milieu verkehrte. Im Februar wurde Caccivio im Amt eingestellt. Eine Kündigung war bislang nicht möglich, weil er krankgeschrieben ist. Nähere Angaben dazu waren am Donnerstag nicht erhältlich.

Auf dem Höhepunkt der Affäre gab Käser eine Administrativuntersuchung bei Brägger in Auftrag. Dieser bestätigt die Mehrzahl der publik gewordenen Vorwürfe gegen Caccivio. Die Kontakte ins Milieu seien «äusserst unprofessionell» gewesen, sie hätten Caccivios Integrität völlig zerstört und zudem dem Ruf des Berner Freiheitsentzugs geschadet. Inakzeptabel sei auch, dass Caccivio tatsächlich zwei Duz-Freunde als Häftlinge geduldet habe. Dass er einem anderen Insassen vier Bilder abgekauft habe und 700 Franken auf dem Freikonto des Mannes gutschreiben liess, sei ein weiteres Beispiel für die mangelhafte Amtsführung des Direktors.

Versagt habe Caccivio auch, nachdem sich Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts eine Schlägerei geliefert hatten. Der Direktor liess es bei einer Aussprache aller Beteiligten und einem Handschlag unter den Involvierten bewenden.

Kritik an Anstellungsverfahren

Fehler geschahen laut Brägger bereits beim Anstellungsverfahren für den Direktor im Jahr 2011. Man hätte gerade bei einem internen Bewerber wie Caccivio unbedingt eine Aussensicht suchen und ein unabhängiges Assessment durchführen müssen.

Das will Regierungsrat Käser im kommenden Herbst bei der Neubesetzung der Direktorenstelle besser machen, wie er beteuerte. Auch die von Brägger angeregten Massnahmen für zeitgemässe Betriebsabläufe und Führungsstrukturen auf dem Thorberg will Käser genau prüfen.

Der organisatorische Handlungsbedarf stehe ausser Frage, machte Brägger deutlich. Er wies aber auch darauf hin, dass er im Rahmen seiner Untersuchung kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt habe.

GPK will Bericht analysieren

Käser und Brägger informierten am Donnerstag auch die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates über den Bericht, wie die GPK mitteilte. Sie verzichtet einstweilen auf eine inhaltliche Bewertung und will den Bericht zuerst «vertieft analysieren». Dabei will sie ausloten, in welchen Punkten aus ihrer Sicht noch Handlungsbedarf bestehen könnte.

SDA/mer

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