«Es ist Zeit, neue Ideen zu tanken»

Für Bernhard Pulver ist es nach zwölf Jahren Zeit, eine neue Aufgabe anzupacken. Eine Kandidatur für den Ständerat 2019 schliesst er nicht aus.

Bernhard Pulver hat am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt.

Bernhard Pulver hat am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt.

(Bild: Adrian Moser)

Marcello Odermatt@cellmob

Herr Pulver, Sie treten auf Ende Mai 2018 zurück. Warum?
Ich habe in den Sommerferien entschieden, nicht für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. 12 Jahre sind eine abgerundete Zeit für einen Regierungsrat. Erst 2022 zurückzutreten, ist zu spät. Von Zeit zu Zeit braucht es in der Politik einen Wechsel. Das ist auch richtig so.

Ein weiterer Grund?
Es ist Zeit, neue Ideen zu tanken. Ich möchte mich auf neue Weise engagieren. Es ist die richtige Zeit, dies jetzt zu tun. Schliesslich ist das Amt als Erziehungsdirektor sehr anstrengend. Den Preis, den man dafür zahlt, ist hoch. Privatleben, Freizeit, Wohlbefinden leiden stark. Ich fühle mich nicht ausgelaugt. Aber man sollte aufhören, bevor man ausgelaugt ist. Für neue, frische Ideen braucht ein Mensch einmal eine Pause. Mir gefällt die Arbeit als Regierungsrat nach wie vor sehr. Ich hätte nie gedacht, dass ich derart lösungsorientiert arbeiten kann. Ich werde mich auch weiterhin für neue Aufgaben engagieren.

Welche neuen Aufgaben?
Das kann ich heute noch nicht sagen. Ich werde gerne meine Erfahrungen für das Gemeinwohl einsetzen. Zunächst werde ich mir nächsten Sommer für ein paar Monate freie Zeit nehmen. Mehr weiss ich noch nicht.

Pulver gibt vor den Medien seinen Rücktritt bekannt (Video: mob).

Werden Sie für den Ständerat kandidieren, wo 2019 nach dem Rücktritt von SP-Ständerat Hans Stöckli ein Platz frei werden könnte?
Ich weiss nicht, was kommt. Ich möchte mich aber weiterhin für die öffentliche Sache, für die Menschen engagieren. Ob das eine Ständeratskandidatur sein wird, kann ich heute noch nicht sagen. Ich schliesse das aber auch nicht aus. Ich kann mir ebenso ein Engagement an einer Universität vorstellen.

Inwiefern hat bei Ihrem Rücktritt mitgespielt, dass die Regierung seit einem Jahr nach einer zehnjährigen rot-grünen Mehrheit nun wieder eine bürgerliche Mehrheit hat?
Das ist eine schwierige Frage. Eigentlich hat es keine Rolle gespielt für meinen Entscheid. Das heisst nicht, dass die neue Mehrheit irrelevant ist. Natürlich gibt es jetzt auch Mehrheitsentscheide, mit denen ich nicht einverstanden bin. Aber das war nicht der Grund für meinen Rücktritt.

Wie geht es weiter? Bernhard Pulver beantwortet Fragen der Medienschaffenden (Video: mob)

Wie beurteilen Sie die heutige Zusammenarbeit im Regierungsrat?
Die politischen Mehrheitsentscheide sind für die Kultur im Regierungsrat nicht so entscheidend. Die Diskussionskultur hängt nicht von der Partei ab, zu denen die Politiker gehören. Es herrscht keine gänzlich andere Kultur im Gremium. Sie ist nach wie vor sehr gut.

Die Arbeit mit dem bürgerlich dominierten Kantonsparlament war mitunter schwierig. Konnten Sie Ihre Ziele erreichen oder mussten Sie zu viele Kompromisse eingehen?
Ich habe nicht das Gefühl. Nein. Ich musste keine Ideale aufgeben. Ich ging nie davon aus, dass alle meine Vorstellungen eins zu eins umgesetzt werden müssen. Eine Idee wird besser, wenn man sie mit anderen konfrontiert. Und gewisse Änderungen des Grossen Rats waren gute Veränderungen. Ich hatte nicht das Gefühl, ich sei ständig aufgelaufen. Überhaupt nicht.

Der Bund

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