Es war der Buchhalter

Ein Mann aus dem Kanton Bern betrog seine Arbeitgeber um weit über eine Million Franken. Nun muss er 5½ Jahre ins Gefängnis.

Der Buchhalter wurde vom Berner Wirtschaftsgericht verurteilt.

Der Buchhalter wurde vom Berner Wirtschaftsgericht verurteilt. Bild: Stefan Anderegg

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Reisen auf die Bahamas, nach Florida, München und Kitzbühel, teure Kleider, gutes Essen, ein aufwendig umgebautes Haus mit Pool, neue Möbel für 50’000 Franken, eine Ferienwohnung an der Lenk, eine Harley-Davidson: Das Ehepaar aus dem Oberaargau liess es sich in den letzten Jahren gut gehen.

Nun muss es teuer dafür bezahlen. Der Mann, ein diplomierter Buchhalter, wurde gestern wegen mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und Fälschung von Ausweisen zu 5½ Jahren Gefängnis verurteilt. Das Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern hat zudem eine frühere bedingte Freiheitsstrafe von 2 Jahren widerrufen. Und: Der Mann muss seiner früheren Arbeitgeberin Brooks Automation AG 1,2 Millionen Franken zurückzahlen, dazu kommen über 150’000 Franken für Verfahrens- und Anwaltskosten. Das Urteil kann noch angefochten werden.

Mit der Fussfessel am Bein

Noch mit einer elektronischen Fussfessel am Bein hatte der Mann vor einigen Jahren seine Stelle bei der Brooks Automation AG in Oberdiessbach (heute in Steffisburg) angetreten. Die Fussfessel trug er wegen eines früheren Vermögensdelikts. Dieses hatte er dem neuen Arbeitgeber verheimlicht, den verlangten Strafregisterauszug hatte er gefälscht.

«Warum nur hat er seine Chance auf einen beruflichen Neuanfang mit gutem Lohn verspielt?», fragte Gerichtspräsidentin Barbara Lips bei der Urteilsverkündung rhetorisch. Denn bald nach Stellenantritt begann der Mann, seinen Arbeitgeber zu betrügen. Dabei nutzte er den Umstand aus, dass die Firma kurz zuvor vom US-Konzern Brooks übernommen worden war und dass seine Vorgesetzten nicht in der Schweiz sassen.

So liess er sein eigenes Haus umbauen und speiste die Rechnungen in die Buchhaltung der Firma ein (400’000 Franken). Er liess sich auch seine persönlichen Kreditkartenrechnungen vom Arbeitgeber bezahlen (360’000 Franken). Im System der Swiss Life hinterlegte er zudem einen höheren Lohn, als er effektiv hatte. Dies führte dazu, dass die Brooks Automation AG mehr in seine Pensionskasse einzahlte als nötig (190’000 Franken). Weiter liess sich der Mann fiktive Überstunden, Essenszulagen, Boni, Kilometerentschädigungen und Mobiltelefonkosten auszahlen (120’000 Franken). Er schreckte auch nicht davor zurück, die Steuerrechnungen für sich, seine Frau und die Firma seiner Frau vom Arbeitgeber bezahlen zu lassen (70’000 Franken) sowie weitere private Rechnungen (140’000 Franken).

Der Mann wusste seinen Betrug gut zu vertuschen: Damit die abgezweigten Beträge nicht auffielen, passte er jeweils die internen Quartalsprognosen der Firma entsprechend an.

«Wie in einem Rausch»

Zuletzt wechselte der Buchhalter mit einem gefälschten Arbeitszeugnis zu einer kleinen Solothurner Firma – und erleichterte auch diese um 200’000 Franken. Mit dem Betrug fuhr er gar fort, als seine vorherige Arbeitgeberin wegen seiner Buchungen Verdacht schöpfte.

«Ich wollte immer mehr, es war wie in einem Rausch», sagte der Mann bei seiner Befragung durch das Gericht letzte Woche. Und: «Ich hatte Existenzängste, ich wollte zeigen: Ich habe etwas.» Vergangenen Dezember wurde der Mann schliesslich an seinem Arbeitsplatz festgenommen. Seither sitzt er im Gefängnis – von der Untersuchungshaft wechselte der geständige Buchhalter direkt in den vorzeitigen Strafvollzug.

Der Mann sagte bei seiner Befragung durch das Gericht weiter, er möchte keinen Bürojob mehr, sondern wie derzeit in der Strafanstalt auch künftig in einem Pferdestall arbeiten.

In seinem Plädoyer hatte der amtlicher Verteidiger auf die schwierige Kindheit des Angeklagten hingewiesen. Das Gericht wollte jedoch – abgesehen von der Kooperationsbereitschaft des Mannes – keine mildernden Umstände geltend machen.

Er verliert Haus und Harley

Das Gericht hat entschieden, das Haus des Ehepaares zu verwerten, ebenso die Harley-Davidson und weitere beschlagnahmte Gegenstände des Mannes. Die Wohnung an der Lenk ist bereits verkauft. Die Ehefrau muss den beiden früheren Arbeitgebern ihres Mannes gut 40’000 Franken zahlen – weil es ihr laut der Richterin hätte klar sein müssen, dass sich das Ehepaar das Luxusleben eigentlich nicht hätte leisten können. (Der Bund)

Erstellt: 10.08.2018, 06:33 Uhr

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